Twitter: Profi-Tipps für Einsteiger

Kaum ein Web-Trend wurde in den letzten Monaten so gefeiert wie der Mikrobloggingdienst Twitter. Längst sind auch Deutschlands Nachrichtenportale dem Twitter-Hype erlegen. Doch was kann Twitter, wie benutzt man es und wie können Medienmacher davon profitieren? Meedia hat die wichtigsten Twitter-Tipps und Tools für sie zusammengestellt und erklärt, wie Sie in den Mikroblogs suchen können, was Sie beachten müssen und wie Sie Mikroblogging zu Ihren Gunsten nutzen können.

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Wodurch wurde Twitter bekannt?

Seinen großen Durchbruch hatte das US-Startup wohl durch die Meldung von Janis Krumis, die er samt Foto aus New York in die Welt zwitscherte: „Da ist ein Flugzeug im Hudson River. In bin in einer Fähre, die die Leute aufsammelt. Verrückt.“ Das Foto zeigte exklusiv einen soeben notgewasserte Airbus. Der Bürgerjournalismus hatte gesiegt. Dieser kleine aber publikumsträchtige Triumph sorgte unter Journalisten und in Redaktion bei jedem medialen Großereignis für hohe Erwartung an den neuen Mikrobloggingdienst.

Spätestens beim Amoklauf von Winnenden wurde klar, dass ein soziales Netzwerk nicht unbedingt den Journalismus ersetzen kann und darf. Gerd Blank von stern.de fasste es treffend zusammen: „Während ausgebildete Journalisten eigentlich wissen, wie mit Namen, Adressen und Bildern umgegangen werden darf, erfährt man bei Twitter schnell, wie der mutmaßliche Täter heißt. Das Elternhaus wird in aller Pracht gezeigt, und damit man es auch findet, gibt es den Link zur Adresse dazu. Der Pressekodex gilt halt für die Presse, und nicht für ein Medium, welches von vielen fälschlicherweise als die Zukunft des Journalismus betrachtet wird.“

Was ist Twitter?

Dennoch ist Twitter ein Tool des Web 2.0, das Beachtung verdient und gerade für Medienmacher von Nutzen sein kann. Für den, der sich damit noch kaum auseinandergesetzt hat, liefert Wikipedia eine kurze Begriffsklärung: Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein Mikro-Blogging-Dienst. Angemeldete Benutzer können Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen senden und die Nachrichten anderer Benutzer empfangen. Die Nachrichten werden „Updates“ oder „Tweets“ (engl. to tweet = zwitschern) genannt.

Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man die Nachrichten anderer Benutzer abonniert, wobei Abonnenten als „Follower“ (engl. to follow = folgen) bezeichnet werden. Auf der Twitter-Startseite kann man Nachrichten eingeben und die Nachrichten der Personen, denen man folgt, chronologisch sortiert sehen. Der Absender kann entscheiden, ob er seine Nachrichten allen zur Verfügung stellen oder den Zugang auf eine Freundesgruppe beschränken will.

Wer jetzt nicht abgeschreckt ist, kann sich auf Twitter.com sofort registrieren und einen eigenen Twitter-Account starten. Wer keine Lust hat, Twitterer aus seinem sozialen Umfeld manuell zu suchen, kann die Maschine für sich arbeiten lassen und unter dem Register „Find People“ oben rechts auf der eigenen Twitter-Startseite auf „Find on other Networks“ klicken. Nach Eingabe der eigenen Mail-Accountdaten gleicht Twitter vorhandene Accounts mit den gefundenen Mailadressen ab und listet die Treffer.

Worüber twittern?

Das kommt darauf an, wozu Sie Twitter nutzen wollen. Gerade hartnäckige Twitter-Verweigerer stempeln das Tool als Kollegen-Ersatz für freie Journalisten ab. Nach dem Motto: Wer sich nicht mit dem Kollegen am Nachbarstisch unterhalten kann, tut das mit seinen Followern. Doch auch viele deutsche Nachrichtenredaktionen scheinen den Mittelweg noch nicht gefunden zu haben. Die einen twittern Details aus dem Redaktionsalltag, während andere nur ihre Artikel posten.

Für jeden gilt: Nur, wer im Web 2.0 etwas gibt, bekommt auch was. Details aus Ihrem Berufsleben können für ihre Follower also genauso interessant sein wie die Ergebnisse Ihrer Arbeit.

Mit Twitter lässt sich aber nicht nur Text publizieren. Twitpic ist einer der Bilderdienste, mit denen Sie problemlos Ihre Bilder mit Twitter abgleichen können. Bilder lassen sich ganz einfach hochladen und werden mit dem eigenen Twitter-Account abgeglichen. Wer als Journalist nach Bildern bei Twitpic sucht, sollte jedoch beachten, dass die Rechte trotz Veröffentlichung immer noch beim Inhaber des Accounts liegen. Vor der Verwendung muss der User also um Erlaubnis gebeten werden. Twitipc ist aber nicht der einzige Bilderdienst. SnapTweet gleicht bei Eingabe Ihrer Userdaten und Ihres Flickr-Kontos die neuesten Aufnahmen ab und postet sie auf Twitter.

Wie Twitter austricksen?

Goethe sagte einmal: Ich habe nicht viel Zeit, deswegen schreibe ich Dir einen langen Brief, mein Freund. Zugegeben: Sich auf 140 Zeichen zu beschränken, fällt nicht jedem leicht. Vor allem nicht Journalisten. Dazu können Sie sich aber einer Kniffe bedienen. Gerade beim Posten von eigenen Arbeiten nimmt eine lange Url den meisten Platz ein. Mit TinyUrl reduzieren Sie die Zeichenanzahl um ein Vielfaches. Kopieren Sie dazu auf TinyUrl.com einfach die gewünschte Domain in das Eingabefeld. Die neue Url ist um einiges kürzer. Eine Alternative zu TinyUrl ist shortURL.

Das hippste Tool unter Twitter-Usern ist derzeit Tweetdeck. Die Applikation bringt Ordnung in die teils chaotische Twitter-Welt, in dem sie Spalten einführt. Die können nun entweder Twitter-Kontakte, selbst angelegte Gruppen oder die Ergebnisse von Suchanfragen enthalten. Mit Tweetdeck lassen sich Inhalte auf problemlos filtern. Wollen Sie beispielsweise sämtliche Tweets nach Internetadressen durchsuchen, lassen sich die Nachrichten nach „http“ filtern.

Wer sich dann immer noch nicht an die 140 Zeichen halten will, kann sich einmal BigTweet genauer anschauen. Das Browser-Tool lässt sich einfach jederzeit während des Surfens öffnen, um einen Tweet an Twitter zu senden. Praktisch: Die Tweet-Länge liegt hier bei 280 Zeichen. Das Splitten des Posts übernimmt BigTweet für Sie.

Ein weiteres nützliches Tool ist TwitterFeed, mit dem Sie RSS-Feeds automatisch in Ihren Twitter-Account einbinden können. Warum? So werden Ihre Follower beispielsweise informiert, wenn Sie einen neuen Blogeintrag geschrieben oder einen Artikel veröffentlicht haben.

Mit TweetBeep können Sie sich benachrichtigen lassen, sobald über Sie oder Ihr Unternehmen getwittert wird. Das Programm ähnelt in seiner Funktionsweise dem bekannten Google Alerts. Geben Sie Ihre Suchbegriffe ein und Sie werden auf Wunsch stündlich benachrichtigt.

Suchen und Finden in Twitter

Wer im Twitter-System suchen will, kann das auf mehrere Weisen tun. Zum einen über Twitter Search, die hauseigene Suche. Eine weitere Möglichkeit ist die Blogsuchmaschine Twingly. Mit dem Firefox-Addon Power Twitter kann außerdem in den Updates einzelner Twitterer nach Begriffen gesucht werden.

Bei Tweepsearch kann sich der User die Biografien seiner Follower (oder der anderer Leute) anzeigen lassen. So lässt sich das digitale Gegenüber nicht nur durchleuchten, sondern auch gezielt nach Stichworten in den Angaben der anderen Twitterer suchen. So stößt man mit etwas Glück auf Gleichgesinnte oder Journalisten aus der Gegend.

Ähnliche Suchfunktionen bietet Twellow. Mit diesem Tool lassen sich Suchbegriffe kombinieren. Während bei Tweepsearch nur der Inhalt der Biografie angezeigt wird, bezieht Twellow auch den Standort des Nutzers in die Suche ein. Damit lässt sich eine Recherche sinnvoll eingrenzen.

Recht neu auf dem Markt der Twitter-Applikationen ist WeFollow, ein selbst ernanntes Twitter-Verzeichnis. Es listet Twitter-User nach Kategorien wie Fernsehen, Wirtschaft und Musik und rankt sie in Unterkategorien wiederum nach Beliebtheit. So kommt die Ellen deGeneres Show auf stolze 1.396.415 Follower. Über WeFollow lassen sich aber dank einer Suchfunktion auch neue Kontakte finden. Deswegen lohnt es, sich selbst bei WeFollow mit drei Hashtags selbst zu beschreiben und in die Datenbank einzutragen.

Womit twittern?

Natürlich können Sie sich jederzeit bei Twitter.com einloggen und auf Ihrer personalisierbaren Homepage twittern. Als vielseitigster Client hat sich allerdings Thwirl bewiesen. Neue Tweets werden nach dem Einloggen in bester Tickermanier im unteren Bildrand eingeblendet. Firefox-User sollten TwitterFox verwenden. Es funktioniert ähnlich wie der GoogleNotifier und erzeugt im Browser rechts unten eine keine blaue Anzeige, mit dem man über das Gezwitscher seiner Follower und Freunde informiert bleibt.

Iphone-User sollten sich Twittelator genauer anschauen. Das Tool kann kostenlos im Appstore heruntergeladen werden. Beim Schreiben eines Tweets lassen sich sogar die aktuelle Position und ein Foto hinzufügen. Das Pendant für das Blackberry nennt sich TwitterBerry und funktioniert ab BlackBerry OS-Version 4.1.

Wenn Sie lieber auf eine Third-Party Software wie Twitterberry verzichten möchten, bietet twitter.com auch die Möglichkeit, über das mobile Twitter-Portal zu zwitschern. Surfen Sie dazu am BlackBerry einfach auf m.twitter.com. Aber auch Besitzer eines „normalen Handys“ dürfen am Twitter-Wahn teilhaben. Cellity leitet nach der Erstellung eines Kontos SMS an Ihren Twitter-Account weiter.

Kaufen und Verkaufen über Twitter

Mit tazaar können Sie Twitter sogar als Handelsplattform nutzen. Das Mashup für Kleinanzeigen vereinfacht das Kaufen und Verkaufen über Twitter. Durch die Benutzung von sogenannten Hashtags für #wtb („want to buy“) und #wts („want to sell“) werden von Twitter-Nutzern gesendete Tweets bei tazaar automatisch zu Kleinanzeigen. tazaar sucht nach mit den Hashtags #wtb und #wts versehenen Tweets und listet sie auf der Website http://www.tazaar.com. Auf der Site können Nutzer die Angebote und Gesuche nach Stichwörtern und populären Themendurchsuchen, selbst Kleinanzeigen aufgeben und direkt mit anderen Inserenten per Twitter Kontakt aufnehmen. Einzige Voraussetzung zur
Nutzung von tazaar ist ein Twitter-Account.

Twitter-Tools, die sie nicht brauchen, die aber trotzdem Spaß machen

Wer einfach zu viel Zeit hat oder sich die Twitter-Welt aus sicherer Entfernung ansehen möchte, kann mit Twittervision Nachmittage am Bildschirm damit verbringen, Usern weltweit beim Zwitschern zuzuschauen. Das Programm visualisiert in Echtzeit eingehende Twitter-Feeds und lokalisiert sie wahlweise auf einem Globus oder einer Weltkarte.

Auch interessant anzuschauen, aber ohne wirklichen Mehrwert, ist der Network Browser. Mit dem Twitter Friends Network Browser visualisiert man sein eigenes Netzwerk oder das von anderen. So können Sie nachvollziehen, wen und wie viele Personen Sie in der zweiten oder dritten Bekanntheitsebene kennen, um sie dann im nächsten Schritt kennenzulernen. Und genau dazu sind soziale Netzwerke da.

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