Boulevard total bei ARD und ZDF

Der Rauswurf von Jürgen Klinsmann als Trainer des FC Bayern München war für Sport- und Fußballfans am Montag eine erwartbare Überraschung gewesen. Erwartungsgemäß lief auch die Medien-Maschinerie zu diesem Ereignis auf Hochtouren. Besonders eifrig dabei: die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. Die ARD widmete dem Trainer-Rauswurf gar eine Sondersendung nach der "Tagesschau". Im "heute journal" des ZDF wurde das Sport-Thema auf Platz 1 gebracht, vor der Schweinegrippe.

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Die drohende weltweite Pandemie durch die Schweinegrippe wurde von den Programm-Verantwortlichen bei ARD und ZDF offenbar für weniger wichtig eingestuft, als der bereits seit Tagen in der Luft liegende Rauswurf des Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann. Das ZDF zeigte nach der „heute“-Sendung um 19 Uhr immerhin noch ein kurzes „Spezial“ zum Thema „Schweinegrippe“. Beim „heute journal“ um 21.45 Uhr hatte Klinsmann das Grippe-Thema aber schon auf Platz zwei verdrängt.

Die ARD begleitete das Thema bereits vor der 12-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ mit gehöriger Penetranz. Besonders ärgerlich geriet dann die „Sportschau extra“ der ARD zur besten Sendezeit nach der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“. In einem Filmbeitrag kamen ausgewiesene Nicht-Experten wie die Grüne Schwester Leichtfuß Claudia Roth und SPD-Arbeitsminister Olaf „Scholz-O-Mat“ Scholz zum Thema zu Wort. Gerhard Delling moderierte ohne mit der Wimper zu zucken seine berüchtigten Überleitungen („Der Arbeitsminister muss zumindest schonmal gegen Entlassungen sein. Die Entlassung von Klinsmann hat sich aber schon lange angedeutet…“). Dann trat als einziger Interview-Partner auch noch „Focus“-Chef Helmut Markwort auf – in der wenig unparteiischen Doppelrolle als Journalist und Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern.

Aus der anschließenden Plauderei zwischen Delling und Markwort konnte man lernen, dass der „Focus“-Chef offenbar noch nie ein Klinsmann-Freund war und dass „das Experiment Klinsmann“ auch bei erfolgreichen Spielen nach der aktuellen Saison beendet gewesen wäre. Für ein Sportmagazin oder eine Boulevardsendung in einem Privatsender wäre das alles ganz OK gewesen. Der viel gepriesene Info-Tiefgang der öffentlich-rechtlichen Sender ging an diesem Montag allerdings im allzu seichten Boulevard-Wasser regelrecht unter.

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