PR-Proteste gegen RTL-Baby-Show

RTL hat es geschafft, Verbände und Politiker mit einer Show auf die Barrikaden zu bringen, noch bevor diese ausgestrahlt wurde. Bei "Erwachsen auf Probe" bekommen junge Pärchen mit Kinderwunsch testweise ein Baby zur Verfügung gestellt, um zu sehen, ob sie der Herausforderung gewachsen sind. Die dreifache Mutter und Gattin von "Bild"-Chef Kai Diekmann, Katja Kessler, moderiert. Gegen die Show protestieren u.a. der Kinderschutzbund, die bayerische Familienministerin, Psychotherapeuten und Hebammen.

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Der Deutsche Hebammenverband fand besonders scharfe Worte und sieht in der Show gar „eine Form der Prostitution“, freilich ohne eine Folge gesehen zu haben. Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) fürchtet eine seelische Gefährdung der Babys, wenn diese von ihren leiblichen Eltern getrennt werden. Kritik kam auch von der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

Die RTL-Show „Erwachsen auf Probe“ basiert auf dem BBC-Format „The Baby Borrowers“. Bei RTL wird man sich über die viele Vorab-Kritik freuen. Zum einen sind die ritualisierten Empörungen leicht zu parieren, da keiner der Kritiker die Show bisher gesehen hat; Start ist erst am 3. Juni. Zum anderen kann RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger locker darauf hinweisen, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen der Show bereits eine „positive pädagogische Absicht“ bescheinigt hat. RTL hat zudem die Kritiker wiederholt eingeladen, sich die Sendung anzusehen.

Schon bei der Einführung des Reality-Formats „Big Brother“ vor Jahren empörten sich Verbände und Politiker bereits vor Start der Show und sorgten damit für zusätzlichen Medienwirbel. Für den Sender hat das immer gleiche Empörungsritual vor solchen Formaten in erster Linie PR-Wirkung. Den Kritikern scheint nicht bewusst zu sein, dass sie mit ihrem Verhalten die Sender eher ermutigen, weitere Formate diesen Zuschnitts ins Programm zu nehmen. RTL weist darauf hin, dass die leiblichen Eltern das Geschehen jederzeit mitverfolgt haben und stets in der Nähe waren. Kritik an solchen TV-Formaten ist legitim, bloß vorher anschauen sollte man es sich halt. Sonst bleibt von der ganzen Kritik bloß ungewollte und unbezahlte PR übrig.

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