Gerüchte, Spardruck, Peinlichkeiten

Diese Medienwoche hatte es in sich. Die Branche diskutierte wie aus heiterem Himmel über die Zukunft von „Playboy“-Chefredakteur Stefan Schmorrte, die „Süddeutsche Zeitung“ agierte als selbst ernannte Hüterin der Qualitätspresse mehr als nur ein bisschen ungeschickt, bei Gruner + Jahr wurde zum Entsetzen der Belegschaft schon wieder ein neues Sparprogramm angekündigt und „Frankfurter Rundschau“-Chefredakteur Uwe Vorkötter kehrte an seine alte Wirkungsstätte zur „Berliner Zeitung“ zurück.

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Bleibt Stefan Schmortte Chefredakteur des deutschen „Playboy“? Man weiß es nicht. Anonyme Hinweise an diverse Mediendienste sorgten in dieser Woche für einiges Getuschel. Er habe den Verlag im Streit verlassen, hieß es. Die stark schwankende Auflage des „Playboy“ sei für die Burda-Manager nicht länger tragbar gewesen, war eine gestreute Begründung für ein mögliches Zerwürfnis. Kann das wirklich sein? Der „Playboy“ war schon immer extrem abhängig von den mehr oder weniger prominenten Damen, die sich fürs Cover entblätterten. Mit über 157.000 hart verkauften Exemplaren braucht sich der „Playboy“ nach wie vor nicht zu verstecken. Dass der zuständige Sprecher vieldeutig auf den Urlaub des Chefredakteurs verweist, hat nicht dazu beigetragen, die Gerüchtelage zu beruhigen. Eine merkwürdige Geschichte. Nicht gut für Burda, nicht gut für den „Playboy“ und nicht gut für Stefan Schmortte.

Die „Süddeutsche“ kann einem fast schon Leid tun. Das überregionale Blatt hat derzeit ein unglückliches Händchen in der anhaltenden Qualitätsdebatte im Journalismus. Zuerst passieren im „SZ Magazin“ mit dem Thema „Zukunft der Zeitung“ einige Nachlässigkeiten. Der Autor des Artikels „Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren“ wurde dem falschen Medium zugeordnet und der Original-Artikel bezog sich explizit auf Wirtschafts-Blogs und nicht auf Blogs allgemein. „SZ“-Chefredakteur Hans-Werner Kilz hat beim Henri-Nannen-Preis öffentlich bekannt, über diese Ausgabe des „SZ Magazins“ „nicht glücklich“ zu sein. Wenige Tage später drosch Groß-Kritiker Willi Winkler auf der „SZ“-Medienseite auf den „Spiegel“ ein, weil auf dessen Online-Shop u.a. Bücher von rechtsextremen Agitatoren, u.a. Léon Degrelles „Denn der Hass stirbt . . .“ zu finden sei. Da die „SZ“ exakt die gleichen Bücher auch in ihrem Shop anbietet, brach ein Sturm der Entrüstung los – über der „Süddeutschen“, nicht über dem „Spiegel“. Keine gute Woche für die Münchner Qualitäts-Hüter.

Wie von vielen erwartet, kehrt der bisherige „Frankfurter Rundschau“-Chefredakteur Uwe Vorkötter als Chefredakteur zur „Berliner Zeitung“ zurück. Was für ein Triumph. Er, der aus Protest gegen den renditehungrigen Finanzinvestor David Montgomery ins Frankfurter Exil ging, dürfte sehr freundlich an seiner alten Wirkungsstätte empfangen werden. Seine Aufgaben sind mit der Zeit gewachsen. Vorkötter soll „Berliner Zeitung“ und „Frankfurter Rundschau“ enger verzahnen. Das macht nur Sinn, wenn auch die anderen Abo-Blätter des Hauses DuMont, der „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Kölnischen Rundschau“ und die „Mitteldeutsche Zeitung“, eingebunden werden. Der Trend geht zur Zentralisierung von Redaktionen. Diesem Trend werden sich auch die Kölner Zeitungsfürsten über kurz oder lang nicht verschließen (können).

Was war Gruner + Jahr früher mal für ein stolzes Haus. Vor einigen Jahren galt eine Festanstellung am Baumwall als journalistischer Ritterschlag – und als beste Versorgung auf Lebenszeit. Heute kann man mit manchen Kollegen dort Mitleid haben. Die Krise hat das einstmals so sichere Haus eisenhart im Griff. Zorn und Wut über die Fusion der Wirtschaftsredaktionen und die erste große Sparwelle sind gerade abgeklungen, da geht es auch schon weiter. Wieder eine interne Mail, die kryptisch Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen ankündigt, wieder kursieren Zahlen von Stellen, die abzubauen sind und Titel, die vielleicht eingestellt werden müssen. 2009 wird als Medien-Horrorjahr in die Geschichte eingehen.

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