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Strunz: „Gewinn an Kreativität und Inhalt“

Seit Montagmittag ist klar: Das "Hamburger Abendblatt" führt einen Newsroom ein. "Jetzt heißt es: Sämtliche störenden Trennwände, Treppen, Türen – alles weg." Im MEEDIA-Interview erklärt Chefredakteur Claus Strunz, warum der Umzug von dem ersten und zweiten Stock, in die siebte Etage tatsächlich ein Aufstieg ist. Darüber hinaus kündigt der Chefredakteur einen Relaunch der Print-Ausgabe an und dass er sein Innovationstempo erst einmal drosseln wird. Dabei wird es wohl auch zu personellen Maßnahmen kommen.

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Sie haben Montagmittag in einer Sitzung Umzug, der Redaktion in einen gemeinsamen Newsroom ankündigten. Was haben Sie den Kollegen gesagt?
Ich habe erst einmal die Kollegen für die Energieleistung der vergangenen Monate gelobt. Denn wir haben in den vergangenen Monaten bereits viel erreicht. Doch nun ist es an der Zeit, weiter in Qualität zu investieren und den nächsten Schritt zu gehen.

Der wäre?
Jetzt läuten wir die nächste Phase unserer Strategie Abendblatt 3.0 ein: Mit dem Umzug in einen multimedialen Newsroom, in dem künftig die Chefredaktion mit allen Ressortleitern zusammen sitzt und aus dem heraus wir alle Medienkänale bespielen werden.
Wie hat die Redaktion denn auf diese Ankündigung reagiert?
Wie gute Journalisten halt reagieren: Mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis.
Wie wollen Sie die Kollegen überzeugen?
Das fängt schon mit Symbolik an: Bei uns geht es nach oben. Wir ziehen vom ersten und zweiten Stock gemeinsam in die siebte Etage. Das heißt: Wir arbeiten alle zusammen in einem Stockwerk. Sämtliche störenden Trennwände, Treppen, Türen – alles weg.
Verzichten auch sie auf ein Einzelbüro?
Nein, aber es wird deutlich verkleinert. Denn die überwiegende Zeit wird mein Platz – im Herzen der Redaktion – im neuen Newsroom am Balken sein.
Welche Bedeutung hat der Newsroom ganz praktisch für die Produktion des „Abendsblatts“?
Wir können aus dem neuen Newsroom heraus alle Medienkanäle bespielen. Print, Online, Mobil und Bewegtbild produzieren wir künftig aus einem Raum.
Wie wird der Newsroom aussehen?
In der Mitte steht der Balken, an dem die Chefredaktion sitzt. Von ihm gehen sternförmig die jeweiligen Arbeitsbereiche der Ressorts ab. Dort sitzen in Rufweite alle Ressortleiter, die Blattmacher und Channelmanager. So wird aus Kleinstaaterei ein großes Ganzes.
Welche Vorteile versprechen Sie sich ganz konkret vom neuen Newsroom?
Erstens: Wir können Online jetzt noch schneller, aber auch hintergründiger werden. Und zweitens: Wir werden massiv davon profitieren, dass die Ressorts nebeneinander sitzen. Denken sie nur an die aktuellen Überschneidungen von Politik und Wirtschaft. Das verspricht einen zusätzlichen Gewinn an Kreativität und Inhalt.
Sie sind erst seit acht Monaten Chefredakteur des „Hamburger Abendblatt“ und haben ein rasantes Umbau-Tempo vorgelegt: Erst wurden die Ressortleiter zu Online-Chefs, dann der Relaunch der Webseite, jetzt der Newsroom. Was kommt als nächstes? Der Relaunch der Print-Ausgabe?
Ein Team arbeitet in der Tat bereits an einem Relaunch der Print-Ausgabe. Bis es zu konkreten Ergebnissen kommt, wird das aber noch ein paar Monate dauern. Im Sport würde ich sagen: Wir sind bei diesem Thema jetzt im Achtelfinale.
Was kann man von dem Relaunch erwarten?
Dazu will ich gegenwärtig noch nichts Konkretes sagen. Nur ein Beispiel für eine Überlegung: Wir denken gerade über eine eigene Meinungsseite nach. Aber erst wenn unser Konzept zur Gänze ausgereift ist, bringen wir ein überarbeitetes „Hamburger Abendblatt“ an den Kiosk und ins Abo.
Um im Bild zu bleiben: Wenn sich der Print-Relaunch im Achtelfinale befindet, in welcher Runde spielt dann das Basis-Konzept Abendblatt 3.0?
Das kann man so nicht vergleichen. Sie fragen mich ja auch nicht: Wann ist im Internet Redaktionsschluss? Abendblatt 3.0 ist eine Strategie, die ständig weiterentwickelt wird. Sie ist kein abgeschlossenes Konzept, das einen Endstand markiert.
Eine Strategie mit welchem Ziel?
Wir wollen ein lokal und regional noch stärkeres und bundesweit noch wichtigeres „Hamburger Abendblatt“ – in Print und online.
Wie reagiert die Redaktion auf die ständigen Neuerungen und solch eine stetige Veränderungsstrategie?
Es ziehen alle an einem Strang! Aber anders als Schraubenfabrikanten sind Redaktionen sehr sensibel für Veränderungen. Deshalb sollen sich alle in Ruhe an die vielen Vorteile der neuen Umgebung gewöhnen können. Und mit dem Umzug in den Newsroom werden wir Ende Juli die wichtigsten organisatorischen Veränderungen angestoßen haben.

Werden auch Arbeitsplätze von der Umstellung betroffen sein?
Ja. Wir stellen jetzt auch unser Zukunftsteam auf. Weitere neue Kollegen werden kommen, einige werden gehen, manche werden neue Aufgaben bekommen. Abendblatt 3.0 heißt auch: Die Besten machen in den modernsten Räumen das beste Abendblatt.
Wie viele Kollegen müssen denn gehen?
Die Redaktion weiß das, ansonsten gilt hier Vertraulichkeit. Angesichts unserer ambitionierten Pläne können Sie aber sicher sein, dass ich mir als Chef-Dirigent nicht die Möglichkeit nehmen lassen werde, mit einem starken Orchester in die neue Spielzeit zu gehen.

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