Kerners bittere Abrechnung mit dem ZDF

Im "Spiegel" redet sich Johannes B. Kerner den Frust aus zwölf Jahren ZDF von der Seele. Er habe sich statt auf dem Beifahrersitz "eher auf der Hutablage" gefühlt, gab er zu Protokoll. Und auf die Frage, ob Markus Lanz jetzt der neue Kerner wird, sagt er: "Ich weiß nicht einmal, ob ich ihm das wünschen soll." Der Fall Kerner steht symptomatisch für die aktuellen Probleme von ARD und ZDF, Promis zu halten oder zu holen. Die Liebe der Stars zum öffentlich-rechtlichen System ist erkaltet.

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Das war mal anders. Nicht nur die Sat.1-Neuzugänge Johannes B. Kerner und Oliver Pocher wechselten mal von Privatsendern zu ARD und ZDF. Reinhold Beckmann ging von Sat.1 zur ARD, Jörg Pilawa ebenso. Harald Schmidt wählte nach seiner Auszeit die ARD als neue TV-Heimat. Mittlerweile werden die Schlagzeilen aber eher von Prominenten beherrscht, die ARD und ZDF den Rücken kehren. Oder gar nicht erst hinwollen.

Anfang 2007 machte der Fall Günther Jauch Schlagzeilen. Es war bereits ausgemachte Sache, dass Jauch die Sonntagabend-Talkshow als Nachfolger von Sabine Christiansen übernehmen sollte. Im letzten Moment zog er zurück. Ewige Vertragsverhandlungen, öffentlich-rechtliche Ränkespiele, Debatten über sein Gehalt – darauf hatte der TV-Star Jauch schlicht keine Lust. Auch fürchtete er als Journalist die ständigen Einmischungen der ARD-Chefredakteure in eine politische Talkshow: „Damit wäre nach meiner Auffassung die Sendung dem ständigen Risiko ausgesetzt, zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden. Dies entsprich nicht meinem Empfinden von innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit“, sagte Jauch damals. Wenn man nun sonntagabends sieht, wie blutleer die Talkshow von Anne Will daherkommt, muss man Jauch im Nachhinein Recht geben.

Die Gründe, warum TV-Stars ARD und ZDF einen Korb geben, sind stets die gleichen:

– zuviel Einmischung durch Gremien.
– schlechte Markenpflege für Sendungen wegen uneinheitlichen Anfangszeiten.
– zu viele Beschränkungen bei externen Auftritten und Werbe-Verträgen.

Dabei nennen die Promis selbst natürlich bevorzugt die ersten beiden Punkte, wenn sie eine Absage an ARD oder ZDF begründen. Tatsächlich sind das auch ziemliche Probleme. So sagt Kerner im „Spiegel“, während seiner ZDF-Zeit habe er ein geradezu erotisches Verhältnis zu Organigrammen entwickelt. Die aktuelle Debatte um die von CDU-Politiker Roland Koch geforderte Ablösung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender zeigt exemplarisch, welchen Zwängen und welchem immensen politischen Druck das öffentlich-rechtliche System ausgesetzt ist.

Gleichzeitig ist es aber ausgerechnet auch Brender selbst, der im Fall Kerner für Reibungspunkte gesorgt hat. Brender steht auf dem Standpunkt, dass ein Journalist beim ZDF nicht wirbt. Kerner wiederum wollte von seinen Werbeverträgen mit dem Geflügelwursthersteller Gutfried und Air Berlin nicht lassen. Brender und er hätten sich in dem Punkt ausgetauscht, seien aber immer noch nicht einer Meinung, sagte Kerner im aktuellen „Spiegel“-Interview. Bei Sat.1 ist man in dieser Hinsicht gewiss schmerzfrei.

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