Osteuropa: Euro-Millionen für die WAZ

Freitagnachmittag, Deal-Time: Wie die WAZ Mediengruppe bekannt gab, investiert die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in das Osteuropa-Geschäft des Verlags. Und das im durchaus größeren Stil: Gleich 40 Millionen Euro fließen von London nach Essen. Die Beteiligung kommt mit einem gewissen Geschmäckle daher: Die Dealmaker Bodo Hombach, Vorstand der WAZ-Gruppe, und Thomas Mirow, dem Chef der EBRD, kennen sich sehr gut aus vergangenen SPD-Tagen.

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Es ist eine beschlossene Sache: Bereits im vergangenen November kursierten die Gerüchte, nun kommt ein halbes Jahr später die endgültige Bestätigung aus Essen und London: Mit bis zu 40 Millionen Euro beteiligt sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung  (EZBD) am Osteuropa-Geschäft der WAZ-Gruppe.

„Die Entwicklung unabhängiger Medien, die hochwertigen Inhalt in der gesamten EBRD-Region verbreiten, hilft bei der Stärkung der Demokratie und beim Aufbau der wissensbasierten Wirtschaft, die für die Zukunft dieser Länder entscheidend ist“, begründete EBRD-Chef Thomas Mirow den Schritt. „Die EBRD freut sich sehr, die WAZ-Gruppe bei diesen Bemühungen zu unterstützen.“

EBRD: „Geeigneter und erfahrener neuer Partner“

Die Freude ist ganz auf der Seite der WAZ: „Die strengen Maßstäbe, die die EBRD an korrektes Wirtschaftshandeln anlegt, ihr Beharren auf Transparenz und ihre toleranzlose Ablehnung von Korruption sind gerade für ein Medienunternehmen ein großartiges zusätzliches Element der Selbstverpflichtung und Selbstkontrolle“, würdigt WAZ-Chef Bodo Hombach.

„Medien, die von anderen vorbildliches Handeln einfordern, müssen sich
selber besonders streng kontrollieren und kontrollieren lassen. Keiner ist dafür geeigneter und erfahrener als unser neuer Partner, die EBRD. Das ist uns mindestens so wichtig wie der finanzielle Beitrag.“

WAZ-Gruppe: Starke Präsenz in Südost-Europa

Und der kann für sich selbst stehen: 40 Millionen Euro  fließen in zwei Tranchen in die Ost-Holding der WAZ – 20 Millionen sofort, 20 Millionen sind „für zukünftige Kapitalerhöhungen reserviert“. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWD), die den Betrag bereit stellt, wurde 1991 gegründet und soll den Übergang zur offenen Marktwirtschaft und privates und unternehmerisches Handeln in den Ländern Mittel- und Osteuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) fördern.

Hier ist die WAZ-Gruppe mit Hauptsitz in Essen, die allein im Printbereich 33 Tages- und 18 Wochenzeitungen, 176 Publikums- und Fachzeitschriften, 107 Anzeigenblätter und 400 Kundenzeitschriften besitzt, besonders präsent. So besitzt die WAZ Publikationen in Kroatien, Serbien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und in Russland.

Politische Nähe der SPD-Parteigrößen Hombach und Mirow sorgt für Diskussionsstoff

Und doch kommt der Deal mit einem einigem Geschmäckle daher: Nicht nur wird die Beteiligung an der WAZ-Gruppe, die eigentlich über eine stattlich gefüllte Kriegskasse verfügt, mit Steuergeldern (mit)finanziert – sie wurde auch von Parteigenossen besiegelt, die sich nur allzu gut kennen.

Da ist auf der einen Seite Bodo Hombach, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramtes unter Gerhard Schröder und Bundesminister für besondere Aufgaben (1998), später EU-Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa.  2002 wechselte er als Geschäftsführer zur WAZ.

SPD-Mann Thomas Mirow wiederum hat sich in der Hamburger Regierung zwischen 1991 und 2001 als Senator verdient gemacht. Erst im Juli letzten Jahres wechselte Mirow, der 2003 bei der Hamburger Landtagswahl als Spitzenkandidat gegen Amtsinhaber Ole van Beust unterlag, als Präsident der EBRD nach London.

Dass die Beteiligung am Essener Verlag, der von Parteifreund Hombach geführt wird, nicht einmal ein Jahr später zustande kommt, dürfte noch länger für Diskussionsstoff sorgen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass gute Kontakte zu politischen Netzwerken auch in der Geschäftswelt förderlich wären…

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