„Aufstieg und Fall“ betreibt Krisenforschung

Die Krise macht kreativ und Print ist das neue Online! Dieser Eindruck bestätigt sich aufs Neue mit der Erstausgabe des Berliner Magazins "Aufstieg und Fall", das "das gespannte menschliche Verhalten" in unserem Informationszeitalter untersuchen will. Soll heißen: "Die Welt ist ein komplexer, schauriger, schillernder Ort und 'Aufstieg und Fall' ist ein neues Prisma", durch welches das Leben gefiltert wird. "Aufstieg und Fall", ein haptisches wie visuelles Erlebnis, setzt auf ungewöhnliche Formate und Perspektiven.

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Die Macher um Chefredakteur Iván Aránega Tortosa bringen die neuen Zeitschrift im Eigenverlag heraus,  Startauflage: 10.000 Exemplare. Als Herausgeber agiert die Berliner Projekt-Agentur forumsprojekt. Den Grundgedanken, der sich wie ein roter Faden durchs Magazin zieht, entleihen Aránega und Co. bei der US-Autorin Flannery O´Connor: „Everything that rises must converge“ hieß ein in den Sechziger Jahren veröffentlichtes Buch der Gesellschaftskritikerin. Alles, was aufsteigt, „fällt auf diesem Weg zusammen und formt, wer wir sind“, interpretiert Aránega. Der Leser als ein Geschöpf seiner Umwelt, als ein Produkt der ihn umgebenden Trends, Strömungen, Hypes. Warten wir auf den Fall!

Die Zwischenzeit versüßen wir uns mit dem Lesen des neuen, monothematisch angelegten Magazins. Thema der Erstausgabe ist „Aufstieg und Fall“, wie könnte es anders sein? Mit diesem bedeutungsschwangeren Leitgedanken machen es sich die Initiatoren einerseits einfach: die Krise liegt zu nahe, als dass man um sie herumkommen könnte. Andererseits machen sie es sich unnötig schwer, denn „Aufstieg und Fall“ kann alles sein, oder nichts – für ein Debüt ein nicht gerade gut zu fassendes Thema.

Im Einzelnen spiegelt jeder Artikel, jede Fotostrecke den „Aufstieg und Fall“ wider: Ob es Ariadne von Schirachs intelligente Studie zum Thema „Hochschlafen“ ist, eine Reportage über den tiefen Fall des Bernie Madoff, ein Interview mit der aufstrebenden Band „Kilians“ oder eine Fotostrecke über das drogengeschwängerte Holi-Fest in Indien. Doch als ein Ganzes kann „Aufstieg und Fall“ deshalb noch nicht überzeugen. Zu lose hängen die einzelnen Artikel in der Luft, von zu vielen Seiten wird das Thema betrachtet. Eine Konzentration aufs Wesentliche, auf einen Teilaspekt wäre gut gewesen: Aufsteigen oder Fallen? Die zweite Ausgabe wird es zeigen.

Überzeugen kann das Magazin dagegen mit der Aufmachung: mattes Ökopapier, ungewöhnliche Seitenaufteilungen, eine hochwertige Bildsprache; für jeden Artikel scheint ein passendes Umfeld geschaffen worden zu sein. Die Variation lenkt das Auge und sorgt für Spannung.

Das Magazin vom „Aufstieg und Fall“ ist nur eines unter vielen, die in den vergangenen Wochen und Monaten gelauncht worden sind. Es sind allerdings nicht die großen Verlage, die hinter diesen Neugründungen stehen, sondern zumeinst junge Großstädter, die sich mit den im Eigenverlag publizierten Zeitschriften vom Kiosk-Allerlei absetzen wollen. Es wirkt fast, als hätten sich die jungen Kreativen Deutschlands eines Tages zusammengesetzt und sich gesagt: „Lasst uns antizyklisch handeln“. Denn bei all dem Gerede über „Print is dead“ muss es ja auch noch jemanden geben, der mit einem herzhaften „Es lebe Print!“ antwortet.

„Aufstieg und Fall“ kostet 5,80 € und wird ab dem 15. Juni im Bahnhofsbuchhandel und bei ausgewählten Buchhändlern erhältlich sein.

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