Condé Nast: Ein Fall für Gruner + Jahr?

Das Gerede über die Zukunft von Condé Nast will nicht verstummen. Ende April berichtete die Internet-Seite Clap-Club über ein Gerücht, dass sich Hubert Burda Media anschicken könnte, das deutsche Geschäft von Condé Nast zu kaufen. Das Gerücht wurde sofort glaubhaft dementiert. Über die Zukunft von Condé Nast wird indes weiter eifrig spekuliert. Nun ist ein neuer Name als möglicher Condé-Nast-Partner aufgetaucht, ein großer Name: Gruner + Jahr. Aber nicht jeder ist über die Spekulation erfreut. Der Condé Nast-General Manager dementierte umgehend.

Anzeige

Das Gerede über die Zukunft von Condé Nast will nicht verstummen. Ende April berichtete die Internet-Seite Clap-Club über ein Gerücht, dass sich Hubert Burda Media anschicken könnte, das deutsche Geschäft von Condé Nast zu kaufen. Das Gerücht wurde sofort glaubhaft dementiert. Über die Zukunft von Condé Nast wird indes weiter eifrig spekuliert. Nun ist ein neuer Name als möglicher Condé-Nast-Partner aufgetaucht, ein großer Name: Gruner + Jahr. Aber nicht jeder ist über die Spekulation erfreut. Condé Nast-General Manager Markus Schönmann dementierte umgehend.

Aber warum soll Condé Nast überhaupt einen Partner brauchen, ging es dem Verlag nicht immer glänzend? Die Betonung liegt hier auf der Vergangenheitsform. Vor allem das US-amerikanische Mutterhaus von Condé Nast wird durch die Medienkrise gebeutelt wie kaum ein zweites. Das US-Medienblog Gawker hat die Anzeigenrückgänge für Condé Nast für das erste Halbjahr aufgelistet. Demnach verlieren die Monatsmagazine in den USA im erste Halbjahr durchschnittlich weitere 23 Prozent Anzeigenumsatz. Bei Condé Nast aber haben nur vier Magazine weniger als 30 Prozent Anzeigen-Erlöse verloren! Eine Katastrophe. Laut Gawker halten es Insider für wahrscheinlich, dass der Verlag zum Ende des Jahres in die roten Zahlen gerät.

Schwere Herzens stampfte der Verlag in den USA das teure Prestige-Wirtschaftsmagazin „Portfolio“ wieder ein. In Deutschland wurde die teure wöchentliche „Vanity Fair“ eingestellt – trotz einer kurz zuvor ausgesprochenen Bestandsgarantie. Ein Nachfolger für den fluchtartig abgetretenen Deutschland-Statthalter Bernd Runge ist immer noch nicht gefunden. Oftmals ein Indiz dafür, dass man sich auch Optionen offen halten will, die einen neuen Chef vielleicht überflüssig machen. Kein Wunder, dass Verkaufsgerüchte die Runde machen.

Dass Condé Nast sein Deutschland-Geschäft aber tatsächlich „verkauft“, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Warum? Condé Nast müsste sich dann auch von der „Vogue“ trennen und das wollen die Amerikaner nicht. die Mode-Ikone dürfte trotz miserabler Marktlage immer noch eine Perle im Portfolio sein. Außerdem: Wer sollte das ganze Paket kaufen? Ein Zusammenschluss von Burda und Condé Nast wäre in der Tat spektakulär sinnlos – große Teile des Magazin-Portfolios sind sich einfach zu ähnlich. Gruner + Jahr dürfte in der aktuell diffizilen Lage auch nicht das Portemonnaie allzu weit öffnen wollen. Marquard Media ist zu klein, und es gibt ebenfalls zu viele Überschneidungen. Zu anderen Verlagen passt das Condé Nast Portfolio kaum, und niemand wird in diesen Zeiten viel Geld in ein komplett neues Segment stecken wollen.

Vielleicht gäbe es aber eine andere Lösung.

Da kommen die Worte von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski in den Sinn, der jüngst in einem „FAZ“-Interview zu Protokoll gab: „Wir könnten eigene Geschäfte mit anderen Unternehmen fusionieren, um Synergien zu heben und Mehrwert zu schaffen und so gemeinsam besser voranzukommen. Große Barmittel sind da gar nicht nötig.“

In diesem Licht würde eine Partnerschaft von Condé Nast und G+J plötzlich Sinn ergeben. Gruner hat keinen Hochglanz-Modetitel wie die „Vogue“, keine junge Frauenzeitschrift im Pocketformat wie die „Glamour“, kein Männermagazin wie „GQ“ und kein Heft, das dem „Architectural Digest“ ähnelt. Die Produktpaletten würden sich, ganz anders als bei Burda, vortrefflich ergänzen. Gruners mächtiger Verwaltungs- und Vermarktungsapparat könnte die Condé-Titel mit betreuen. Synergien tun sich auf, wie sie einem Hartmut Ostrowski gefallen würden, der den Dienstleistungssektor stets optimierte wie kein Zweiter.

Dass Condé Nast und Gruner schon jetzt gerne mal kuscheln, kann man übrigens prima an den aktuellen Ausgaben von „Vogue“ und „Gala“ sehen. Gruners „Gala“ hat kurzerhand fast die komplette Titelgeschichte über Heidi Klum mit Fotos aus der „Vogue“ bebildert. Unter jedem Foto prangt der Hinweis auf die aktuelle „Vogue“, oft noch mit dem Vermerk „Jetzt im Handel“ und explizitem Hinweis auf die „Vogue“-Internetadresse. Dies alles sind beileibe keine Beweise für irgendetwas, und mit ziemlicher Sicherheit gibt es auch noch nirgendwo Beschlüsse irgendeiner Art. Als Gedankenspiel könnte mancher Verlagsmanager aber Gefallen an so einem Modell finden.
Anmerkung der Redaktion: Am Freitagabend äußerte sich der General Manager von Condé Nast Deutschland, Markus Schönmann, zum MEEDIA-Bericht. Wir kommen seiner Bitte um Veröffentlichung gern nach. Hier sein Statement:
„Dieser Artikel ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus Nichts im Nu eine seitenfüllende Geschichte gemacht werden kann. Wie Stefan Winterbauer zumindest im letzten Absatz treffend formuliert, handelt es sich bei den skizzierten Szenarien um reine „Gedankenspiele“, die sich im Reich der Phantasie bewegen. Für Condé Nast stehen in Deutschland weder eine Fusion, noch ein Verkauf oder eine Kooperation mit einem anderen Verlag zur Debatte. Mit Blick auf unsere kerngesunden Titel sehen wir auch keinen Anlass, dies zu überdenken. Alle anderslautenden Gerüchte entbehren jeglicher Grundlage.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige