Bertelsmann: Sparen, Fusionen, Kurzarbeit

Die Medienkrise hat die Wachstumspläne von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski zunichte gemacht. Der Medienkonzern befindet sich im Rückwärtsgang. Im "FAZ"-Interview stimmte Ostrowski seine Belegschaft auf magere Zeiten ein. Mehrere hundert Millionen Euro müssen gespart werden, in einigen Konzernteilen steht Kurzarbeit an, für andere Segmente wird über Fusionen nachgedacht. Mitten in diesen schweren Zeiten soll sich laut "Spiegel" zudem Finanzchef Thomas Rabe auf dem Absprung befinden.

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Rabe galt auch schon als Kandidat für den Vorstandsposten bei der ProSiebenSat.1 Media AG. Auf „atmosphärische Störungen“ zwischen ihm und seinem Finanzchef angesprochen, sagte Ostrowski am Wochenende der „FAZ“: „Wir haben das längst geklärt. Thomas Rabe und ich arbeiten gut und professionell zusammen.“ Der „Spiegel“ berichtet nun in seiner aktuellen Ausgabe etwas ganz anderes. Laut dem Nachrichtenmagazin soll Rabe demnächst Vorstand bei dem Duisburger Mischkonzern Haniel werden. Haniel hält u.a. Anteile an Metro und am Pharmahändler Celesio.

Bemerkenswert ist die „Spiegel“-Meldung insofern, als Bertelsmann über Gruner + Jahr indirekt auch am „Spiegel“ beteiligt ist. Das Magazin pflegt solche Meldungen mit gesellschaftlichen Verbandelungen nur zu bringen, wenn sie in der Redaktion hundertprozentig wasserdicht angesehen werden. In Gütersloh wird man die aktuellen Personalspekulationen bezüglich Thomas Rabe so kurz nach dem „FAZ“-Interview jedenfalls nicht mit Begeisterung zur Kenntnis genommen haben.

Für Hartmut Ostrowski käme ein Abgang Rabes zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Medienkrise macht Bertelsmann mehr zu schaffen, als man noch vor kurzem dachte. Ostrowski stellte in Aussicht, dass der Gesamtkonzern 2009 unterm Strich in die roten Zahlen rutschen könnte. Der Kalenderverlag bei Arvato und einige Standorte des Druck-Unternehmens Prinovis seien zudem von Kurzarbeit betroffen. Außerdem denke er über den Zusammenschluss von „Unternehmen oder Teilen davon“ nach, so Ostrowski in der „FAZ“. Hierfür seien keine großen Barmittel notwendig, womit er andeutet, dass es bald zur Gründung von Gemeinschaftsunternehmen kommen könnte, um „Synergien zu heben“. Welche Teile des Bertelsmann-Reiches damit gemeint sind, will der Vorstandschef noch nicht sagen. Nun richten sich alle Augen auf die nächsten Quartalszahlen, die Bertelsmann am 12. Mai veröffentlichen wird.

Die Auswirkungen der Krise lassen sich auch im weltweiten Ranking der umsatzstärksten Medienunternehmen ablesen: Hier musste Bertelsmann seinen sechsten Platz mittlerweile an Sony Entertainment abgeben. Bertelsmann rutschte einen Platz nach unten auf Rang sieben.

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