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Skype-Blockade: Telekom im Visier der EU

Nokias neuster Coup stößt bei deutschen Netzbetreibern auf Widerstand. Eine Kooperation zwischen Nokia und Skype soll Nokia-Kunden VoIP-Telefonie ermöglichen. Als erster Anbieter will der Handy-Weltmarktführer das Programm Skype auf seinen Geräten vorinstallieren. T-Mobile reagiert empfindlich und nimmt das neueste Nokia-Modell N97 aus dem Sortiment. Auch andere Netzbetreiber signalisieren Ablehnung. Unterstützung bekommt Nokia nun von der EU-Medien-Kommission.

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EU-Kommissarin Viviane Reding sagte der „Welt“, sie verstehe Internet-Telefonie als technologischen Erfolg, den man in Europa nachdrücklich fördere. Daher fordert sie „alle Regulierungsstellen auf, gegen Unternehmen rechtlich vorzugehen, die unter Ausnutzung ihrer Marktmacht innovative Dienste ausbremsen wollen.“

Ein entsprechender Erlass hätte weitreichende Folgen für die deutsche Mobilfunk-Landschaft. Trotz diverser Flatrate-Verträge zählen Gesprächsgebühren für Telekom und Co. immer noch zum Brot-und-Butter-Geschäft. VoIP-Telefonie hingegen wäre praktisch kostenlos. Telefongespräche unter Skype-Usern sind umsonst, für Anrufe ins Festnetz erhebt der VoIP-Anbieter eine Gebühr von 2 Cent pro Minute – ein Bruchteil im Vergleich zu aktuellen Mobilfunk-Preisen.

T-Mobile begründete bisher seine Blockadehaltung mit „Servicequalität“. Gegenüber MEEDIA betonte Pressesprecher Alexander v. Schmettow im April: „Die Belastung durch VoIP würde im Mobilfunknetz zu deutlichen Performanceschwankungen führen.“ Außerdem empfinde der Kunde ein „schlechtes Qualitätserlebnis beim VoIP-Telefonieren“.

„Am Ende der Diskussion wirds nochmal lustig“ kommentierte Blogger Felix Schwenzel den Next-Auftritt von Telekom-Manager Raimund Schmolze. „Er behauptet, T-Mobile blockiere Skype, weil man die Übertragungsqualität des Dienstes nicht garantieren könnte. Der halbe Saal lacht.“

Dass Kundenfreundlichkeit nicht die primäre Entscheidungsgrundlage ist, bestätigte vergangene Woche Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges gegenüber dem Springer-Blatt. „Wir können es uns nicht leisten, erst das Netz aufzubauen, um dann den mit Sprachtelefonie erwirtschafteten Durchschnittsumsatz pro Nutzer fallen zu sehen.“

Der Einwurf der EU-Kommission macht es deutlich. Mobiles Telefonieren wird sukzessive mit Web-Technologie verschmelzen. Ein Vodafone-Sprecher bestätigte der „Welt“: „Wir werden unsere Tarife in den nächsten Wochen öffnen.“ Auch die Telekom wird sich dem Trend wohl kaum verschließen.

Die europäische Unterstützung könnte Nokia also den Weg ebnen, wichtigen Boden auf Apples iPhone gut machen. Das unter Lizenz von T-Mobile vertriebene iPhone unterstützt Skype – allerdings nur den Skpye-Messaging-Dienst. Auch hier wurde ursprünglich befürchtet, der Dienst würde der klassischen SMS Konkurrenz machen.

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