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Wolf Schneider wird Video-Blogger

Der 83-jährige Zuchtmeister der deutschen Sprache, Wolf Schneider, geht unter die Video-Blogger. Ab Montag dem 4. Mai wird er einmal pro Monat bei sueddeutsche.de per Video-Kolumne Sprachpflege betreiben. „Speak Schneider“ heißt das neue Format, das dem Vernehmen nach bei "stern.de" abgelehnt wurde. Für sueddeutsche.de ist die Verpflichtung Schneiders ein Coup. Kaum jemand versteht es, so frisch, kenntnisreich und witzig über Sprache zu sprechen wie Schneider.

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Im Prinzip ist „Speak Schneider“ kein Format, das unbedingt nach Bewegtbild verlangen würde. Schneiders unermüdliche Kritik und Verbesserungswut richtet sich nämlich in erster Linie an die geschriebene Sprache. Wer die erste Folge seiner Video-Kolumne sieht, merkt aber gleich, dass das Prinzip hier nicht gilt. Schneider als Video ist nämlich noch besser als gedruckt. Eigentlich ist er bloß ein alter Mann vor einer Bücherwand. Aber zu sehen, wie seine Augen hellwach blitzen, wenn er feministische Auswüchse der Sprache geißelt, ist köstlich:

„Die Frauen sind in der Sprache benachteiligt, das ist schon richtig. Die Bäuerin, die Löwin und die Äffin stehen nun mal unter Bauer, Löwe und Affe im Lexikon. Aber wenn wir diese sprachliche Benachteiligung beseitigen wollen, kommen wir in Teufels Küche. In die Küche der Teufelin, dürfen wir übrigens auch sagen.“ Journalisten, Werber, Lehrer und Blogger sollen bald auch von Schneider sprachlich an die Kandare genommen werden. Wir dürfen uns drauf freuen. Einziger Kritikpunkt: Mit einer Minute und 20 Sekunden ist Schneiders Video-Auftritt eindeutig zu kurz geraten. Vielleicht spendiert ihm sueddeutsche .de in weiteren Folgen etwas mehr Sendezeit.

Schneider hat zahlreiche Bestseller geschrieben, darunter „Deutsch für Profis“, „Deutsch!“, „Glück!“ und „Der Mensch. Eine Karriere.“ Schneider verfasste außerdem „Die Gruner + Jahr Story“ und gemeinsam mit Paul-Josef Raue das „Handbuch des Journalismus“. Seine Karriere begann vor über 50 Jahren als Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“. Danach war er unter anderem Verlagsleiter des „stern“, Chefredakteur der „Welt“, Moderator der „NDR-Talkshow“ und Gründer und langjähriger Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule.

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