Neue Sparrunde bei G+J: 70 Jobs weg?

Unruhe am Baumwall: Nur wenige Tage nach der glanzvollen Gala zur Verleihung des Henri Nannen-Preises bereitet sich das Management von Gruner + Jahr auf die nächste einschneidende Sparrunde vor. Entschieden ist noch nichts, doch soviel scheint gewiss: Nach der brachialen Neuaufstellung der Wirtschaftsmedien wird es innerhalb weniger Monate erneut zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Rund 70 Stellen soll allein die Restrukturierung des Marketingsektors kosten, auch Redakteure müssen bangen.

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Nach der Kostensenkung ist vor der Kostensenkung, oder: das verflixte Medienjahr 2009. Auch wenn der Hamburger Traditionsverlag erst vor kurzem drastische Maßnahmen verfügte, bleibt es dem Management nicht erspart, erneut über Reduzierungen zu brüten. Nachdem im Haus spürbar wurde, dass es zu weiteren Kürzungen kommen könnte und der „Kontakter“ über geplante radikale Umstellungen im Marketingbreich berichtet hatte, gab der Vorstand eine interne Erklärung an die Mitarbeiter heraus: „Es ist richtig, dass sich die Geschäftsführung im Kontext der aktuellen Markt- und Umsatzsituation derzeit mit Veränderungen in der gesamten Organisation beschäftigt.“ Und: „Grundsätzlich stehen wir kontinuierlich in der Pflicht, Strukturen, Prozesse und Kosten sorgfältig zu überprüfen. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation gilt dies insbesondere.“
Zu diesem etwas säuerlichen Statement beigetragen haben dürfte ein G+J-Topmanager: Vorstand Thorsten-Jörn Klein hatte in London bei einem Wirtschaftsmeeting erklärt, der Verlag rechne für das laufende Jahr mit einem Gewinneinbruch von 8 bis 10 Prozent gegenüber dem schon schwachen Jahr 2008 auf rund 200 Millionen Euro. Kleins Pech: Reuters-Reporterin Nicola Leske (Ex-Frau von Ex-Außenminister Joschka Fischer) schrieb darüber einen Artikel, dessen Message im Hamburger Führungsturm nicht gerade Begeisterungsstürme entfachte.

Klartext der Spar-Verhandlungen hinter verschlossenen Türen jedenfalls: Die Vermarktung soll zentralisiert und konsequent auf eine verzahnte gemeinsame Print- und Online-Ausrichtung umgestaltet werden. Dies ist in den meisten Großverlagen bereits geschehen oder beschlossen. Bei Gruner + Jahr würde dies bedeuten, dass im Minimum um die 70 von derzeit 250 Jobs gestrichen würden. Dies zumindest ist die wahrscheinlichste der diskutierten Varianten. Andere Spekulationen gehen sogar von dreistelligen Zahlen beim Stellenabbau aus.

Zugleich wird auch der Redaktionsbereich intensiv auf den Prüfstand gestellt. Sicher scheint: Weder beim „Stern“ noch bei der GEO-Gruppe wird es Entlassungen geben. Doch alle anderen Objekte sind offenbar nicht „safe“. Auch die Einstellung von einzelnen Titeln ist eine Option, die Insider für nicht unwahrscheinlich halten. An vorderster Front der gefährdeten Arten stehen die Magazine, die schon im vergangenen Herbst als Einstellungskandidaten gehandelt wurden. MEEDIA verzichtet bewusst darauf, diese hier erneut aufzulisten. Denn wie gesagt: Beschlossen ist noch nichts.

Bei der Aufsichtsratssitzung Ende Juni soll das Gesellschafter-Gremium die vom G+J-Vorstand vorgeschlagenen Maßnahmen abnicken. Diese könnten dann zum Ende des dritten Quartals umgesetzt werden. Es gilt als extrem unwahrscheinlich, dass Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann sich der neuerlichen Kostenschraube verweigern wird, sofern G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz sie mit einer dringenden Empfehlung präsentieren wird. Die Konzernmutter muss schließlich selbst an allen Ecken und Enden sparen.

Mit dem massiven Downgrading der Ausgaben ist Gruner + Jahr nicht allein. Auch in anderen Medienhäusern werden derzeit Sparszenarien entwickelt, die noch vor ein oder zwei Jahren undenkbar gewesen wären. Grund ist sind die weiterhin eklatanten Einbrüche im Anzeigengeschäft. Nachdem auch im zweiten Quartal keine Belebung einzutreten scheint, befürchten die Vorstände der Großverlage, dass die Krise voll auf den Verbrauchermarkt durchschlagen könnte.

Dies würde der Krise eine neue Negativqualität bescheren. Die Indizes von der Anzeigenfront sind vielerorts niederschmetternd. Ein Branchen-Insider zu MEEDIA: „Aus dem Sturm wird gerade ein Orkan.“ Der in diesen Tagen hektische Handel mit Springer-Aktien ist ein deutliches Signal, dass Gruner + Jahr mit der neuerlichen Kostenrunde alles andere ist als ein Einzelfall.

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