„Bild“ und Bild.de für Amok-Berichte gerügt

Der Deutsche Presserat hat "Bild" und Bild.de für ihre Berichterstattung zum Amoklauf von Winnenden gerügt. Die Institution kritisierte "unangemessene sensationelle" Darstellungen und speziell eine Fotomontage, die den Täter "in Heldenpose" zeige. Weitere öffentliche und nicht öffentliche Rügen wurden der „Sächsischen Zeitung“, der „taz“ sowie der Zeitschrift „In“ erteilt. Das Magazin soll den Grundsatz der klaren Trennung von Redaktion und Werbung verletzt haben.

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Ein ganzseitiges Bild mit der Überschrift „Seid ihr immer noch nicht tot?“ wird vom Presserat mit einer öffentlichen Rüge quittiert. Die Montage zeigte den Winnenden-Amokläufer in einem Kampfanzug mit gezogener Waffe. Kritisiert wird auch eine Grafik, die eine Situation in einem Klassenzimmer darstellen soll: „Die Redaktion zeichnet hier nach, wie der Amokläufer – wieder als Fotomontage im Kampfanzug – eine Lehrerin erschießt. Diese Darstellung der Tötung, gezeigt durch das Nach-Hinten-Überkippen der Lehrerin, hält der Ausschuss mit Blick auf die Hinterbliebenen der Getöteten für eine unangemessen sensationelle Darstellung.“

Eine Rüge in ein anderen Sache ging an die „taz“: Sie habe in einem Bericht über einen Sorgerechtsstreit die Sicht des Vaters nicht erfragt und damit gegen die Sorgfaltsspflicht verstoßen.

Neben dem Magazin In wurden auch das Magazin „Myself“ und die Programmbeilage „Prisma“ gerügt. Der Presserat erkärt dazu: „‚Myself‘ hatte über Frisuren-Stylings berichtet und dabei auf zwei Pflegemittel mit Abbildungen und Preisangaben hingewiesen. Für diese Heraushebung konkreter Produkte aus einer Palette ähnlicher Mittel sieht der Beschwerdeausschuss keinen redaktionellen Anlass.“ Deshalb sah man die Grenze zur Schleichwerbung überschritten.

Bei „Prisma“ erkannte der Beschwerdeausschuss Schleichwerbung, weil ein „Experte“ in einem redaktionellen Beitrag die Gelegenheit bekam, ein von ihm empfohlenes Produkt und die Bezugsquelle zu nennen.

Insgesamt behandelten die zwei Ausschüsse des Presserates in zwei Tagen 129 Beschwerden. „Dabei wurden neben den sechs öffentlichen Rügen noch fünf nicht-öffentliche Rügen ausgesprochen. Zudem gab es 23 Missbilligungen und 18 Hinweise“, heißt es in einer Erklärung. „In 50 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet erachtet. In sechs Fällen wurde die Beschwerde als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet. Eine Beschwerde war nicht aufklärbar. In acht Fällen hatten sich mehrere Beschwerdeführer gegen dieselbe Veröffentlichung beschwert, hier wird das Ergebnis nur einmal gezählt.“

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