Der hemdsärmelige Herr Eick

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hat derzeit eine alles andere als dankbare Aufgabe. Das einzig vorteilhafte an seiner Position ist, dass er nichts mehr zu verlieren hat. Die Insolvenz des Handels- und Touristikkonzerns wird immer wahrscheinlicher. Die Fehler wurden freilich bereits vor Eicks Amtsantritt gemacht (vielleicht hatten die Mohns ja doch Recht, als sie Thomas Middelhoff damals […]

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Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hat derzeit eine alles andere als dankbare Aufgabe. Das einzig vorteilhafte an seiner Position ist, dass er nichts mehr zu verlieren hat. Die Insolvenz des Handels- und Touristikkonzerns wird immer wahrscheinlicher. Die Fehler wurden freilich bereits vor Eicks Amtsantritt gemacht (vielleicht hatten die Mohns ja doch Recht, als sie Thomas Middelhoff damals bei Bertelsmann vom Hof jagten?). Ex-„BamS“-Chef Michael Spreng hat das in seinem stets lesenswerten Politblog Sprengsatz bereits sehr anschaulich dargelegt. Am Montag nun erteilte die Bundesregierung dem forschen Ansinnen nach Staatshilfe für Arcandor ein Absage.

Eick verkündete diese Nachricht, indem er hemdsärmelig auf eine Klappleiter stieg und eine kämpferische kleine Ansprache via Megaphon an die Belegschaft hielt. Die Symbolik war ebenso platt wie durchschaubar. Der Boss ist „einer von uns“, sollte da wohl suggeriert werden. Er begibt sich „auf Augenhöhe“, „krempelt die Ärmel hoch“ und „kämpft“ für die „kleinen Leute“, seine Angestellten. Der PR-Kniff ging zumindest medientechnisch auf. „Süddeutsche Zeitung“, „FAZ“, „Berliner Morgenpost“, „Berliner Zeitung“, „Handelsblatt“, „Rheinische Post“ und zahlreiche weitere Blätter hatten den hemdsärmeligen Boss auf der Titelseite. Auch „Tagesschau“ und „heute“-Nachrichten brachten die Bilder von Eicks Klappleiter-Auftritt.

Angesichts des Scherbenhaufens Arcandor hätte sich der Chef diesen durchsichtigen PR-Auftritt ruhig sparen können. Wer sonst nur im dunklen Anzug mit korrektem Binder auftritt, der braucht nicht plötzlich für Fotografen und Kameraleute auf eine Klappleiter zu kraxeln, wenn es ernst wird. Das wirkt unecht. Die Belegschaft, um die es ja angeblich gehen soll, wird so zur bloßen Staffage für die Selbstdarstellung eines Krisenmanagers degradiert. Sollte der Auftritt die Idee eines Beraters gewesen sein, so wäre Herr Eick schlecht beraten gewesen. Nicht jeder gelungene PR-Trick ist auch ein guter Ratschlag.

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