Zu seriös: CNN verliert Zuschauer

Es gab eine Zeit, da CNN das Synonym für Nachrichten-TV in den USA war. Doch jetzt fiel Cable Network News in der Primetime nicht nur hinter den konservativen Murdoch-Kanal Fox News zurück, sondern sackte in der Zuschauergunst noch unter MSNBC und den eigenen News-Häppchen-Sender HLN auf Platz 4. Der Appetit der fernsehenden Mehrheit verlangt nicht nach journalistischem Hintergrund und Objektivität, sondern nach knapper Zusammenfassung und vor allem Meinung – und das liefern die Konkurrenten besser.

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Die aktuelle Situation ist widersprüchlich: CNN ist profitabel, der Sender konnte im Vergleich zum Vorjahr durchaus zulegen, für 2009 schätzt das Medienforschungs-Unternehmen SLN Kagan die Erträge (inklusive die des Schwestersenders HLN) auf 455 Millionen Dollar. Gleichzeitig aber verliert der ehemalige Marktführer seine Zuschauer. An 35 von 84 Wochenabenden im ersten Quartal 2009 belegte CNN nur noch den vierten Platz. Im April erreichte Fox News mit weitem Abstand vor den Konkurrenten durchschnittlich 668.000 Zuschauer, MSNBC schaffte 300.000, HLN – das ehemalige Headline News – kam auf 277.000, CNN auf 271.000.

Die Hauptursache für das schlechte Abschneiden von CNN sieht die „New York Times“ in der gesellschaftlichen Polarisierung, die mit Obamas Einigungs-Wahlkampf nicht etwa abgenommen hat. Im Gegenteil: Heute stimmen 88 Prozent der Wähler der Demokraten den Vorstellungen ihres neuen Präsidenten zu, aber nur 27 Prozent der Republikaner-Anhänger – ein „Meinungsgraben“, so die „FAZ“, „breit und tief wie nie zuvor“.

Dieser Kluft und dem Bedürfnis nach Orientierung werden Fox und MSNBC offenbar besser gerecht: Sie polarisieren weit stärker von der rechten beziehungsweise linken Perspektive als CNN, zu dessen journalistischem Selbstverständnis eine neutrale Position gehört. Doch am Feierarbeit wollen die US-Bürger offenbar etwas anderes als seriöse Hintergrund-Berichterstattung.

„Die Leute, die diese Sender sehen, sind News-Junkies. Sie haben schon den ganzen Tag lang im Internet die Schlagzeilen gelesen“, sagt MSNBC-President Phil Griffin. Nachrichtensender müssten deshalb „am Abend auffallen und für Aufsehen sorgen.“

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