HTC Magic: Der beste iPhone-Rivale

Ein gutes Smartphone mag alles Mögliche können – eine Eigenschaft muss es besitzen: Es soll ohne große Erklärungen intuitiv zu nutzen sein. Vodafone legt dem HTC Magic selbstbewusst eine winzige Bedienungsanleitung bei, und das reicht auch fürs Erste. Denn das flache Internet-Multimedia-Foto-Gerät, das sich deutlich am iPhone orientiert, ist gut auf das mittlerweile ausgereifte Android-Betriebssystem von Google ausgerichtet – und das setzt auf einfache Handhabung der vielen Funktionen.

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Schon rein äußerlich ist das flache HTC Magic ein großer Fortschritt zum klobigen G1. Die leicht vorspringenden Kanten am oberen und unteren Rand verleihen dem Magic nicht nur eine elegante Linie. Die konkave Front sorgt auch dafür, dass das Display bei einem eventuellen Sturz nicht gleich Schaden nimmt. Seinen Besitzer empfängt dieses Display mit den Symbolen für die meistgenutzten Programme. Weitere Applikationen lassen sich mit einem Fingerstreich hervorzaubern. Der große – kapazitive! – Touchscreen spricht leicht an und läuft flüssig. Zur Texteingabe kann man eine virtuelle Tastatur einblenden, die erstaunlich präzise und schnell reagiert. Leider sprachen auf unserem Gerät Punkte am Rand des Touchscreens nicht immer an. Über einen Gravitationssensor lässt sich die Anzeige in die Horizontale kippen – allerdings nur in eine Richtung.

Die Verbindung mit dem Internet via UMTS oder Wlan verlief in unserem Test problemlos. Webseiten werden vom Browser schnell und insgesamt verlässlich angezeigt. Merkwürdig nur, dass ausgerechnet die Google-eigene Feedreader-Seite fehlerhaft dargestellt wird.

Die Vergrößerung oder Verkleinerung der Anzeige – etwa von Webseiten – wird ausschließlich über virtuelle Tasten geregelt, nicht aber mit zwei Fingern, wie es beim iPhone so gut funktioniert. Dabei soll der HTC-Monitor seine Multitouch-Fähigkeit nur aus patentrechtlichen Gründen nicht nutzen dürfen. Bei der Steuerung des Magic hat HTC nicht auf physische Tasten verzichtet. Unter dem Bildschirm befinden sich sechs kleine Knöpfe. Damit kann man Anrufe starten oder beenden, die Internetsuche beginnen oder ins Menü gelangen, es gibt eine „zurück“-Taste und einen Home-Button, der immer den Desktop anzeigt.

Obwohl theoretisch nichts gegen eine Kombination aus Berührungs- und Tastensteuerung spricht, irritiert der Mix beim Gebrauch: Es wirkt nicht stringent, über den Touchscreen durch Internetseiten zu navigieren, und dann eine physische Taste drücken zu müssen, um zur vorigen Webseite zu gelangen. Und auch der Wechsel zwischen verschiedenen Browserfenstern geht nur umständlich über die Menü-Taste. Hier hätten die Programme – allen voran der allzu rudimentär geratene Browser – mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet werden müssen.

Besser als erwartet wirkt die kniffelige aber feine Scroll-Kugel zwischen den Tasten. Um beispielsweise auf Webseiten den gewünschten Link zu klicken, ist sie oft praktischer als die eigene Riesen-Fingerkuppe. Auch bei der Texteingabe hat sie sich als sehr hilfreich erwiesen.

Schlicht komfortabel ist das E-Mail-Programm. Um ein neues Konto einzurichten, sind meistens lediglich Provider, Nutzername und Passwort nötig. Allerdings: Den vollen Funktionsumfang mit Synchronisation von Adressbüchern oder Push-Versand sind nur über das GoogleMail-Konto möglich.

Streaming-Video und -Audio spielt das Magic ab Werk nicht ab. Das hat oft damit zu tun, dass das so wichtige Flash fehlt. Aber auch bei MP3-Streams versagt die Software. Videos der Google-Tochter YouTube laufen dagegen ohne Probleme. Aber das ist von einem Google-Handy auch zu erwarten.

Als Musik-Player bringt das Magic das meiste mit, was auch das iPhone bereithält. Leider fehlt ebenfalls ein Radio, auch eine Aufnahme von externen Quellen ist nicht möglich. Die Qualität der mitgelieferten Ohrhörer ist – branchenüblich – nicht ausreichend. So lässt sich über die wahre Klangqualität des Geräts nichts sagen. Wer die mangelhaften Hörer ersetzen will, braucht einen Adapter, denn sie werden über die einzige USB-Schnittstelle angeschlossen. Daraus ergibt sich ein weiterer Nachteil: Wer den Akku lädt, kann keine Musik hören. Apropos Akku: Bei mäßigem Gebrauch hält das Magic ungefähr einen Tag durch.

Noch ein paar Punkte in Kürze: Die Sprachqualität des Telefons ist gut. Mit zwei Tasten an der Gehäuseseite lässt sich die Lautstärke schnell und direkt steuern. Der Software-Umfang, mit dem das Magic ausgeliefert wird, ist mit Abstrichen OK; eindeutig fehlen ein Texteditor und ein einfaches PDF-Programm. Ein Pluspunkt: das simple Copy & Paste – eine einfache Funktion, die sich iPhone-Besitzer schon lange wünschen. Da das HTC Magic das offene Android-Betriebssystem nutzt, sind der Erweiterbarkeit mit Apps kaum Grenzen gesetzt – hier dürften in Zukunft noch viele, derzeit fehlende Funktionen hinzukommen.

Fazit: Das HTC Magic ist eines der benutzerfreundlichsten Smartphones auf dem weltweiten Mobilfunkmarkt. Und doch kann es auch die zweite Version aus dem Hause HTC noch immer nicht mit dem iPhone aufnehmen. Bei extrem technik-affinen Gadget-Liebhabern dürfte das HTC Magic daher auf verlorenem Posten stehen: Wer einmal das iPhone mit seiner intuitiven Bedienung und vor allem der Multitouch-Technik zum Vergrößern in der Hand gehabt hat, wird kaum tauschen wollen. Wer indes zum ersten Mal zu einem Smartphone greift und auf das Kultobjekt iPhone verzichten mag, ist mit der günstigeren Android-Alternative von HTC nicht schlecht bedient. Mit dem HTC Magic wird Android vermutlich den Durchbruch auf dem deutschen Markt des mobilen Internets schaffen. Dabei ist das Google-Handy auf die Google-Infrastruktur ausgerichtet. Wer Wert auf Sicherheit und Datenschutz legt, könnte sich deshalb eher für einen Blackberry entscheiden.

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