Chicago Now: Die Zeitungssite der Zukunft

Fast alle Verlagshäuser gehen im Web-Business in die Offensive, aber wie ein effektives Geschäftsmodell aussehen könnte, ist unklar. Am Dienstag berichtete MEEDIA über den Relaunch von Abendblatt.de. Unter Chefredakteur Claus Strunz soll das Regional-Portal für die Hamburger Zug um Zug ein „neues Tor zur Welt“ werden. Ein Blick in die USA dürfte für die Site-Architekten sehr lehrreich sein: In Obamas Heimatstadt wird bald „Chicago Now“ gelauncht – möglicherweise die Zeitungssite der Zukunft.

Anzeige

Fast alle Verlagshäuser gehen im Web-Business in die Offensive, aber wie ein effektives Geschäftsmodell aussehen könnte, ist unklar. Am Dienstag berichtete MEEDIA über den Relaunch von Abendblatt.de. Unter Chefredakteur Claus Strunz soll das Regional-Portal für die Hamburger Zug um Zug ein „neues Tor zur Welt“ werden. Ein Blick in die USA dürfte für die Site-Architekten sehr lehrreich sein: In Obamas Heimatstadt wird bald „Chicago Now“ gelauncht – möglicherweise die Zeitungssite der Zukunft.
Das Projekt ist intelligent und konsequent gedacht: Während viele Medienhäuser entweder bestehende Communities und damit Reichweite zukaufen ODER redaktionelle Angebote aus dem Newsroom online stellen, vereint das Konzept der „Chicago Tribune“ beides. Der Slogan „Huffington Post meets Facebook for Chicago“ zeigt den Weg, der dabei beschritten wird. Die HuffPost hat den Vorteil, dass sie mit extrem wenig Personal auskommt und im Grunde eine Ansammlung von (allerdings hochkarätigen) Blogs ist. Die im vergangenen Jahr gelaunchte Regionalsite HuffPost Chicago hat nur einen festen Mitarbeiter. Facebook als Social Media-Plattform generiert den Content ausschließlich durch Benutzer und ist damit von einem klassischen News-Angebot weit entfernt, hat aber den Vorteil, dass unzählige Nutzer einer definierten Region interessante Inhalte beitragen können.
Der entscheidende Punkt ist nun, diese Angebote, die sich im Prinzip konträr zum hergebrachten Medienbusiness entwickelt haben, mit dem redaktionellen News-Angebot und den Leser-Erwartungen an Tageszeitungen zu kombinieren. So wird die neue Website für Chicago eine Mischung aus Social Media, e-Commerce, Blogs, Nachrichten und Advertorials.
Bemerkenswert auch, dass die Macher Banner und Display Ads nicht mehr als vorrangige Einnahmequelle sehen. Die Haupterlöse sollen durch e-Commerce und Advertorials erzielt werden. Dies hat eine wichtige Konsequenz: Chicago Now fokussiert den lokalen Nutzer und wird damit für den lokalen Werbekunden attraktiv. Dabei gilt die Devise: Lieber 100 Dollar von 1000 Anzeigenkunden als 10.000 Dollar von einem Kunden.
Bei all dem setzt die „Chicago Tribune“, die im Web bislang Chicagotribune.com betreibt, auf Relevanz. So sollen Prominente, Sportstars oder stadtbekannte Radiomoderatoren der neuen Site ein Gesicht geben und sie von x-beliebigen Communities unterscheiden. Bis Ende des Jahres hofft man, 80 aufmerksamkeitsstarke Blogs auf der Seite einzubinden. Ein Video zeigt erste Screens und Hintergründe, und die Company verspricht: „Bislang hat kein Medienunternehmen jemals etwas geschaffen, das mit Chicago Now vergleichbar wäre.“ Vom Ansatz her scheint das nicht mal übertrieben.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige