Dirk Ippen soll Appetit auf sh:z haben

Es kommt wieder Bewegung in den Verkauf des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z). Laut "werben & verkaufen" hat der Münchner Verleger Dirk Ippen Interesse daran, den Verlag im hohen Norden zu übernehmen. Bisher wurde schon allen üblichen Verdächtigen nachgesagt, den sh:z kaufen zu wollen und alle haben abgewunken: Madsack, DuMont, Holtzbrinck und natürlich die WAZ Gruppe. Dabei gibt es noch nicht einmal ein offizielles Verkaufsverfahren.

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In der Branche gilt es allerdings als offenes Geheimnis, dass der sh:z zum Verkauf steht. Angeblich sollen einige der über 30 Einzelgesellschafter des Verlags in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein. Ein Verkauf des sh:z soll bisher vor allem an den Preisvorstellungen der Verkäufer gescheitert sein. So sollen anfangs Summen zwischen 400 und 450 Millionen Euro aufgerufen worden sein.

Der Verlag gilt als profitabel. Zu ihm gehören u.a. das „Flensburger Tageblatt“, die „Norddeutsche Rundschau“ und die „Husumer Nachrichten“ sowie einige Anzeigenblätter und ein Druckzentrum. Mittlerweile soll sich laut wuv.de der Preis eher 330 Millionen Euro angenähert haben. Auch das wäre noch viel Geld für die Verlagsgruppe. Wahrscheinlich zuviel für Ippen. Der Münchner Verleger von „Münchner Merkur“, „tz“ und der „Hessisch/Niedersächsische Allgemeinen“ hat verneint, dass Verkaufsgespräche stattgefunden haben. Ob er Interesse an dem sh:z habe, bezeichnete er als „theoretische Frage“. Ein klares Dementi sieht anders aus. Wahrscheinlich ist es in der Tat eine Frage des Preises.

Schlecht für die Verkaufswilligen in Schleswig-Holstein: Der Kreis der möglichen Käufer ist in der Zwischenzeit deutlich kleiner geworden. Die Verlagsgruppe Madsack steht nicht mehr zur Verfügung. Die Hannoveraner haben gerade über 300 Millionen Euro für Springer-Regionalzeitungsbeteiligungen auf den Tisch gelegt. Einen weiteren Deal in dieser Größenordnung wird der Verlag nicht stemmen wollen und können.

DuMont ist mit der Integration von David Montgomerys ehemaligem Zeitungsreich in Berlin und Hamburg ebenfalls vollauf beschäftigt. Axel Springer hat seine Regional-Zeitungsbeteiligungen gerade verkauft, neben Madsack auch an den sh:z selbst. Und die WAZ Gruppe soll auch abgewunken haben. Die Essener setzen gerade ein ambitioniertes Sanierungsprogramm um, teure Zukäufe kämen zu dieser Zeit eher ungelegen.

Bliebe noch die Verlagsgruppe Holtzbrinck. Für sie würde der Kauf des sh:z auf dem Papier Sinn ergeben. Zumal Stefan von Holtzbrinck gerade die Premium-Print-Produkte („Zeit“, „Handelsblatt“, „WiWo“, „Tagesspiegel“) an seinen Halbbruder Dieter von Holtzbrinck abgetreten hat und sich nun wieder verstärkt dem Fachverlags- und Regionalzeitungswesen widmet. Aber auch Holtzbrinck muss derzeit aufs Geld schauen und Verlagsvize Jochen Gutbrod hatte bereits dementiert, Interesse am sh:z zu haben. Es ist keine gute Zeit, um eine regionale Zeitungsgruppe mit viel Rendite zu verkaufen. Außer, man muss.

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