Bizarrer Folter-Streit der US-Moderatoren

Keith Olbermann: notorisch weltrettender Polit-Moderator von MSNBC, der US-Konservativen gerne verbal an den Kragen geht. Sein Widersacher: der erzkonservative Fox-Moderator Sean Hannity. Der sagte vor wenigen Tagen vor laufenden Kameras, er würde sich durchaus einmal "waterboarden" lassen – als Charity-Aktion für die Familien der US-Truppen". Waterboarding ist eine berüchtigte Foltertechnik der CIA. Olbermann reagierte und bot Hannity 1000 Spenden-Dollar für jede Sekunde, die Hannity durchhält.

Anzeige

Olbermann und Hannity sind Gegner in der Debatte, ob oder inwiefern das von der CIA angewendete „Waterboarding“ als Folter zu bewerten ist. Waterboarding bezeichnet ein Verfahren, bei dem einem liegenden, mit einem Handtuch bedeckten Menschen Wasser übers Gesicht gegossen wird, so dass dieser das Gefühl bekommt, zu ertrinken. Während Hannity die Methode als „faire und notwendige“ Verhörtechnik bewerten, sieht Olbermann darin reine Folter.

Das Geld, das Olbermann für Hannitys „Mutprobe“ zu zahlen bereit ist, soll natürlich nicht an den Fox-Mann selbst gehen, sondern an die Familien der US-Truppen – ebenfalls aus Gründen der Barmherzigkeit, versteht sich. Olbermann weiß, wie er die US-Öffentlichkeit beeinflussen kann. Stets spielt er den Herausforderer, die anderen müssen sich vor ihm fürchten. So wie im Fall Hannity: schon zum zweiten Mal wiederholte Olbermann sein „Angebot“ an Hannity im US-TV, dazu betonte er am Dienstag in einem Interview, er habe bisher noch keine Antwort von Hannity erhalten.

„Ich glaube nicht, dass er den Mut hat, auf dieses Angebot überhaupt nur zu antworten – ganz geschweige davon, es anzunehmen“, sagte Olbermann und stichelte weiter: „Die Idee, jemanden in eine – von ihm selber freiwillig angebotene – Lage zu bringen, in der er seine eigenen unerträglichen Behauptungen unter Beweis stellen muss, ist in jeder Hinsicht unbezahlbar.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Olbermann Politiker und Moderatoren vorführt. Vor allem der legendäre Fox-Anchor Bill O`Reilly muss sich seit Jahren gegen Olbermanns Angriffe wehren. In seiner Show betitelt Olbermann O`Reilly immer wieder als „worst person of the world“ und verlieh ihm im vergangenen Monat sogar erstmals den Titel „worst person of the world of the week“. Eine Ehre, die Hannity – wenn es nach Olbermann geht – auch noch zuteil werden dürfte.

„Wenn man jemanden der Realität aussetzt, und auch wenn dieser Mensch die Realität leugnet, kann das sehr gewaltige und entscheidende Auswirkungen haben“, sagt Olbermann. Doch trotz all der staatstragenden Worte: man kann sich vorstellen, wie sehr sich der Moderator über einen zu Tode geängstigten Hannity freuen würde. Und er gibt sogar zu, dass sein ganzes Angebot auch mit der Rivalität der beiden Moderatoren – und ihrer Sender – zu tun hat. Olbermanns Arbeitgeber MSNBC gilt als liberal, Fox dagen ist ein extrem konservativer Sender.

Am Ende erhöhte Olbermann sein Angebot an Sean Hannity sogar noch. Wenn Hannity nach dem Waterboarding zugeben würde, tatsächlich Angst um sein Leben gehabt zu haben, und einräumen würde, dass Waterboarding eben doch Folter sei, würde Olbermann die 1000 Dollar pro Sekunde verdoppeln. Aber Angst hat Hannity derzeit wohl nur vor einer Sache: einem peinlichen Imageverlust.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige