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RTL-Chefin hält an Baby-Show fest

Weiter Streit um die RTL-Baby-Doku "Erwachsen auf Probe": Familienministerin Ursula von der Leyen hat im "Spiegel" gefordert, die für den Juni geplante Reality-Reihe einer "gründlichen Überarbeitung" zu unterziehen. Andernfalls müsse ein Verzicht auf die Ausstrahlung erwogen werden. RTL-Chefin Anke Schäferkordt kündigte an, die Sendung ohne Änderungen wie geplant ab 3. Juni auszustrahlen. Die Dokumentation schaffe die Möglichkeit, das gesellschaftliche Problem Teenager-Schangerschaften zu thematisieren.

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Mit ihrer Kritik reiht sich die Familienministerin in den Protest-Kanon ein, der seit Wochen schon von Verbänden und Politikern auf den Sender RTL einhagelt. Ohne vorher eine Folge gesehen zu haben, bezeichnete beispielsweise der Deutsche Hebammenverband die Show als „eine Form der Prostitution“. Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) sorgt sich um die seelische Verfassung der Babys, da diese von ihren leiblichen Eltern getrennt würden.

RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt bekräftigte am Sonntag, dass man sowohl das Wohl der Kinder, als auch die Wirkung auf die Zuschauer im Blick habe. Die Kritiker lud sie zu einer Sichtung der Serie mit anschließender Diskussion ein. Ohnehin sei man über die „nie da gewesene pauschale Vorverurteilung eines Programms“ verwundert, schließlich sie die Sendung eine einzigartige Möglichkeit „für die beteiligten Jugendlichen mit Kinderwunsch, Familienkompetenz zu erlernen und Verantwortung zu übernehmen“.

Ministerin von der Leyen kritisiert vor allem die Negativdarstellung und Effekthascherei der Show. „Dem Zuschauer wird suggeriert: Der Alltag mit Kleinkindern ist Stress pur, bedeutet Konfrontation, schürt Konflikte.“ Zudem wird ein Problem stilisiert, dass zwar in Großbritannien ein ernstzunehmendes Thema ist, in Deutschland allerdings kaum ins Gewicht falle. „Die jahrelange Aufklärungsarbeit in den Schulen zahlt sich aus.“ Man darf davon ausgehen, dass die Empörung der Politikerin im Wahljahr besonders laut ausfällt. Auch bleibt sie eine Begründung ihrer Ansichten über eine Sendung, die sie selbst nicht kennt, schuldig.
Schäferkordt signalisiert „vollstes Verständnis für die Sorge – die Aufgrund der misszuverstehenden (ersten) RTL-Pressemitteilung entstanden ist“. Sie machte klar, dass die Kinder nicht, wie ursprünglich zu verstehen war, der elterlichen Obhut entrissen werden. Stattdessen bleiben die Eltern in unmittelbarer Reichweite ihrer Kinder. Wohl nicht ganz unzutreffend mutmaßt die „Frankfurter Rundschau“, dass es sich bei dieser Konstellation eher um einen „Fall von Overprotection“ handelt.

Mit der RTL-Show, die auf dem BBC-Format „The Baby Borrowers“ basiert, verfolgt der Sender nach eigenen Angaben „positive pädagogische Absichten“. Jugendliche sollen lernen, was es heißt, Kinder zu haben und sollen echte Stress-Situationen durchleben. Die BBC strahlt nach dem erfolgreichen Start inzwischen die zweite Staffel aus.

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