AP-Reporter abgemahnt wegen Facebook

Ein Reporter der US-Nachrichtenagentur AP wurde wegen eines kritischen Kommentars in seiner Statuszeile bei Facebook offiziell abgemahnt. Richard Richtmyer hatte sich in dem Kommentar mißbilligend über die Verantwortlichen des US-Zeitungsverlags McClatchy geäußert, der zu den Gesellschaftern von AP zählt. In den USA häufen sich die Fälle, in denen Angestellte wegen Äußerungen in Social Networks Ärger mit ihren Arbeitgebern bekommen.

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Im aktuellen Fall hat AP-Mann Richtmyer bei Facebook geschrieben: “It seems like the ones who orchestrated the whole mess should be losing their jobs or getting pushed into smaller quarters. But they aren’t.” Er bezog sich damit auf die Verantwortlichen des in finanzielle Schwierigkeiten steckenden US-Zeitungsverlags McClatchy. Ähnlich wie bei der deutschen dpa, gehört die AP mehrheitlich zahlreichen US-Zeitungsverlagen, u.a. auch McClatchy. Laut einem Bericht von „Wired“ hat Richtmyer unter seinen Facebook-Kontakten diverse AP-Kollegen, auch Vorgesetzte.

Einer von diesen soll nun den kritischen Kommentar ans Management weitergereicht haben. Richtmyer wurde einbestellt und er bekam eine offizielle Abmahnung in seine Personalakte. Ein AP-Sprecher sagte zu dem Fall, dass AP-Angestellte bei öffentlichen Meinungsäußerungen darauf achten müssten, den Ruf der Agentur nicht zu beschädigen. Die US-Mediengewerkschaft News Media Guild läuft Sturm gegen den Beschluss und argumentiert, dass der betreffende Kommentar bestenfalls halb-öffentlich gewesen sei, da nur Richtmyers Facebook-Kontakte ihn lesen konnten.

Die Gewerkschaft fordert von der AP, ihre Ethik-Richtlinien anzupassen, die Abmahnung im aktuellen Fall zurückzunehmen und sie warnt Reporter, darauf zu achten, wen sie als Kontakt bei Sozialen Netzwerken zulassen. Laut dem US-Gewerkschaftsführer Kevin Keane kommt es häufig vor, dass Vorgesetzte Freundschaftsanfragen über Soziale Netze wie Facebook oder MySpace an Untergebene richten. Die fühlen sich dann oft genötigt, diese Anfragen zu akzeptieren, um den Vorgesetzten nicht zu düpieren. „Das ist dann so, als ob der Boss bei ihnen im Wohnzimmer hockt und alle Arten von Smalltalk zwischen ihnen und ihren Freunden mithört“, zitiert „Wired“ den Gewerkschafter.

In den USA häufen sich Fälle, in denen Angestellte Probleme wegen Aktivitäten in Social Communities bekamen oder gar gefeuert wurden. So wurde ein Stadion-Angestellter der Philadelphia Eagles entlassen, als er das Team als „zurückgeblieben“ kritisierte, weil ein Star-Spieler getauscht wurde. Eine Lehrerin in North Carolina wurde vom Dienst suspendiert, weil sie bei Facebook schrieb, dass sie ihre Schüler hasst, drei Polizisten in New York wurden wegen Facebook-Kritik am Bürgermeister suspendiert und zwei Restaurant-Angestellte aus New Jersey befinden sich in einem Rechtsstreit, weil sie das Restaurant-Management bei MySpace kritisiert hatten.

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