Verkauft Springer „Jolie“ an Marquard?

Vor knapp zwei Wochen dementierte Marquard-Geschäftsführer Albrecht Hengstenberg Branchengerüchte um einen Verkauf der Frauen-Titel („Cosmopolitan“, Joy“) an Axel Springer. Dies stimmt, aber: Umgekehrt könnte ein Schuh draus werden. Wie MEEDIA erfuhr, verhandelt Springers Münchner Verlagschef Moritz von Laffert mit Hengstenberg über eine Übernahme des jungen Frauentitels durch den Schweizer Verleger Jürg Marquard. Ob und wann dies zu einem Besitzerwechsel führt, scheint gegenwärtig offen.

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Vor knapp zwei Wochen dementierte Marquard-Geschäftsführer Albrecht Hengstenberg Branchengerüchte um einen Verkauf der Frauen-Titel („Cosmopolitan“, Joy“) an Axel Springer. Dies stimmt, aber: Umgekehrt könnte ein Schuh draus werden. Wie MEEDIA erfuhr, verhandelt Springers Münchner Verlagschef Moritz von Laffert mit Hengstenberg über eine Übernahme des jungen Frauentitels durch den Schweizer Verleger Jürg Marquard. Ob und wann dies zu einem Besitzerwechsel führt, scheint gegenwärtig offen.
Auf MEEDIA-Anfrage erklärte Springer-Sprecher Dirk Meyer-Bosse lediglich: „Zu Marktspekulationen nehmen wir grundsätzlich nicht Stellung.“ Insidern ist es jedoch nicht entgangen, dass „Jolie“ in den vergangenen Monaten als Übernahmekandidat im Gespräch ist. Offensichtlich gab und gibt es mehrere Interessenten, unter ihnen auch die MVG Medien Verlagsgesellschaft in München. Für den deutschen Marquard-Satelliten und seinen Geschäftsführer Hengstenberg würde ein Kauf der wirtschaftlich nicht unattraktiven „Jolie“ zur Ergänzung und Stärkung der eigenen Frauentitel durchaus Sinn machen. Eine konzertiertes Vermarktungstandem mit „Joy“ würde interessante Perspektiven eröffnen.
„Jolie“, 2003 an den Start gegangen, verkaufte sich auf Anhieb recht gut. Die erste IVW-Meldung fand im vierten Quartal 2003 statt – mit 362.342 an die Frau gebrachten Heften. Bis 2005 wurde das Niveau weitgehend gehalten, im dritten Quartal 2005 gab es sogar den bis heute unübertroffenen Rekordwert von 440.147 verkauften Exemplaren – 432.679 davon im Einzelverkauf. Seit Ende 2007 sind die Zeiten für das Magazin etwas schwerer geworden. Im vierten Quartal 2007 sackte die verkaufte Auflage erstmals unter die 300.000er-Marke – auf 270.757 Stück. Im Einzelverkauf schaffte „Jolie“ bis heute nicht mehr den Sprung zurück über die 300.000 – im ersten Quartal 2009 halfen nur unterstützende sonstige Verkäufe, die Auflage auf 337.809 zu pushen. Im Segment der monatlichen Frauenzeitschriften belegt „Jolie“ derzeit Platz 4 hinter „InStyle“, „Glamour“ und „Joy“. Im Jahr 2009 druckte „Jolie“ zwischen Januar und April laut ZAS 140 Seiten Werbung – haargenau so viele wie im Vorjahreszeitraum. In Zeigen der großen Anzeigenkrise durchaus ein Erfolg für Springers Young Media-Unit.
Das Treffen der Münchner Statthalter Laffert und Hengstenberg war zunächst dahingehend gedeutet worden, dass der Schweizer Verlag seine deutschen Titel an Springer veräußern wollte. Hengstenberg hatte dem heftig widersprochen und dabei das tatsächliche Dreiecksverhältnis bereits angedeutet: Die MVG sei auf der Suche nach „wirtschaftlich sinnvollen Ergänzungen des Portfolios“. Seinerzeit war Marquard wegen der zuvor beschlossenen Einstellung des Männertitels „Maxim“ in der Defensive.
Die neuerliche Spekulation, die auf gewöhnlich bestens informierte Kreise zurückgeht, zeigt aber auch, wie volatil die Branche derzeit ist. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass es zu Meldungen oder Mutmaßungen über weitere Umstrukturierungen, Verkäufe oder Kostensenkungsmaßnahmen kommt. Der Springer Verlag, dessen Vorstandschef Mathias Döpfner erst kürzlich eine Expansionsstrategie gegen den Krisentrend ausrief, würde sich mit einem „Jolie“-Verkauf dagegen erneut verschlanken.

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