„Welt kompakt“ spendiert Gratis-Kaffee

Es ist nur ein kleines Jubiläum, aber gefeiert wird zu Recht: Die „Welt kompakt“, Springers Boulevard-Pendant zur großen „Welt“ ist vor fünf Jahren erstmals erschienen. Die Bilanz ist durchweg positiv: Die Kompaktausgabe verhalf der „Welt“ nicht nur zu einem Auflagen-Kick und steigenden Anzeigenerlösen bei geringeren Herstellungskosten, sondern eroberte auch neue Leserschichten. Mit einer Sonderausgabe zelebriert die Redaktion den Erfolg, und Verlegerin Friede Springer gratuliert höchstselbst.

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Es ist nur ein kleines Jubiläum, aber gefeiert wird zu Recht: Die „Welt kompakt“, Springers Boulevard-Pendant zur großen „Welt“ ist vor fünf Jahren erstmals erschienen. Die Bilanz ist durchweg positiv: Die Kompaktausgabe verhalf der „Welt“ nicht nur zu einem Auflagen-Kick und steigenden Anzeigenerlösen bei geringeren Herstellungskosten, sondern eroberte auch neue Leserschichten. Mit einer Sonderausgabe zelebriert die Redaktion den Erfolg, und Verlegerin Friede Springer gratuliert höchstselbst.

Ein Wende-Cover mit Jubiläums-Gewinnscpiel und einem Leser-Gutschein für einen Gratis-Kaffee bei einer Coffeehouse-Kette sind die optischen Merkmale der Fünfjahresnummer. Auf der Rückseite besteht die Seitenoptik aus einem riesigen , stilisierten QR-Code. Diese Zeichen dienen der Schnellverlinkung: Wer sie mit dem Handy fotografiert, wird umgehend auf eine Webseite geleitet, die Wissens- und Lesenswertes über die Kompaktversion liefert. Der Gimmick für Insider zeigt, wie sehr die modernen Medienformen im Alltag der Berliner Redaktion verankert sind. So sind die oft frechen Tweets des „Welt kompakt“-Führungspersonals längst Kult.

Eine erstaunliche Wandlung. Denn lange Zeit galt die „Welt“ als hoffnungsloser Fall: stockkonservativ, auflagenschwach, defizitär. Vor der Einstellung, so raunte man, rettete Springers blauen Titel nur der Verleger-Bonus, denn „Die Welt“ war ein Vermächtnis des 1985 verstorbenen Axel Cäsar Springer, dessen Name heute noch den Impressi der Springer-Blätter voran steht. Die triste Perspektive änderte sich einem Chefredakteur namens Matthias Döpfner. Der entrümpelte und öffnete das Blatt, machte es lesbar für viele, die es stets gemieden hatten.
Mit Satelliten wie der „Welt kompakt“, dem Aufbau eines erfolgreichen Nachrichten-Portals sowie der Nutzung der Synergien der wohl ersten großen Zentralredaktion (mit „Welt am Sonntag“ und „Berliner Morgenpost“) setzten Döpfner und seine Nachfolger Jan-Eric Peters und Thomas Schmid lange vor der Krise Branchen-Maßstäbe bei der Modernisierung einer Traditions-Zeitung. Für das vergangene Geschäftsjahr konnte die Welt-Gruppe zum zweiten Mal in Folge schwarze Zahlen vermelden. Die Verjüngungs- und Diversifizierungsstrategie scheint aufzugehen.
„‚Welt kompakt‘ nehme ich seit ihrem ersten Erscheinen gerne zur Hand“, lobt Verlegerin Friede Springer als eine von drei Dutzend prominenten Gratulanten in der Jubiläumszeitung, „ich schätze es, dass sie schnell auf den Punkt kommt und dennoch umfassend funktioniert.“
Eine Funktion ist unstrittig: Die kleine Welt dürfte erheblich zum IVW-Auflagenwachstum der „Welt“ (plus 33 Prozent in den vergangenen fünf Jahren) beigetragen haben. Zwar lässt sich aus der Auflagenmeldung kein direkter Schluss ziehen, da der Verlag beide Titel gemeinsam ausweist. Nach (unverbindlichen) MEEDIA-Hochrechnungen dürfte die harte verkaufte Auflage der „Welt kompakt“ im ersten Quartal 2009 aber bei ca. 54.000 gelegen haben, davon 30.000 im Einzelverkauf abgesetzte Zeitungen und 24.000 „Welt kompakt“-Abos.
Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass die „Welt kompakt“ eine gelungene Extension ist. Nicht ohne Häme verlinken deshalb die Springer-Nachwuchsjournalisten (Akademie-Chef ist bekanntlich Ex-„Welt“-Chefredakteur und „kompakt“-Gründer Jan-Eric Peters) in ihrem Blog die Einschätzung von Medienkritiker Oliver Gehrs vor fünf Jahren, der die Kompaktklasse als „journalistisch unambitioniert“ abkanzelte: „Anstatt die ganze redaktionelle Kraft des Verlages aufzubieten, dem neuen Produkt auch jenseits haptischer Kategorien Qualität angedeihen zu lassen, ist die „Welt kompakt“ also ein reines Instrument der Marktverstopfung, auch das ist ja nicht verboten und gilt unter Verlegern als legitimes Mittel, Mitbewerber zu nerven.“ 

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