Warum Verlage besser dran sind als Mobilfunker – und Journalisten am besten!

Verlage, zumal Zeitungs-Verlage, jammern in diesen Tagen ziemlich rum. Das alte Geschäftsmodell bricht weg, Anzeigen versiegen wegen der Wirtschaftskrise oder wandern ins Internet ab. Die Auflagen bröckeln ebenfalls wegen diesem blöden Internet-Dings. Dabei haben Verlage im Vergleich zu, sagen wir mal, Mobilfunkunternehmen, einen riesigen Vorteil: Sie haben Inhalte! Aktuell schreckt die Meldung auf, dass Vodafone […]

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Verlage, zumal Zeitungs-Verlage, jammern in diesen Tagen ziemlich rum. Das alte Geschäftsmodell bricht weg, Anzeigen versiegen wegen der Wirtschaftskrise oder wandern ins Internet ab. Die Auflagen bröckeln ebenfalls wegen diesem blöden Internet-Dings. Dabei haben Verlage im Vergleich zu, sagen wir mal, Mobilfunkunternehmen, einen riesigen Vorteil: Sie haben Inhalte!

Aktuell schreckt die Meldung auf, dass Vodafone und T-Mobile den Vertrieb des Nokia N97 Handys blockieren, weil da die Internet-Telefonie- und Messaging-Software Skype vorinstalliert ist. „Wir lassen uns doch nicht das Geschäft kaputt machen“, zitiert die „Welt“ einen nicht namentlich genannten T-Mobile-Mann. In der Tat ist es offenbar so, dass die Mobilfunker für Skype ziemliche Angst haben. Zu Recht! Das Brot-und-Butter-Geschäft der Mobilfunker ist immer noch die nach Minuten getaktete Abrechnung von Handy-Telefonaten. Mittlerweile gibt es zwar haufenweise Flatrates, die gelten aber fast immer nur zu Festnetzen und innerhalb des eigenen Netzes. Telefoniert der Nutzer zu einem Mobil-Anschluss eines anderes Netzes, was ja häufig vorkommt, klingelt es nach wie vor in der Kasse. Ebenso bei Auslandsgesprächen, obwohl die allerschlimmsten Abzock-Auswüchse hier durch EU-Regulierung bereits gemildert wurden.

Aber jetzt stelle man sich mal vor, man könnte mit Hilfe einer mobilen Online-Flatrate ungebremst via Skype telefonieren. Plötzlich würde sich der Umsatz der Mobilfunker auf diese eine Flatrate reduzieren. Im Prinzip braucht man ja gar keine konventionell übermittelte Sprach-Telefonie mehr über das Handy. Vorausgesetzt, man bewegt sich in Regionen, die technisch für mobile Highspeed-Internetverbindungen aufgerüstet sind. Noch besser wäre natürlich, es gäbe irgendwann flächendeckendes WLAN. Dann wären Mobilfunkunternehmen auf einen Schlag komplett überflüssig.

Die neuen technischen Möglichkeiten der Online-Telefonie entlarven die althergebrachten Geschäftspraktiken der Mobilfunker zunehmend als digitale Wegelagerei. Sobald Skype ungehindert genutzt werden kann, ist es in Sachen Bedienungs-Komfort den bisherigen Handys haushoch überlegen. Man kann sich Textbotschaften und Dateien schicken, man sieht, wer von den eigenen Kontakten online ist, man kann Video-Telefonate erledigen. Alles ganz problemlos und mit hoher Bedienfreundlichkeit. An der Nutzbarkeit von Skype könnte sich manches Mobilfunk-Unternehmen eine Scheibe abschneiden. Dort war man aber zu lange damit beschäftig, undurchsichtige Tarif-Strukturen zu etablieren, um der Kundschaft möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Dass sich Vodafone und T-Mobile nun gegen die Verbreitung von Skype auf Handys wehren, kann man getrost als Rückzugsgefechte interpretieren. Die Mobilfunker werden den Siegeszug der Internet-Telefonie auf Handys nicht aufhalten können. Mobilfunk- und Internet-Anbieter werden wohl künftig zusammenwachsen und es wird einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb geben. Da das Internet nach und nach die Möglichkeiten eliminiert, umsatzträchtige Oligopole zu betreiben, ist im Geschäft mit der Kommunikations-Infrastruktur in Zukunft einfach zu wenig Geld drin für die ganzen Firmen, die sich derzeit noch dort tummeln.

Auf diese Weise bedroht das Internet ganz ähnlich wie bei Verlagen auch das Geschäftsmodell der Mobilfunker. Und dass, obwohl es sich um zwei völlig unterschiedliche Branchen handelt. Mit ihren Inhalten haben die Verlage aber den ultimativen Trumpf in der Hand. Das Internet ist toll, um Inhalte und Dateien zu vertreiben, zu präsentieren und zu verknüpfen. Herstellen können die attraktiven Inhalte aber nur Menschen. Verlage sollten sich darum darauf besinnen, ihre Mitarbeiter pfleglich zu behandeln und neue, populäre Hersteller von Inhalten (vulgo: Autoren, Journalisten, Blogger, Regisseure etc.) an sich zu binden. In Zukunft wird es wahrscheinlich so sei, dass die Verlage ihre Inhalte erstellenden Mitarbeiter mehr brauchen als umgekehrt. Der Mensch ist schließlich der einzig wahre Content-Provider.

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