Der „Sportschau“ laufen die Fans davon

"Erneut deutlich über fünf Millionen Zuschauer" hat die Bundesliga-"Sportschau in der zu Ende gegangenen Saison erreicht. So freut sich WDR-Sportchef Steffen Simon. Doch MEEDIA muss die Freude etwas trüben. Denn: Es hat noch nie weniger als 5 Mio. Zuschauer in einer "Sportschau"-Saison gegeben und die erreichten 5,27 Mio. sind der geringste Wert seit dem ARD-Bundesliga-Comeback im Jahr 2003. Vor allem im jungen Publikum ging es in der Saison 2008/09 ein weiteres Mal deutlich nach unten.

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„Erneut deutlich über fünf Millionen Zuschauer“ hat die Bundesliga-„Sportschau in der zu Ende gegangenen Saison erreicht. So freut sich WDR-Sportchef Steffen Simon. Doch MEEDIA muss die Freude etwas trüben. Denn: Es hat noch nie weniger als 5 Mio. Zuschauer in einer „Sportschau“-Saison gegeben und die erreichten 5,27 Mio. sind der geringste Wert seit dem ARD-Bundesliga-Comeback im Jahr 2003. Vor allem im jungen Publikum ging es in der Saison 2008/09 ein weiteres Mal deutlich nach unten.

So schauten im Durchschnitt noch 1,53 Mio. 14- bis 49-Jährige die Bundesliga-„Sportschau“ am Samstagvorabend – ein Marktanteil von 20,9%. Zwar ist ein solcher Wert für Das Erste natürlich kein Misserfolg, im Durchschnitt erreicht man mit seinem Programm schließlich nur 7,4% – doch in der Saison 2007/08 betrug der Wert noch 22,6% und 2006/07 sogar noch 24,2%. In nur zwei Jahren gingen im Durchschnitt 300.000 14- bis 49-Jährige verloren, von 1,83 Mio. auf nun eben 1,53 Mio. Das ist besonders ärgerlich für die ARD, weil die Bundesliga-„Sportschau“ auch auf eine Finanzierung durch Werbung angewiesen ist. Und daher ist das junge Publikum für die Sendung genauso werberelevant wie für die Privatsender.

Im Vergleich zur Saison 2003/04, der ersten nachdem die Bundesliga von Sat.1 zurück zur ARD gekommen ist, schrumpften die Zahlen bei den 14- bis 49-Jährigen von 1,96 Mio. auf 1,53 Mio., von 25,4% auf 20,9%. Im Gesamtpublikum sind die Verluste etwas geringer, aber ebenfalls spürbar: Von 5,96 Mio. Fans in der Saison 2003/04 blieben diesmal noch 5,27 Mio. übrig, der Marktanteil fiel von 29,0% auf 25,8%. Die Bundesliga-„Sportschau“ ist damit natürlich immer noch eine der erfolgreichsten Sendungen im deutschen Fernsehen und insbesondere im Ersten, doch die Entwicklung zeigt ein klares Bild:

In fünf Jahren ging es also viermal nach unten, einzig die Saison 2006/07, die durch die WM in Deutschland eine Sommermärchen-Euphorie in die Bundesliga hinüber gerettet hat, wurden die Vorjahreswerte zwischenzeitlich verbessert. Doch auch dieses Plus ist längst wieder aufgebraucht. Woran es liegt, dass der „Sportschau“ so viele Fans den Rücken kehren, kann natürlich nur gemutmaßt werden. Die Zahl der Premiere-Abonnenten ist im selben Zeitraum nicht wirklich gestiegen. Nicht verloren hat die „Sportschau“ im Vergleich zur Saison 2006/07 einzig bei den Über-65-Jährigen. Besonders starke Verluste gab es hingegen bei den 30- bis 39-Jährigen, wo die Zuschauerzahl um 12,7% von 0,46 Mio. auf 0,40 Mio. sank. Also doch ein Verlust, weil viele Fans lieber live Premiere schauen? Zu Hause, bei Freunden oder in Kneipen?

Mitverantwortlich könnte aber auch die Tatsache sein, dass die „Sportschau“ ihre Sendung in den vergangenen Jahren zu wenig aufgefrischt hat und sie zu sehr in die Länge gezogen wird. Ein Beispiel: Am Samstag zeigte die „Sportschau“ den Kampf um die Meisterschaft mit den Spielen von Wolfsburg, Bayern und Stuttgart erst um 19.30 Uhr und hielt zuvor während der gesamten Sendung eine künstliche Spannung aufrecht. Welcher Fußballfan hatte bis 19.30 Uhr denn noch nicht erfahren, wer Deutscher Meister geworden ist? Wäre es nicht viel sinnvoller gewesen, die Sendung um 18.15 Uhr mit Jubelbildern der Wolfsburger zu beginnen? So wie Premiere es in „Alle Spiele, alle Tore“ gemacht hat? Vielleicht sollte Das Erste mal grundsätzlich darüber nachdenken, ob es noch Sinn macht, die Spiele der Spitzenteams immer erst am Ende der Sendung zu zeigen. Mit nur noch fünf statt sechs Spielen am Samstagnachmittag und einem parallel zur „Sportschau“ im Pay-TV stattfindenden „Spiel der Woche“ wird es die ARD nämlich ohnehin sehr schwer haben, auch im kommenden Jahr verkünden zu können, man habe „erneut deutlich über fünf Millionen Zuschauer“ begeistert.

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