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Bertelsmann im Griff der Krise

Chef eines Medienkonzerns zu sein, ist in diesen Tagen eine herausfordernde Aufgabe. Im 1. Quartal des Jahres muss Bertelsmann-Boss Hartmut Ostrowski einen dicken Verlust von 78 Millionen Euro in seiner Bilanz verkraften. Der Umsatz gab von 3,8 auf 3,5 Milliarden Euro nach. Das operative Ergebnis brach von 253 auf 115 Millionen Euro ein. In Ermangelung von Wachstumsperspektiven soll das Jahresergebnis nun vor allem mit drastischen Sparmaßnahmen halbwegs gerettet werden.

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Die Bertelsmänner bauen schon mal vor: „Bertelsmann geht weiterhin davon aus, dass die weltweite Wirtschaftskrise die konjunkturelle Entwicklung und damit auch die Geschäftsaussichten des Unternehmens belasten wird“, heißt es in der Mitteilung zu den aktuellen Unternehmenszahlen. Kürzlich hatte Bertelsmann-Chef Ostrowski in einem „FAZ“-Interview zwar einen operativen Verlust für das Gesamtjahr ausgeschlossen. Aber er sagte auch: „Unter dem Strich kann ich die Hand aber nicht ins Feuer legen.“ Die Bilanz des 1. Quartals ist da kein gutes Omen. Im Vorjahreszeitraum hatte Bertelsmann noch 35 Millionen Euro verdient.

Mehrere hundert Millionen wolle und müsse man einsparen, kündigte Ostrowski an. Spätestens mit Vorlage der aktuellen Zahlen weiß man, warum. Der Konzern befindet sich überall im Rückwärtsgang. Und er befindet sich in massiver Abhängigkeit vom Haupt-Erlös- und Ertragsbringer, der RTL Group, die gerade erst schlechte Zahlen vorgelegt hat. Der Gewinn im Free-TV-Geschäft brach im 1. Quartal um krachende 54 Prozent ein.

Und weit und breit nichts, was die fehlenden Gelder der Cash-Kuh RTL ausgleichen könnte. Beim Zeitschriftenriesen Gruner + Jahr befindet man sich ebenfalls in angespannter Lage und versucht, die Kosten mit fortschreitender Zentralisierung in den Griff zu bekommen. Die gemeinsame Wirtschaftsredaktion von „FTD“, „Capital“ und Co. war da offenbar erst der Anfang. Nun hat der Verlag alle „Brigitte“-Titel in einer Redaktion zusammengefasst. Weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen.

„Positive Impulse“ sieht man bei Bertelsmann im Service-Geschäft. Laut Unternehmensmitteilung werde eine „steigende Nachfrage nach Outsourcing-Dienstleistungen verzeichnet“. Wo diese Nachfrage konkret verortet sein soll, bleibt indes unklar. So gilt das mit einigen Hoffnungen gestartete Pilotprojekt von Bertelsmanns Dienstleistungs-Sparte Arvato in Würzburg mittlerweile als veritabler Flop. Laut „Focus“ sei von den erhofften Einsparungen in Höhe von rund 28 Millionen Euro im Würzburger Stadtsäckel bisher nichts zu sehen, Anschlussprojekte – bislang Fehlanzeige.

In Ermangelung eines echten Wachstumsgeschäfts bleibt Bertelsmann also bis auf weiteres nichts anderes übrig, als sich durch die Krise zu sparen, zumal der ohnehin schon bedrückend hohe Schuldenstand auf 6,7 Milliarden Euro weiter angestiegen ist. Bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Für tatendurstige Manager keine erbauliche Perspektive.

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