Double X: Slate startet Frauenportal

Slate, das US-Onlinemagazin mit Kultfaktor, launcht ein neues Frauenportal. An sich nichts Besonderes, würde Double X nicht auf alle herkömmlichen Ingredienzien eines Frauen-Angebots komplett verzichten. Kein Beautyressort, kein Liebes-Ratgeber, noch nicht einmal eine Modestrecke hübschen das Portal auf, stattdessen Journalismus pur – aus einem weiblichem Blickwinkel. Das reicht absolut, meinen die drei Gründerinnen Hanna Rosin, Meghan O'Rourke und Emily Bazelon.

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Das Portal ist in die Ressorts „News & Politcs“, „Life“, „Work“, „Arts“, „Kids & Parenting“ und „Health & Science“ unterteilt, außerdem gibt es eine Blog-Section und einen Multimedia-Bereich. Keine großformatigen Fotos betteln hier um Klicks, keine Flash-Animationen lenken den Blick ab vom Wesentlichen, das da wäre: Reportagen, Essays, Analysen – zu allen möglichen Themen. Gemein ist den Stories, das sie eine weibliche Sichtweise auf die Welt wiedergeben.  Das ist schon alles, was Double X ausmacht.

Jetzt kann man sich natürlich fragen: Brauchen Frauen das wirklich, reichen herkömmliche News-Seiten da nicht aus? Besteht überhaupt ein Markt für ein solches Portal? Und wer, bitte sehr, soll denn überhaupt auf Double X werben, wenn nicht die Beauty-Industrie? Noch besteht das Portal erst seit wenigen Tagen, Antworten gibt es noch keine. Aber eine Ahnung: Double X kann es schaffen. Gerade das Nichtvorhandensein von vermeintlich frauenspezifischen Themen und Aufbereitungsarten („Brad Pitt in der Fotogalerie“) gibt der Site die Glaubwürdigkeit, die anderen Frauenportalen fehlt.

Gründerin Emily Bazelon ist immerhin zuversichtlich, mit Double X eine Marktlücke zu füllen: “Women’s magazines surround their smart content with much straight-up, idealized coverage of beauty and fashion. That’s an economic necessity for them. We’re hoping that the web will free us from that.“ Wenn Frauen schreiben, so die Erfahrung von Gründerin Hanna Rosin, würden ganz andere Diskussionen stattfinden. Und außerdem, ergänzt Migründerin und Slate-Autorin Meghan O’Rourke, bekämen es herkömmliche Frauenmagazine, ob print oder online, einfach selten hin, Frauenthemen in ihrer Gänze zu erfassen: „Women’s magazines never get it quite right!“ Für Bazelon, Rosin und O`Rourke schien der Moment passend, das Feld zu besetzen und die „Gesprächsführung zu übernehmen“.

Slate ist eine Tochter der Washington Post Company. Ursprünglich gehörte das Onlinemagazin zu Microsoft, wurde aber im Sommer 2004 an die WaPo Company veräußert. Double X war bisher ein Blog innerhalb des Slate-Universums und lief dort unter dem Namen XX Factor. Der Erfolg des Blogs (es rangierte regelmäßig unter den Top Ten der Slate-Inhalte) brachte die Autorinnen auf die Idee, die Sache größer aufzuziehen. Die Macherinnen schielen jedoch nicht nur auf eine weibliche Zielgruppe, sondern auch auf männliche Internetnutzer, die eine „andere“ Sichtweise ebenfalls zu schätzen wissen. Immerhin waren 40 Prozent der Leser des XX Factor Männer.

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