Kauft Musik-Milliardär die „NY Times“?

Es ist im US-Mediengeschäft zur Zeit „the hottest topic on both coasts“: das Interesse vom Musik-Milliadär David Geffen an der „New York Times“. Sprach man bisher nur von einer möglichen Übernahme eines 20% Paketes, so gibt es inzwischen Anzeichen, dass Geffen mehr vorhaben könnte. Aus seinem Umfeld hört man, er möchte eigentlich gerne den ganzen Verlag übernehmen und Nachfolger des sichtlich überforderten Verlegers Arthur Sulzberger jr. werden. Sogar die „Gray Lady“ brrichtet in eigener Sache.

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Es ist im US-Mediengeschäft zur Zeit „the hottest topic on both coasts“: das Interesse vom Musik-Milliadär David Geffen an der „New York Times“.  Sprach man bisher nur von einer möglichen Übernahme eines 20% Paketes, so gibt es inzwischen Anzeichen, dass Geffen mehr vorhaben könnte. Aus seinem Umfeld hört man, er möchte eigentlich gerne den ganzen Verlag übernehmen und Nachfolger des sichtlich überforderten Verlegers Arthur Sulzberger jr. werden. Sogar die „Gray Lady“ brrichtet in eigener Sache.
„Geffen‘> hieß die Headline in der New York Times vom letzten Freitag. Dort wird davon gesprochen, daß Geffen trotz zweier Fehlversuche „seriously“ interessiert wäre, ein „major player“ in der New York Times Company zu werden. Gleichzeitig beruhigt die Zeitung aber, dass sich Geffen eher passiv verhalten und nichts unternehmen würde, was die Verlegerfamilie Sulzbergers verärgern könnte.

Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Ein paar tausend Kilometer westlich, in Los Angeles hört man nämlich, dass Geffen mit seiner Planungen sehr weit fortgeschritten sei. Er hat dort ein kleines Beraterteam um sich versammelt, „to preserve a great journalistic institution“. Sein Plan: im Falle einer Übernahme will er die NYT von allen Beteiligungen und Ballast befreien und anschließend die Zeitung in eine Nonprofit-Organisation umwandeln.

Wer ist dieser David Geffen? Zunächst ist Geffen, 66, kinderlos, jemand, der sich die Times leisten kann. Forbes schätzt sein Vermögen auf 4,5 Mrd. Dollar. Damit steht der Geffen auf Platz 110 der „World’s Billionaire“. Im Jahr davor rangierte er noch an 49. Stelle, aber während der Finanzkrise müssen ihm irgendwie 1,5 Mrd. seines Vermögen abhanden gekommen sein.

David Geffen verkörpert die typische Geschichte „Vom Tellerwäsche zum Millionär“. Oder in diesem Fall besser zum Milliardär. Er stammt aus armen Verhältnissen, ist in Brookly aufgewachsen, sein Vater war Pole, seine Mutter Russin. „His upbringing was a far cry from his billionaire lifestyle“, notierte die Financial Times.

Seine berufliche Karriere startete er in der Poststelle der bekannten Künstleragentur William Morris mit einem gefälschten Hochschulabschluss. Dann hat er sich langsam zum Musikagenten hochgearbeitet. Richtig Geld hat der „Self Made Media King“ (Financial Times) schließlich mit  Geffen Records gemacht. Dort hatte er Künstler wie John Lennon, Cher, Aerosmith, Guns N’ Roses und Neil Young unter Vertrag. 1994 gründete Geffen gemeinsam mit Steve Spielberg und Jeffrey Katzenberg das Filmstudio DreamWorks SKG, das aber nur mäßig erfolgreich war und 2005 von Viacom-Tochter Paramount Pictures übernommen wurde.

Geffen, der lange Zeit eine Affäre mit der Sängerin Cher hatte, sich inzwischen aber als homosexuell geoutet hat, gilt als Philanthrop. Er stiftete für den Ausbau vom UCLA Medical Center in Santa Monica 200 Mio. Dollar, in Los Angeles gibt es eine Kunsthalle und ein Theater mit seinem Namen. Er besitzt zwei der schönsten Häuser Kaliforniens: in Beverly Hills hat er für fast 50 Mio. Dollar die Villa von Hollywood-Legende Jack Warner gekauft, in Malibu ist sein Strandhaus größer als das von Oracle-Chef Larry Ellison, es dürfte locker 100 Mio. Dollar wert sein. Politisch unterstützt Geffen die Demokraten. Er gilt als „firm liberal“ und passt insofern gut zur „New York Times“.

Es heißt, Geffen hätte eine „genuine fascination with the dilemma facing newspapers“. So hatte er in den letzten Jahren mehrmals vergeblich versucht, die „Los Angeles Times“ zu kaufen. Als das nicht klappte, wurde die New York Times das Objekt seiner Begierde. Im April hat Geffen ein Angebot für den 19%-Anteil der Investoren-Gruppe Harbinger Capital an der New York Times gemacht. Das Problem: Harbinger hatte das Paket für 500 Millionen Dollar erworben, Geffen wollte nur den  aktuellen Börsenwert von 194 Mio Dollar zahlen.

Außerdem soll auch Geffen bereit gewesen sein, der „New York Times“ einen Kredit wie der mexikanische Milliadär Carlos Slim einzuräumen. Warum das nicht zustande gekommen ist, darüber gibt es verschiedene Versionen. Es könnte daran gelegen haben, dass Verleger Sulzberger den Mexikaner für ungefährlicher hielt. Aber ein Geffen vergisst nicht, ein Geffen lässt nicht locker.

Viele fragen sich, warum traut sich Geffen zu, den Verlag der New York Times in den Griff zu bekommen? 57 Mio. Dollar hat die Company im letzten Jahr verloren, allein in den ersten Monaten dieses Jahres sind 75 Mio. Dollar Verlust aufgelaufen.
Eine Beteiligung oder Übernahme der New York Times „seems dead on arrival“, meint „Newsweek“. Aber vermutlich geht es Geffen mehr ums Ego. Und dafür ist er bereit, notfalls ein paar hundert Millionen Dollar oder mehr zu zahlen.

Vielleicht ist ja das die Zukunft der Zeitungen: sie werden von „Self-Made-Billionaires“ aufgekauft, die ihr Engagement mehr als „Charity Case“ sehen und sich in den letzten Jahre ihres Lebens ein Denkmal setzen wollen.

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