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Döpfner: „Von der Krise kaum etwas gespürt“

Axel Springer hat im ersten Quartal 2009 trotz des Konjunktureinbruchs das operative Ergebnis um 2,1 Prozent gesteigert. Der Umsatz ging gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Der Konzern verwies auf die "konsequente Kostendisziplin", die das Ergebnis positiv beeinflusst habe. Ein Wachstum der Digitalmedien um knapp 30 Prozent und gute Vertriebserlöse glichen den deutlichen Rückgang der Werbeerlöse weitgehend aus. Springer-Chef Mathias Döpfner: "Von der Krise haben wir kaum etwas gepürt."

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Trotz des erfolgreichen Starts in das Geschäftsjahr 2009 geht der Vorstand aufgrund des Konjunktureinbruchs und der dramatischen Auswirkungen auf den Werbemarkt für das Gesamtjahr von einem deutlich schlechteren Ergebnis bei rückläufigen Umsätzen im Vergleich zum Vorjahr aus.
Im ersten Quartal erwirtschaftete Springer einen Konzernumsatz von EUR 620,0 Mio. nach EUR 641,7 Mio. im Vorjahr. Trotz des sehr schwierigen Marktumfelds lag er nur 3,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Zu dieser Entwicklung trugen die mit einem leichten Minus von 1,7 Prozent nahezu stabilen Vertriebserlöse maßgeblich bei. Aufgrund ihrer starken Marktposition hat sich die BILD-Gruppe sogar als Krisengewinner erwiesen.
Das Segment Digitale Medien steigerte die Werbeerlöse deutlich um 26,6 Prozent. Dadurch beschränkte sich der Rückgang der Werbeerlöse konzernweit auf vergleichsweise moderate 8,0 Prozent. Der wachsende Umsatzbeitrag der Digitalen Medien schlug sich darüber hinaus in einem Anstieg der übrigen Erlöse um 10,9 Prozent ebenfalls positiv nieder. Springer steigerte im ersten Quartal trotz des leicht rückläufigen Konzernumsatzes das operative Ergebnis um 2,1 Prozent auf EUR 80,3 Mio. (2008: EUR 78,7 Mio.). Die Rendite legte damit von 12,3 Prozent auf 13,0 Prozent zu.
Der Gewinn in Höhe von EUR 201,9 Mio. aus des im März vollzogenen Verkaufs von Minderheitsbeteiligungen an mehreren Regionalzeitungen schlug sich im Konzernüberschuss von EUR 213,0 Mio. nieder. Der Vorjahreswert von EUR 449,9 Mio. enthielt den Gewinn in Höhe von EUR 438,3 Mio. aus der Veräußerung des Anteils an der ProSiebenSat.1 Media AG. Bereinigt um nicht-operative Positionen legte der Konzernüberschuss im ersten Quartal von EUR 31,8 Mio. auf EUR 34,9 Mio. zu. Das Ergebnis je Aktie belief sich auf EUR 7,09 nach EUR 14,55 im Vorjahr, das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 9,7 Prozent auf EUR 1,18.
„Inmitten der Weltwirtschaftskrise hat sich das Geschäft von Axel Springer erfreulich stabil entwickelt“, kommentierte Vorstandschef Mathias Döpfner die Zahlen, „unsere Digitalisierungsstrategie zahlt sich voll aus: Mit dem dynamischen Wachstum unserer Online-Geschäfte und den starken Positionen unserer Printtitel im Vertriebsmarkt haben wir die deutlichen Einbrüche bei den Werbeerlösen von Zeitungen und Zeitschriften fast vollständig kompensieren können.“
Döpfners Prognose für das laufende Jahr ist dennoch verhalten: „Die nächsten Monate werden für die Medienbranche äußerst schwierig bleiben. Mit Blick auf 2009 bleiben wir aufgrund des konjunkturell bedingten Rückgangs der Werbeerlöse vorsichtig und stellen uns darauf ein, dass Umsatz und Ergebnis im Gesamtjahr deutlich unter das Rekordniveau des Vorjahres zurückgehen werden.“
Vertriebserlöse stabil, Digitalgeschäft wächst, Werbeerlöse sinken

Springer erzielte im ersten Quartal Vertriebserlöse in Höhe von EUR 289,0 Mio. Sie lagen damit lediglich 1,7 Prozent unter dem Wert des Vorjahres (EUR 293,9 Mio.). Durch die im Geschäftsjahr 2008 durchgesetzten Copypreiserhöhungen steigerte der Konzern trotz rückläufiger Auflagen die Vertriebserlöse im Segment Zeitungen National und kompensierte damit Rückgänge in den anderen Print-Segmenten. Die Auswirkungen der Anzeigenkrise konnte Axel Springer durch ein starkes Wachstum bei den Werbeeinnahmen im Segment Digitale Medien begrenzen. Konzernweit gingen die Werbeerlöse dadurch nur um 8,0 Prozent auf EUR 266,1 Mio. (Vj.: EUR 289,3 Mio.) zurück. Die übrigen Erlöse profitierten von ei-nem wachsenden Umsatzbeitrag des Segments Digitale Medien und legten um 10,9 Prozent auf EUR 64,9 Mio. (Vj.: EUR 58,5 Mio.) zu.
Inländische Printmedien mit zweistelligen Renditen
Das Segment Zeitungen National blieb in einem schwierigen Umfeld bei einem leicht rückläufigen Umsatz hochprofitabel. Der Umsatz des Segments lag mit EUR 292,4 Mio. lediglich 1,4 Prozent unter dem Vorjahresquartal (EUR 296,7 Mio.). In Folge der im vergangenen Jahr durchgesetzten Copypreiserhöhungen bei „Bild“ und „BamS“ stiegen die Vertriebserlöse um 5,5 Prozent auf EUR 153,9 Mio. (Vj.: 145,9 Mio.). Auch die WELT-Gruppe (inkl. „Berliner Morgenpost“) und das „Hamburger Abendblatt“ trugen zu dieser positiven Entwicklung bei. Die Werbeerlöse verminderten sich hingegen in einem schwachen Marktumfeld um 9,6 Prozent auf EUR 131,5 Mio. (Vj.: EUR 145,4 Mio.). Der operative Gewinn des Segments behauptete sich mit EUR 64,8 Mio. (Vj.: EUR 68,6 Mio.) und einer Rendite von 22,2 Prozent (Vj.: 23,1 Prozent) auf hohem Niveau.
Das Segment Zeitschriften National konnte sich nach dem Rekordjahr 2008 nicht vollständig von der negativen Marktentwicklung abkoppeln. Der Segmentumsatz verminderte sich im ersten Quartal um 10,1 Prozent auf EUR 126,9 Mio. (Vj.: EUR 141,1 Mio.). Mit Vertriebserlösen von EUR 89,1 Mio. (Vj.: 94,0 Mio.) konnten die inländischen   Zeitschriften hier den Rückgang auf 5,2 Prozent begrenzen. Die Wer-beerlöse sanken hingegen auf EUR 33,2 Mio. (Vj.: 43,6 Mio.) und verzeichneten damit eine marktbedingte Verminderung um 23,9 Prozent. Besonders hart traf der Anzeigenrückgang die Wirtschafts- und Finanzmedien, deren Werbeerlöse sich im Berichtszeitraum mehr als halbierten. Der geringere Segmentumsatz schlug sich im EBITDA des Segments nieder, das sich von EUR 24,9 Mio. auf EUR 13,1 Mio. reduzierte. Das Segmentergebnis wurde darüber hinaus durch gestiegene Aufwen-dungen für Sozialpläne belastet. Die EBITDA-Rendite der inländischen Zeitschrif-ten blieb mit 10,3 Prozent (Vj.: 17,6 Prozent) dennoch im zweistelligen Bereich.
Starker Anstieg im Web-Business
Das Segment Digitale Medien leistete im ersten Quartal mit kräftigem Umsatz-wachstum und einem deutlich verbesserten Ergebnis einen wesentlichen Beitrag zum Geschäftserfolg. Die an Printmarken und Inhalte gebundenen Online- und Mobilportale verzeichneten deutliche Zuwächse. Axel Springer profitierte zudem von seiner starken Position bei Online-Rubrikenmärkten und im erfolgsbasierten Onli-ne-Marketing. Das Segment steigerte seinen Umsatz weitgehend unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise um 28,5 Prozent auf EUR 104,7 Mio. (Vj.: EUR 81,5 Mio.). Die Werbeerlöse legten um 26,6 Prozent auf EUR 77,1 Mio. (Vj.: EUR 60,9 Mio.) zu, die übrigen Erlöse erhöhten sich um 34,1 Prozent auf EUR 27,6 Mio. (Vj.: 20,5 Mio.). Der Anteil des Segments Digitale Medien am Konzernumsatz stieg von 12,7 Prozent auf 16,9 Prozent. Bei weiterhin substanziellen Investitionen in das digitale Geschäft steigerte das Segment zudem das EBITDA deutlich: Nach einem operati-ven Verlust von EUR -11,7 Mio. im Vorjahreszeitraum erreichten die Digitalen Medien im ersten Quartal 2009 ein EBITDA von EUR 6,8 Mio., zu dem unter ande-rem ein deutlich verbessertes Beteiligungsergebnis beitrug.
Konzern mit höherer Eigenkapitalquote
Der Konzern nutzte die Finanzlage erneut zur Tilgung von Verbindlichkeiten und reduzierte diese von EUR 524,0 Mio. auf EUR 465,8 Mio. Die Nettoverschuldung sank damit von EUR 369,5 Mio. auf EUR 334,8 Mio. zum Ende des ersten Quartals. Die liquiden Mittel beliefen sich zum Stichtag 31. März 2009 auf 131,0 Mio. (31.12.2008: EUR 154,4 Mio.). Bei einer Bilanzsumme von EUR 2.970,8 Mio. stieg die Eigenkapitalquote von 38,0 Prozent am Jahresende 2008 auf 42,6 Prozent Ende März.

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