Return of the Schnittmusterbogen

Werbung schwächelt, Verlage sparen, Magazine werden eingestellt, Paid Content ist in aller Munde. In Zeiten, in denen das Magazin mit den größten Auflagen-Zuwächsen „Landlust“ heißt und eine junge Musik-Kapelle (Silbermond) ganz konservativ nach „ein kleines bisschen Sicherheit“ verlangt, kommt ein altbackenes Medienkonzept plötzlich wieder in Mode: der Schnittmusterbogen. Die drei jungen Münchnerinnen Anja Kellner, Marta […]

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Werbung schwächelt, Verlage sparen, Magazine werden eingestellt, Paid Content ist in aller Munde. In Zeiten, in denen das Magazin mit den größten Auflagen-Zuwächsen „Landlust“ heißt und eine junge Musik-Kapelle (Silbermond) ganz konservativ nach „ein kleines bisschen Sicherheit“ verlangt, kommt ein altbackenes Medienkonzept plötzlich wieder in Mode: der Schnittmusterbogen.

Die drei jungen Münchnerinnen Anja Kellner, Marta Olesniewicz und Lucie Schmid erfanden gerade „Cut“, eine Art junges „Burda – Modemagazin“ mit dem Claim „Leute machen Kleider“. Die erste Auflage von 20.000 Exemplaren war nach Angaben der Macherinnen in kurzer Zeit ausverkauft. Es wurde nachgedruckt. Nachgedruckt! Ende August soll die zweite Ausgabe von „Cut“ erscheinen, eine Online-Community ist natürlich auch geplant.

Bei Burda ist man indes nicht faul. Die Umbenennung des „Burda Modemagazins“ zu „Burda Fashion & Style“ wurde zwar von der Februar auf die August-Ausgabe vertagt. Dafür soll das Magazin dann am 24. Juli komplett aufgefrischt erscheinen. Seit Jahresanfang wirkt dort mit Dagmar Bily eine neue Chefredakteurin. Seit dem 3. Quartal 2008 steigt die Auflage vom „Burda Modemagazin“ wieder auf zuletzt knapp 136.000 verkaufte Exemplare. Das Monatsmagazin ist mir 4,50 Euro relativ teuer und es kommt quasi ohne Werbung aus. Paid Content pur!

Online verkauft Burda Schnittbögen unter www.burdafashion.com. Man kann die Bögen dort aussuchen und sie werden gegen Geld und Versandgebühr per Post ins Haus geschickt. Altmodisch, aber effektiv. Moderner geben sich die Burda-Schneider in den USA. Dort haben Nora Abousteit und Benedikta von Karaisl burdastyle.com ins Leben gerufen, eine Do-it-yourself-Mode-Community. Die mittlerweile über 180.000 Mitglieder können selbst Schnittmuster veröffentlichen, modifizieren und als PDF runterladen. Die Redaktion stellt ebenfalls Schnittmuster zur Verfügung. Teils gratis, teils gegen Cash. Der Unterschied zum deutschen burdafashion.com: Bei burdastyle.com muss man die Bögen selbst ausdrucken und zusammenfriemeln.

Laut Auskunft bei Burda ist es geplant, beide Modelle zusammenzuführen. Der Start von burdastyle.com für Deutschland ist auch schon seit längerer Zeit angekündigt. Wann genau es soweit sein wird, ist derzeit noch unklar. Erst einmal soll das Print-Produkt erneuert werden. Sicher auch, um sich die lästige neue Konkurrenz „Cut“ vom Hals zu halten.

„Burda Moden“ wurde 1950 von Aenne Burda gegründet. In den wilden 90er Jahren, als die Werbung nur so sprudelte, galt das Heft-Konzept dann als veraltet und dramatisch unsexy. Man muss manchmal eben nur lange genug warten, dann ist das vermeintlich Altbackene plötzlich wieder angesagt. Der gesellschaftliche Trend hin zum Häuslichen mit modernem Anstrich schlägt sich eben auch in den Medien nieder. Die „Burda Modezeitschrift“ ist in der Krise eine Bank. Und zwar eine gute.

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