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WAZ will raus aus Österreich

Der zermürbende Kleinkrieg zwischen der Essener WAZ-Gruppe und ihrem Mitgesellschafter bei der österreichischen „Kronen-Zeitung“, Hans Dichand, nähert sich endgültig einem Ende. Die WAZ und der greise „Krone“-Patriarch Dichand sind des Kampfes müde. Die WAZ will ihre 50-Prozent an der „Krone“ laut „FTD“ verkaufen, es geht nur noch um den Preis. Beide Parteien hatten sich jahrelang gerichtliche und verbale Schlammschlachten geliefert, inklusive Mafia-Vorwürfen und Videoüberwachungen.

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Der Streit zwischen WAZ und „Krone“ gipfelte, als Hans Dichands Sohn Michael 2003 der WAZ bei ihren Balkan-Geschäfte eine Nähe zur organisierten Kriminalität unterstellte. Aussagen, die Dichand jr. später gerichtlich verboten wurden. Umgekehrt wurde der WAZ-Gruppe verboten, Dichand jr. mit Videokameras zu überwachen. Mal drohte die eine Seite, die andere „wirtschaftlich zu ruinieren“ (angeblich die WAZ zu den Dichands), mal tönte die andere Seite, man habe „20.000 Seiten belastendes Material gesammelt“ (die Dichands zur WAZ).

Woher kam dieser Hass? 1987 holte Hans Dichand die WAZ mit 50 Prozent bei der hoch profitablen „Kronen-Zeitung“ ins Boot, um seinen damals ungeliebten Partner Kurt Falk auszuzahlen. Die „Krone“ ist ein Unikum in der internationalen Presselandschaft. Mit über 40 Prozent Reichweite in Österreich kann das Blatt die Meinung der Massen in der Alpenrepublik beeinflussen wie kaum ein anderes Medium in irgendeinem Land. Wichtiger noch für die WAZ: die oft extrem populistisch agierende „Kronen-Zeitung“ war bekannt, zuverlässig Traum-Renditen abzuwerfen.

Als sich Mr. „Krone“, Hans Dichand aus der operativen Blattführung zurückziehen wollte, setzte er gemäß einer Erb-Monarchie, seinen Sohn Christoph als Chefredakteur ein. Bei der WAZ war man nicht amüsiert, um das Mindeste zu sagen. Ein jahrelanger Rechtsstreit, die wiederholte Anrufungen von Schweizer Schiedsgerichten, gegenseitige Vorwürfe und Hass-Tiraden waren die Folge. Die WAZ setzte mit Michael Kuhn einen „Gegen“-Chefredakteur ein. Der wurde vom alten Dichand rausgeworfen, bekam Hausverbot und kam mit einem Besucherausweis dann doch wieder rein usw.

Die Kontrahenten wurden allerdings mit den Jahren langsam müde. Hans Dichand ist mittlerweile 88 Jahre alt. Zum Erlahmen des Kampfes um die „Krone“ beigetragen hat auch, dass es seit 2006 mit der Boulevardzeitung „Österreich“ von Wolfgang Fellner eine agile Konkurrenz am Markt gibt. Hans Dichand verfügt über einen komfortablen Vertrag, der ihm üppige Vorabgewinnausschüttungen garantiert. Dazu der aktuelle Spardruck bei der WAZ-Gruppe und die Konkurrenz durch „Österreich“. Die Pressebarone aus dem Ruhrgebiet haben offenbar die Lust am Zeitungsgeschäft in der Alpenrepublik verloren.

Angeblich fordern sie von Dichand 250 Millionen Euro für ihre Hälfte an der „Krone“. Bezahlt haben sie 1987 angeblich 160 Mio. Euro. Wahrscheinlich wird man sich irgendwo in der Mitte treffen. Laut „FTD“ will die WAZ-Gruppe auch aus ihrer zweiten österreichischen Beteiligung beim „Wiener Kurier“ aussteigen. Bei der „Krone“ haben sich die kampfesmüden Streithähne bereits Ende 2007 auf einen neuen Gesellschaftervertrag geeinigt, der den Dichands die redaktionelle und der WAZ die verlegerische Hoheit zusicherte. Nun steht im WAZ-„Krone“-Streit das endgültig letzte Kapitel bevor. Die Verhandlungen auf WAZ-Seite führt der noch relativ neue Geschäftsführer Christian Nienhaus. Beste Voraussetzungen für einen Deal: Der kühle Kaufmann hat das Wiener Blut der Dichands bislang noch nicht in Wallung gebracht.

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