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Neue „Impulse“: Die leisen Töne der Krise

Vorhang auf für den nächsten Launch der neu formierten G+J Wirtschaftsredaktion: Eine Woche nach dem überzeugenden Start des Wirtschaftsklassikers "Capital" schickt der neue Chefredakteur Nikolaus Förster das generalüberholte Unternehmermagazin "Impulse" ins Rennen. Auch dieser Relaunch gelingt: Das erste Heft gefällt mit nur allzu menschlichen Geschichten aus der Krisen-Ära. Es bleibt jedoch die Frage, ob sich das um 1 Euro verteuerte Heft gegen die Konkurrenz von "Brandeins" & Co langfristig behaupten kann.

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Vorhang auf für den nächsten Launch der neu formierten G+J Wirtschaftsredaktion: Eine Woche nach dem überzeugenden Start des Wirtschaftsklassikers „Capital“ schickt der neue Chefredakteur Nikolaus Förster das generalüberholte Unternehmermagazin „Impulse“ ins Rennen. Auch dieser Relaunch gelingt: Das erste Heft gefällt mit nur allzu menschlichen Geschichten aus der Krisen-Ära. Es bleibt jedoch die Frage, ob sich das um 1 Euro verteuerte Heft gegen die Konkurrenz von „Brandeins“ & Co langfristig behaupten kann.

Es muss nicht immer die große Vorstands-Geschichte sein, um das Ausmaß des alles beherrschenden Wirtschaftsphänomens unserer Tage – der großen Finanzkrise – in seinem ganzen Wesen zu erfassen. Das beweist die erste Ausgabe des runderneuerten Unternehmermagazins „Impulse“, das erstmals nach dem Umzug von Köln in die Hamburger Zentralredaktion unter Leitung von Nikolaus Förster entstanden ist.   

Der Chefredakteurswechsel war Anfang des Jahres relativ unaufgeregt von der Branche aufgenommen worden, was nicht zuletzt daran liegt, dass der 40-Jährige zu den Urgesteinen der G+J-Wirtschaftsredaktion zählt. Förster gehörte zu den Gründungsmitgliedern der „Financial Times Deutschland“ (FTD) , wo er als Reporter und Kommentarchef arbeitete und u.a. die Supplements „medbiz“ und „enable“ sowie das Zeitungsbuch „Agenda“ verantwortete. „Nikolaus Förster ist einer unserer besten Magazinjournalisten“, lobte „FTD“-Chefredakteur Stefan Klusmann seinen Kollegen im Januar zur Beförderung.

Ein Vierteljahr später muss Förster mit seiner „Impulse“-Ausgabe Farbe bekennen – und das tut er wie erwartet: Als magaziniger Geschichtenerzähler. Im Gegensatz zum furios gestarteten Prestigemagazin „Capital“, in dem Klusmann gleich in der ersten Ausgabe unter seiner Ägide die Dax-Ikonen Josef Ackermann, Dieter Zetsche oder René Obermann porträtierte und interviewte, erzählt Förster die Krisengeschichten der unterschätzten Träger der Wirtschaftswelt – nämlich des unscheinbaren mittelständischen Unternehmers, der mitten in der Krise um seine Existenz kämpft oder Triumphe im Kleinen feiert, die wegweisend für das große Ganze sein können.

Packende Unternehmergeschichten: „Hätte ich eine Pistole gehabt, ich hätte mich erschossen“

So etwa in der Hintergrundgeschichte über die Dresdner Software-Firma Spatial View, die nach dem Platzen der New Economy-Blase in der Bundersrepublik Insolvenz anmelden musste und danach in Kanada mit iPhone-Applikationen und 3D-Hüllen ein beeindruckendes Comeback  feierte. Heute geht es Spatial View der Krise zum Trotz und dank des Kults um Apples Kassenschlager besser denn je. „Europa ist nicht ganz so innovativ“, kommentiert Managing Director Wolfgang Opel den Erfolg trocken.

Doch es geht auch anders: Wolfgang Krebs etwa, der den gleichnamigen Christbaumschmuck-Hersteller einst von seinem Vater übernahm und vor neun Jahren Insolvenz anmelden musste, kennt die Kehrseite des Unternehmertums. Der vierfache Familienvater hat sich bis heute nicht von der Firmenpleite erholt: „Vielleicht muss ich Privatinsolvenz anmelden“, beichtet der gebeutelte Unternehmer, der „die geballte Wucht eines kranken Systems“ kennengelernt hat, in „Impulse“.  
 
Ähnlich bedrückend liest sich auch die Titelgeschichte, die ausführlich das allgegenwärtige Thema der Industriespionage beleuchtet. „Hätte ich eine Pistole gehabt, ich hätte mich erschossen“, bringt der Unternehmer Eginhard Vietz seine Verzweiflung nach mehrfachen Fällen von Wirtschaftskriminalität zum Ausdruck. Diese reichen von China bis zum eigenen Ex-Mitarbeiter. „Mittlerweile vermute ich hinter jedem Busch einen Räuber“, erklärt der Pipelinebauer aus Hannover verbittert.  

Es menschelt: Spannende Mischung aus neuen und alten Formaten

Es sind diese ganz persönlichen Geschichten hinter den großen Schlagzeilen, die das neue „Impulse“ lesenswert machen. Keine Frage: Es menschelt im G+J Unternehmermagazin. Das ist auch in einigen neuen Ressorts zu beobachten: So wurde mit dem „Lokaltermin“ ein Format eingeführt, in dem ein Unternehmer zum Lunch in sein Lieblingslokal lädt – in der Mai-Ausgabe ist dies Nina Hugendubel, die Chefin der größten deutschen Buchhandelskette. Der Leser lernt:  Die Lieblingswörter der 38-Jährigen, die Kinderbücher „mindestens 300-mal liest, sind „spannend“ und „Mischung“.

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Eine spannende Mischung selbst ist dann auch das bereits bekannte Bücher-Ressort, in dem man nun Rezensionen von aus der FTD-Redaktion bekannten Namen wie dem Kommentar-Chef Christian Schütte oder „Agenda“-Redakteur Michael Prellberg zu lesen bekommt. Und  zu guter Letzt: Die letzte Seite mit der neuen Rubrik „Mein größter Fehler“, auf der Unternehmerpersönlichkeiten wie Haribo-Gründer Hans Riegel  über prägende Lektionen ihres Geschäftslebens berichten.

Keine Frage: „Große Fehler“ hat Nikolaus Förster mit seinem ersten Wurf nicht gemacht. Im Gegenteil: Die Mai-Nummer kommt frischer und  lesenswerter daher als die April-Ausgabe. Die runderneuerten „Impulse“, die ja selbst erst im Oktober vergangenen Jahres auch optisch einen Komplettrelaunch bekommen hatten, sind in der zentralen Wirtschaftsredaktion von G+J über Nacht zum besseren Heft geworden. 

Angehobener Copypreis: Zahlen „Impulse“-Leser künftig einen Euro mehr?

Allerdings auch zum teureren: Um immerhin einen Euro oder 15 Prozent wurde der Copypreis angehoben – auf nunmehr 7,50 Euro. In Zeiten der tiefen Werbekrise und des unaufhaltsamen Paradigmenwechsels von Off- zu Online ist das ein stolzer Preis für ein – haptisch – dünnes Heft mit nur schlanken 140 Seiten.  

Auf knapp 109.000 Exemplare war die Gesamtauflage des G+J-Wirtschaftsmagazins im ersten Quartal zurückgegangen. Das entspricht zwar dem Gesamttrend der Branche, dem sich „Brandeins“ als thematisch engster Widersacher jedoch bereits seit Jahren erfolgreich zu widersetzen weiß. So kam Gabriele Fischers in der Branche ungemein beliebtes Wirtschaftsmagazin Ende März bereits auf 101.000 verkaufte Exemplare. Tendenz: Klar steigend.
 
In diesem Zweikampf  dürfte in den kommenden Monaten durchaus Brisanz liegen: „Brandeins“, das mit weitaus dickerem Umfang daherkommt, kostet schließlich nur ganze 10 Cent mehr; das ebenso bei weitem umfangreichere „manager-magazin“, das ebenfalls mit hochkarätigen Unternehmensgeschichten aufwarten kann, liegt bei 7 Euro, während die wöchentlich erscheinende „WiWo“ gar nur 3,90 Euro kostet. Das könnten Argumente sein, die gegen eine schnelle Erholung der Auflage sprechen.

Rein wirtschaftlich betrachtet sieht es indes nach einer Fortsetzung der Erfolgsstory aus: „Impulse“ arbeitete nach Informationen aus Branchenkreisen auch 2008 trotz Krise profitabel und kann in der Mai-Ausgabe respektable 30 Anzeigenseiten vorweisen.  

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