Neuer Xing-Chef: „Sehr gute erste Tage“

Exakt vier Monate ist es her, dass der ehemalige eBay-Deutschlandchef Stefan Groß-Selbeck die Geschäfte von Xing-Gründer Lars Hinrichs übernahm. Mit den gestern vorgelegten Unternehmenszahlen bleibt das Online-Business-Netzwerk auf Kurs, obwohl Bremsspuren in der Wachstumsdynamik unverkennbar sind. MEEDIA sprach mit dem XING-CEO über die weiteren Wachstumsperspektiven, neue Applikationen und die internationale Konkurrenz von Facebook und Twitter.

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Herr Groß-Selbeck, Sie sind als einziges Web 2.0-Unternehmen an der Börse und arbeiten profitabel. Was macht Xing richtig?

Unsere Vision lautet: „Create real value for real Businesspeople everyday“. Und das wird von unseren Nutzern entsprechend angenommen. Xing ist das aktivste Business-Netzwerk weltweit und wir arbeiten täglich daran, die Aktivität unserer Mitglieder mit innovativen Features weiter zu fördern.  

Das spiegeln auch die gestern vorgelegten Quartalszahlen wider. Im schwierigen Marktumfeld konnten Sie nochmals deutlich Ihren Umsatz steigern. Gleichzeitig stößt die Gewinnentwicklung an ihre Grenzen – die Erträge stiegen nur noch um 4 Prozent. Wie wollen Sie weiter wachsen?    

Trotz Wirtschaftskrise wächst XING weiter sehr profitabel, und damit können wir zufrieden sein. Um unsere Marktposition weiter auszubauen, haben wir kräftig investiert und auch eine neue Entwicklungsstrategie eingeführt, die unser Innovationstempo deutlich beschleunigt. Darüber hinaus haben wir mit dem erfolgreichen Start von OpenSocial die technischen Voraussetzungen geschaffen, um unseren Mitgliedern auch relevante Features von Drittentwicklern anbieten zu können. Damit haben wir bereits die ersten strategischen Weichenstellungen umgesetzt, um das virale Wachstum unserer Community stärker als bisher voranzutreiben und so auch in Zukunft weiter erfolgreich zu wachsen.

Auch die internationale Expansion treiben wir weiter voran. Hier fokussieren wir uns auf unsere Kernmärkte in Kontinentaleuropa. Wir wollen unsere Mitgliederzahlen stark ausbauen und konzentrieren uns neben Deutschland, Österreich und der Schweiz – auf die drei Länder, in denen wir bereits Niederlassungen vor Ort haben. Wir wollen vor allem in Spanien, der Türkei und Italien schneller als bisher wachsen. Dafür setzen wir jetzt in erster Linie auf die Weiterentwicklung und auch stärkere Lokalisierung unseres Angebots.

Herr Groß-Selbeck, Sie sind jetzt rund 100 Tage als CEO der Xing AG im Amt. Wie ist Ihr Start verlaufen?

Es waren sehr gute erste Tage. Wir haben viele  neue Features eingeführt, viele neue Funktionalitäten. Neue Features fördern die Aktivität der Mitglieder und aktivere Mitglieder laden häufiger neue Kontakte auf die Plattform ein. Mit den neuen Applikationen wollen wir das virale Wachstum stärker als bisher vorantreiben.

Mit der Einführung der Standard-Programmierschnittstelle Open Social werden wie gesagt ganz neue Applikationen möglich und wir öffnen uns damit auch für Drittentwickler. Jeder Software-Anbieter kann Applikationen entwickeln und wir werden die Partner auswählen, von denen wir uns einen kräftigen Innovationsschub und auch einen beruflichen Mehrwert für unsere Mitglieder erwarten. Die neuen Features werden bereits sehr intensiv ausprobiert und genutzt, was sich erfreulich auf die Mitgliederaktivität auswirkt. Darüber hinaus sind viele neue Angebote in Vorbereitung, die das Netzwerken auf unserer Plattform vielseitiger und effektiver machen.

Spezielle Angebote für Recruiter sollen XING für diese sehr interessante Zielgruppe attraktiver machen. Und last but not least soll unser Netzwerk weiter wachsen und auch noch internationaler werden – damit sich immer mehr Kontaktmöglichkeiten bieten. Für jeden Schwerpunkt haben wir uns klare Ziele gesetzt – und wir arbeiten bereits intensiv daran, diese Ziele zu erreichen. Einige Highlights sind schon auf der Zielgeraden und werden jetzt Schritt für Schritt eingeführt.

Andererseits sind die Herausforderungen größer geworden. Social Networks wie Facebook wachsen ohne Ende und ziehen immer mehr Nutzer der Alterklasse 30+ an. Haben Sie keine Sorge, dass Facebook Ihnen das Wasser abgräbt?

Wir nehmen natürlich jeden Wettbewerber ernst. Aber Xing ist ein Business-Netzwerk, das klar den beruflichen Nutzen und Mehrwert der Mitglieder in den Vordergrund stellt und so Werte schafft. Bei uns finden Sie reale Verbindungen  zu Menschen aus der Geschäftswelt. Die meisten anderen sozialen Netzwerken hingegen gleichen eher einem Tummelplatz von privaten Inhalten. Ich kenne viele Leute, die ein Problem damit haben, einen Arbeitskollegen in anderen sozialen Netzwerken als „Freund“ zu bestätigen, weil er dann Zugriff auf private Inhalte, wie etwa die letzten Urlaubsbilder haben könnte.   

Was ist mit Ihrem internationalen Rivalen LinkedIn. Xing-Gründer Lars Hinrichs sagte vor zwei Jahren: 2008 wird es nur noch einen Platzhirsch geben. Haben Sie keine Sorge, langfristig abgehängt – oder geschluckt zu werden?

Auch LinkedIn ist natürlich ein Wettbewerber, den wir ernst nehmen. Aber in Deutschland haben wir mit rund drei Millionen Mitgliedern die mit Abstand größte Business-Community, die zudem weltweit einzigartig aktiv ist. XING wächst im deutschsprachigen Raum, auch nachdem LinkedIn ihre Seite ins Deutsche übersetzt hat ,weiter sehr erfreulich.

Wie wollen Sie das gewährleisten?

Wir wollen uns auch in unseren Heimatmärken nicht auf unserem Vorsprung ausruhen und sehen in Deutschland mehr als ausreichend Marktpotenzial, um unsere Mitgliederzahlen in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Um die Aktivität unserer Mitglieder weiter zu fördern, haben wir in den letzen Wochen bereits mehr neue Features als jemals zuvor eingeführt und wir haben zahlreiche Weiterentwicklungen und Applikationen in der Projektpipeline, die wir jetzt Schritt für Schritt auf Xing launchen.   

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