„Ich kann Kanzler“: ZDF punktet im Web

Das ZDF dreht im Wahljahr ordentlich auf. Erst die verrückte Idee, ein Format wie "Ich kann Kanzler", bei dem die Wahl eines Möchtegern-Kanzlers Lust auf den realen Wahlgang machen soll, ins öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu holen. Und jetzt die begleitende Website Kanzler.zdf.de. Die überzeugt mit interaktiven Tools, umfangreichem Videocontent – und Humor. Etwa in der Rubrik "Wer es bisher geschafft hat": hier gibt´s alle Kanzler im Überblick, als seien sie schon seit eh und je im ZDF gecastet worden.

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Für den Kanzlerjob des ZDF sind noch 40 Kandidaten im Rennen – von ursprünglich 2.500. Sie alle bewerben sich um  das Amt des „Kanzlers für einen Abend“, wie das ZDF seine „Stelle“ betitelt, und damit um ein Kanzlergehalt und ein Praktikum im Berliner Regierungsviertel.

Über das Fortkommen oder Ausscheiden der Kandidaten kann jetzt auf der Website abgestimmt werden. In der Polit-Show, die am 19. Juni ausgestrahlt wird, werden vier von ihnen dann als Finalisten gegeneinander antreten. Vielleicht wird es der 19-jährige Schüler Wenzel Bruckner aus Würzburg, der unter dem Motto „Deutschlands Visionen verwirklichen!“ Politik machen will. Oder die Anwältin Susanne Gruner, 30, die sich mit dem Slogan „Ich glaube an das Gute im Politiker“ beim Wahlvolk einschmeicheln will.

Wer auf Kanzler.zdf.de surft, kann in einer nett gemachten Multimedia-Galerie die Profile aller 40 Kandidaten einsehen. Fragen zu Hobbys beantworten die Aspiranten ebenso geduldig, wie die zur Partei, der sie am nächsten stehen. Dazu private Schnappschüsse, das Statement eines „Paten“, der für die guten Absichten seines Schützlings bürgt – und eben das Motto, mal mehr („Yes, Deutschland, I can!“), mal weniger griffig („Die Kraft des Pluralismus erkennen!“).

Doch nicht nur das ZDF hat seine Kandidaten-Show fürs Web hübsch gemacht. Auch die Kandidaten selbst sind – teils erstaunlich professionell – im Internet unterwegs. Eine umfangreiche Linkliste auf der ZDF-Seite verweist etwa auf den Internetauftritt von Daniel Schuster, der sich flugs die URL www.dein-kanzler.de gesichert hat. Mit Wahlplakaten zum herunterladen, eigenem Twitter-Channel und Blog macht Schuster beinahe Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Konkurrenz, der derzeit versucht, sich Obama-like im Web zu präsentieren.

So viel Multimedia-Wahlkampf wie im „Superwahljahr“ 2009 war wirklich noch nie. Das ZDF tut mit „Ich kann Kanzler“ und der dazugehörigen Website seinen Teil, um den gegenwärtigen Politik-Hype zu befeuern – und im Gegenzug in Quoten und Klicks zu verwandeln. Wer weiß, wenn´s gut läuft, sehen wir demnächst vielleicht ein Format wie „Ich kann ZDF-Chefredakteur“ im Zweiten. Wenn sich sogar Kanzler casten lassen…

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