„Daten-Konzentration ist problematisch“

Seit einigen Monaten ist in Deutschland "Android" verfügbar - das Google-Betriebssystem für Smartphones zur mobilen Internetnutzung. Mit einem neuen Gerät namens "HTC Magic", das erstmals dem Referenzgerät iPhone echte Konkurrenz macht, dürfte Android in Deutschland an Verbreitung stark zulegen. Aber Android tauscht Daten über die Google-Infrastruktur aus. Im Interview mit MEEDIA äußert der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar seine Bedenken zu dem Thema.

Anzeige

Herr Caspar, wenn Sie ein Android-Phone geschenkt bekämen, was würden Sie damit tun?

Ich würde mich bedanken. Alles weitere käme auf die Person des Schenkenden an.
Das Android-Phone tauscht Daten über die Google-Infrastruktur aus, gibt es da Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes?

Generell ist aus Datenschutzsicht eine Konzentration vieler Daten in einer Hand problematisch. Ein Dienstleister, der weiß was ich suche, wo ich surfe, was ich per E-Mail verschicke und wo ich mich aufhalte, weiß am Ende wahrscheinlich mehr über mich als ich selbst. Dies stimmt einen Datenschützer nicht gerade glücklich.

Andererseits handelt es sich auch bei Android um ein Produkt, dessen Nutzung freiwillig ist. Insofern kann letztlich jeder Nutzer eigenverantwortlich entscheiden, ob er seine Profile auf mehrere Anbieter verteilt oder auf einen konzentriert.

Bestehen – hinsichtlich des Datenschutzes – Unterschiede zwischen Android und anderen mobilen Betriebssystemen wie Mac OS/iPhone, Symbian/Nokia oder dem Blackberry-OS?

Im Detail mit Sicherheit. Soweit uns bekannt ist, gibt es jedoch keinen systematischen Vergleich dieser Systeme aus Sicht des Datenschutzes. Ein prinzipieller Vorteil von Android liegt in seiner Ausrichtung als Open Source Software. Die Datenschutzbeauftragten weisen seit langem auf die Vorzüge transparenter Software hin (Link). Diese kommen vor allem dann zum Tragen, wenn neben der dadurch möglichen Bewertung durch die kritische Fachöffentlichkeit eine Evaluierung der Software nach anerkannten Standards erfolgt. Dies wäre zumindest für Teilkomponenten von Android eine vielversprechende Maßnahme.

Worin bestehen die konkreten Gefahren von Android?

Über konkrete Gefahren liegen uns keine Informationen vor. Auf Kritikpunkte an der ersten Generation der Android-Handys, dass deren Nutzung nur bei Einrichtung eines Google-Mail-Kontos möglich war, hat Google mit der neuen Version reagiert.

Sie haben Google bereits wegen der Lokalisierungs-Funktion Latitude Ihre Bedenken vorgetragen – wie hat das Unternehmen reagiert?

Über den Lokalisierungsdienst Latitude finden aktuell Gespräche zwischen dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit und Google statt. Zentrales Thema dabei ist – wie bei allen Lokalisierungsdiensten – die Bekämpfung möglicher Missbräuche, indem z.B. das Handy des Partners ohne dessen Wissen geortet wird. Die bei Latitude getroffenen Maßnahmen überzeugen uns bislang noch nicht vollständig.

Bei aller Skepsis bezüglich des Datenschutzes: Geräte wie das HTC Magic sind einfach und sehr praktisch. Was raten Sie den Leuten, die das mobile Internet nutzen wollen?

Wir raten insgesamt zu einer kritischen, zurückhaltenden Nutzung. Aktivieren Sie nur die Dienste, die Sie tatsächlich benötigen und wenn Sie sie benötigen. Meistens sind die Standardeinstellungen nicht eben die datenschutzfreundlichsten; eine Anpassung an die eigenen Bedürfnisse ist daher auch aus Datenschutzsicht dringend zu empfehlen. Wie bei jeder IT-Nutzung ist auch hier eine gewisse Ausbalancierung zwischen Komfort und Datenschutz angebracht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige