„Bild“ setzt sich im Fall Benaissa durch

Gerichtserfolg von "Bild" im Streit mit der No Angels-Sängerin Nadja Benaissa: Die für Donnerstag angesetzte Verhandlung des Landgerichts Berlin über den Bestand einer im April erlassenen Einstweiligen Verfügung ist überraschend geplatzt. Der Anwalt der Sängerin, Christian Schertz, verzichtet darauf auf, gegen einen "Bild"-Artikel vorzugehen. Darin ging es um die Hintergründe der Verhaftung der Benaissas wegen gefährlicher Körperverletzung. Schertz zu MEEDIA: "Eine strategische Maßnahme. Wir klagen weiter."

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Im Bericht vom 14. April hatte „Bild“ darüber berichtet, dass Nadja Benaissa am Osterwochenende, unmittelbar vor einem Auftritt in einer Frankfurter Diskothek, unter dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung in Untersuchungshaft genommen worden war. Bei dem Verfahren ging es um den Verdacht der vorsätzlichen Ansteckung von Sexualpartnern mit dem HIV-Virus.
Ein Sprecher von „Bild“ kommentierte die Rücknahme des Antrags durch den Anwalt so: „Wir sehen unsere Überzeugung bestätigt. Das Verbot der Berichterstattung über den Fall Benaissa war ein gravierender Angriff auf die Pressefreiheit. Wir freuen uns, dass wir nun weiter berichten dürfen.“
Dies sieht der Berliner Presserechtler Christian Schertz anders: „Wir haben den Antrag ausschließlich aus strategischen Gründen zurückgenommen.“ Und weiter: „In zwei anderen Verfahren haben wir Verfügungen gegen die ‚Bild‘-Zeitung wegen einzelner Berichte über Frau Benaissa durchgesetzt. Die hat der Verlag auch anerkannt.“ Nach Darstellung des Verlages handelt es sich dabei allerdings um einzelne Aspekte des Falls, aber nicht um „grundsätzliches Verbot der Berichterstattung im Fall Benaissa“.
Schertz: „Der Rechtsstreit ist keineswegs beendet. Wir werden weiter gegen Verletzungen des Persönlichkeitsrechts von Frau Benaissa vorgehen und die Klageverfahren gegen Springer und andere weiter betreiben.“

Axel Springer hat zwischenzeitlich selbst eine Einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin gegen die Sängerin erwirkt. Denn Anwalt Schertz hatte am 15. April 2009 ein aus Sicht des Medienhauses irreführendes „Presserechtliches Informationsschreiben“ an deutsche Medien verschickt, in dem er den Umfang der von Benaissa erwirkten Verbotsverfügung unzutreffend dargestellt habe.
Auch hier widerspricht Schertz: „Nachdem der Verlag erfolglos versucht hat, eine Einstweilige Verfügung gegen mich zu erwirken, hat er im zweiten Anlauf eine EV gegen Frau Benaissa erlangt. Gegen diese haben Widerspruch eingelegt, weil die Entscheidung aus unserer Sicht nicht richtig ist.“ Nach Einschätzung von Rechtsexperten ist dies allerdings eher ein juristisches Geplänkel, denn die Ablehnung der EV gegen den Anwalt hat rein formale Gründe.

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