Umzug & Abgänge: Harte Zeiten für die dpa

Turbulente Tage für die dpa: Gestern stimmte der Aufsichtsrat der Zentralisierung des Apparats in Berlin zu, viele Mitarbeiter aus Hamburg und Frankfurt müssen umziehen oder gehen. Den Umzug wird noch der scheidende dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn organisieren. Sein Nachfolger Wolfgang Büchner darf dann den Neustart in Berlin ab 2010 verantworten. Womöglich mit zumindest einem Kunden weniger als heute. Die "HNA" der Ippen-Gruppe wird wohl bald ganz auf die Dienste der dpa verzichten.

Anzeige

Der dpa-Aufsichtsrat hatte erwartungsgemäß keine Einwände, die Redaktionen für Bild, Text, Audio, Video, Grafik und Internet in Berlin zu versammeln. Geschäftsführung und Chefredaktion hatten dieses Konzept als Weg zur Zukunftssicherung der Agentur präsentiert, die den wichtigsten deutschen Medienunternehmen gemeinsam gehört.

Damit steht vor allem die Bildredaktion aus Frankfurt am Main vor einem sicheren Umzug. Über die genaue Aufteilung zwischen der alten Zentrale Hamburg und dem künftigen Hauptstandort Berlin muss offenbar noch verhandelt werden. Der scheidende Chefredakteur Wilm Herlyn will den Umzug noch organisieren, parallel soll sein Nachfolger Wolfgang Büchner, offiziell noch „Spiegel Online“-Chefredakteur, am 1. Juli zunächst im Rang eines stellvertretenden Chefredakteurs anfangen.

Eventuell wird dann die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ („HNA“) schon nicht mehr zu den Kunden der dpa gehören. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert „HNA“-Chefredakteur Horst Seidenfaden: „Es geht auch ohne dpa, keine Frage.“ Die Tageszeitung aus Kassel hatte sechs Wochen testweise auf dpa-Material verzichtet; eine endgültige Entscheidung soll Mitte des Jahres fallen. Seidenfaden beklagte sich in der „SZ“ vor allem über den hessischen Landesdienst der dpa, der für seine Zeitung besonders wichtig sei. Für andere Zeitungen aus seiner Gruppe, wie den „Münchner Merkur“, hat Verleger Dirk Ippen eine Kündigung der dpa zunächst ausgeschlossen. Dies gelte aber nicht unbedingt für alle Zeit. „Hundertprozentig und für immer“ könne er den Ausstieg aus der dpa auch für seine gesamte Zeitungsgruppe nicht ausschließen.

Zu Jahresbeginn hatte der WAZ-Konzern als erster Großabnehmer (und Mitbesitzer) der Agentur gekündigt. „HNA“-Chef Seidenfaden befindet sich laut „SZ“ in Verhandlungen mit dem dpa-Konkurrenten Deutscher Depeschendienst (ddp): „Wir sind noch nicht ihr Kunde, die antichambrieren in diesen Tagen aber ohne Ende.“ Wie MEEDIA erfuhr, hat auch die „Bild“-Gruppe des Springer-Verlags neue Verträge mit ddp abgeschlossen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige