Zeitungsretter Kindle? Keep dreaming!

Wenn man ums Überleben kämpft, greift man verständlicher Weise nach jedem Strohhalm...
Unter diesem Motto scheint des Verhalten der US-Verlage im Zusammenhang mit Amazons neuem Kindle DX („dx „steht für „deluxe“) zu stehen. Im Sommer kommt der vermeintliche Wunder-Reader auf den Markt, und jetzt schon wird er als möglicher Retter der Zeitungsbranche gepriesen. Einige Gründe sprechen jedoch dafür, dass sich es bei diesen Hoffnungen mehr um unrealistisches Wunschdenken vieler US-Verlagsmanager handelt.

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Wenn man ums Überleben kämpft, greift man verständlicher Weise nach jedem Strohhalm…
Unter diesem Motto scheint des Verhalten der US-Verlage im Zusammenhang mit Amazons neuem Kindle DX („dx „steht für „deluxe“) zu stehen. Im Sommer kommt der vermeintliche Wunder-Reader auf den Markt, und jetzt schon wird er als möglicher Retter der Zeitungsbranche gepriesen. Einige Gründe sprechen jedoch dafür, dass sich es bei diesen Hoffnungen mehr um unrealistisches Wunschdenken vieler US-Verlagsmanager handelt.

Sicher, die Bildschirmdiagonale des Amazon E-Book-Readers ist von 6 auf 9,7 Zoll (24,6 cm) gewachsen, man kann damit also ein bisschen mehr von einer Zeitungsseite sehen als bei dem sehr kleinen Vorgänger-Model. Und natürlich könnten die Verlage, wenn sich der Kindle durchsetzen würde, auf den teuren Druck und den aufwändigen Vertrieb ihrer Zeitungen verzichten. Sie könnten also richtig viel Geld sparen.

Aber – und das ist der entscheidende Punkt – die Konsumenten müssen mitspielen. Und es gibt viele Gründe, warum sie es nicht tun werden:.

• Eine Zeitung auf dem Kindle wirkt monoton, grau und unattraktiv. Ein Layout, das die Artikel interessant und spannend macht, findet praktisch nicht statt. Die Fotos sind (noch immer) schwarz/weiß und auf dem matten E-Ink-Untergrund nur schwer zu erkennen. Kurz, auf Kindle kommt überhaupt kein Zeitungsgefühl auf.

• Während man eine Zeitung schnell handhaben, umschlagen und überblicken kann, ist das Navigieren mit dem Kindle schwierig. Man muss sich dort seine Zeitung mühsam erarbeiten. Eine Website auf dem Computer ist deutlich einfacher zu bedienen als eine Zeitung auf dem Kindle.

• Und dann kostet das Gerät fast 500 Dollar! Natürlich können und werden es die Verlage mit einem Zeitungsabo subventioniert (wobei Amazon in einem Anfall von Wahnsinn von den Verlagen 70% der Zeitungserlöse verlangt!). Aber wer möchte neben Fernseher, Computer/Notebook, Handy und Digitalkamera zuhause noch ein zusätzliches Gerät haben, das sich praktisch nur zum Lesen eignet? 

Viele, die Jeff Bezos Vision von der „paperless society“ übernehmen, haben sich vermutlich nie die Mühe gemacht, einmal eine Zeitung auf dem Kindle zu lesen. Wer das wie ich getan hat, verliert schnell den Glauben an dieses Gerät.

Die „New York Times“, die „Boston Globe“ und die „Washington Post“ werden in Kürze Lesern, die außerhalb des Zustellungsgebietes ihrer Zeitung leben, den neuen Kindle im Rahmen eines Pilotprogramms samt Zeitungsabo anbieten. Ich möchte wetten, das wird ein gewaltiger Flop!

Zeitungen auf dem Kindle sind nämlich kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Wenn jahrzehntelang Zeitungslesen nur auf dem Kindle möglich gewesen wäre und jetzt würde jemand erstmals Zeitungen auf Papier drucken, man würde das Papier als eine grandiose Erfindung feiern! Zeitungslesen auf dem Kindle ist etwa so, als wenn man nach Einführung von High-Definition TV noch alte schwarz-weiß Fernseher verkaufen wollte.

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