P7S1: Neuer Heuschreckenalarm

ProSiebenSat.1: Neue Besitzer, altes Lied? Die Unterföhringer Media AG könnte vor der Übernahme stehen. Wie der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner am Samstag im "Hamburger Abendblatt" schrieb, sind die drei US-Hedgefonds Octavian, Apollo Management und Avenue Capital an dem Medienkonzern interessiert. Das Konsortium stünde kurz vor der Übernahme der Levana Holding und hätte damit automatisch die Mehrheit an ProSiebenSat.1 inne - auch eine Zerschlagung sei vorstellbar.

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Renner gibt als Indiz für eine bevorstehende Veränderung der Gesellschafterstruktur die Vervierfachung des Werts der ProSiebenSat.1- Aktie seit dem 10. März an. Diese eröffnete zum Handelsstart am Montag mit 3,58 Euro. Als weiterer Hinweis könnte die Personal-Offensive bei Sat.1 herhalten. Mit großen Namen wie Christiansen, Aust, Pocher und Kerner hat sich der Sender publikumswirksame Promis für starke Formate in unterschiedlichen Bereichen eingekauft – trotz finanzieller Schieflage.

Vorstellbar ist, dass die beiden Heuschrecken KKR und Permira, die derzeit 56,7 Prozent des Grundkapitals der Sendergruppe halten, das Minusgeschäft einfach zu den interessierten Risikokapitalisten weiterschieben wollen. KKR hat seine Beteiligung bereits zu 90 Prozent abgeschrieben und versucht jetzt offenbar bis zu 730 Millionen Euro für eine Umschuldung einzusammeln.

Ob die neuen Besitzer – ihrerseits klassische Hedgefonds bzw. Investmentfirmen – das nötige Know-how mitbringen, um die Sendergruppe wieder auf die Beine zu stellen, ist fraglich. Immerhin: Zwei der drei US-Investoren haben bereits erste Erfahrungen im deutschen Markt gesammelt. Apollo ist an dem nordrheinwestwälisch/hessischen Kabelnetzbetreiber Unity beteiligt und Avenue war bis Februar 2009 noch Minderheitsgesellschafter bei Premiere Star.

Der dritte mögliche Käufer, Ocatvia Advisors, ist in Deutschland dagegen ein ziemlich unbeschriebenes Blatt – was allerdings nichts heißen muss, schätzen Beteiligungsgesellschaften doch traditionell vor allem eines: Verschwiegenheit. Die in New York ansässige Octavian firmiert als Wagniskapitalgesellschaft, die Alternative Investmentstrategien verfolgt – bei unkonventionellen Vermögensgegenständen, privaten Transaktionen, bei „besonderen Gelegenheiten“ und notleidenden Krediten.

Das klingt wie eine Blaupause für die hochverschuldete ProSiebenSat.1 AG. Verbindlichkeiten in Höhe von 3,4 Milliarden Euro haben das im MDax notierte Unternehmen an die Rande der Handlungsfähigkeit gebracht – allein die Bedienung der Schuldenlast verschlingt pro Jahr Zinszahlungen von mehr als 250 Millionen Euro.

ProSiebenSat.1 wird damit immer mehr zum Spielball der Kapitalmärkte. Alles andere als eine Wette auf eine mittelfristige Kapitalvermehrung werden auch die neuen Herren kaum verfolgen. Davon hat der Markt auch schon Wind bekommen und die ProSiebenSat.1-Aktie gerade in den letzten Tagen steil nach oben geschossen – bei deutlich steigenden Umsätzen.

Schließlich ist auch folgende Option denkbar: Nach einer erfolgreichen  Restrukturierung – oder vielleicht als Alternative zu den in der Politik nicht besonders gut gelittenen Heuschrecken könnte vielleicht doch ein nationaler Player zum Zuge kommen.
 
Seit längerem halten sich Spekulationen, dass der Axel Springer Konzern noch einen zweiten Anlauf für eine Übernahme starten wolle. Das Kartellamt hatte diesen Deal zwar Ende 2005 verhindert, soll diese Entscheidung aber angesichts des Schlingerkurses des TV-Unternehmens inzwischen bereuen. Für Springer kommt aber angeblich nur eine Übernahme von Sat.1 in Frage, war zugleich die Zerschlagung der AG zur folge hätte.

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