„Ohne Medienhaus braucht man viel Mut“

Vor sechs Monaten überraschte die Leipziger Web-Firma Unister.de mit dem Start einer unabhängigen Nachrichten-Plattform. Ihr ehrgeiziges Ziel: Die arrivierten Verlagsangebote von Spiegel, Bild & Co. anzugreifen. Ein halbes Jahr später ist klar, dass News.de keine Hochgeschwindigkeits- Erfolgsgeschichte ist. Doch mit ruhiger Arbeit steigert Chefredakteurin Kathrin Steinmetz, jedoch Monat für Monat die Besucherzahlen. Im MEEDIA-Interview zieht sie eine erste Bilanz.

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Im Kampf um Leser und Marktanteile setzt die Leipziger Redaktion auf einen Content-Mix aus Nachrichten und Nutzwert. Dazu versuchen die Redakteure möglichst viele Videos selbstständig zu produzieren. Ein unterfangen, dass von immer mehr Nutzern gewürdigt wird. Seit sich News.de von der IVW messen lässt, wachsen die Nutzerzahlen stetig an. Im März erreichte das Portal 2,9 Millionen Page Impressions und fast genau eine Million Visits.

Sie sind seit sechs Monaten online. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse des ersten halben Jahres?
Es braucht viel Geduld und Ausdauer, den Weg in den Nachrichtenmarkt zu finden. Und starke Nerven für alle, die ganz viel auf einmal wollen. Denn bei News.de ziehen alle Kollegen an einem Strang und sind gefragt, wenn es um Ideen und Optimierungen für das Portal geht. Aber Unister entwickelt Portale niemals hektisch und überstürzt, sondern sehr organisch. Deshalb wächst News.de kontinuierlich, aber eben nicht mit Knalleffekten.

Und für sie Persönlich?
Für mich persönlich ist vor allem eins klar geworden: Zum Schreiben bleibt keine Zeit mehr. Das ist  bedauerlich, aber die Aufgaben als Chefredakteurin und – derzeit noch – Portalmanagerin sind dermaßen vielseitig und spannend, dass mich meine Arbeit absolut erfüllt und mir großen Spaß macht.  

Was waren die größten Schwierigkeiten beim Start eines kompletten neuen Nachrichten-Portals?
Es ist und bleibt eine enorme Herausforderung, die User erst einmal auf die Seite zu holen und dann auch zu halten. Das funktioniert nur, wenn von Anfang an und jeden Tag aufs Neue sehr gute Arbeit geleistet wird. Klar freuen wir uns, wenn wir mit bestimmten Themen den Nerv der User treffen – diese Themen täglich, ja stündlich zu finden, fordert von jedem höchste Konzentration. Und grundsätzlich muss man sagen: Ohne Medienhaus oder Printableger im Hintergrund zu starten – dazu gehört eine Menge Mut. Unister beweist hier Pioniergeist.

Wenn das Projekt so viel Mut und Pioniergeist erfordert. Worauf sind Sie dann besonders stolz?
Stolz macht mich immer wieder das Redaktionsteam, das hinter News.de steht. Ein Projekt wie News.de inhaltlich aus dem Nichts aufzubauen heißt vor allem Lernen, Nachbessern und den Mut haben, unkonventionelle Wege zu gehen. Das sieht man zum Beispiel an unseren Videokommentaren, die super unterschiedlich sind. Die Sportler gehen da ganz anders heran als zum Beispiel die Kollegen aus der Politik, aber alle nutzen z.B. Requisiten oder andere Details, um die Clips originell zu gestalten. Diese Lust am Experimentieren überrascht mich immer wieder.  News.de funktioniert eben nur mit einem Team, dass sich zu 100 Prozent mit dem Produkt identifiziert.

Zu Ihrem Start war die Rede davon, dass Sie möglichst schnell Ihre Redaktion ausbauen und aufstocken wollen. Wie weit sind Sie?
Gestartet ist News.de mit 12 Redakteuren. In Jahresfrist soll das Team auf 50 Journalisten wachsen. Das heißt, wir sind mit unserem jetzt 30-köpfigen Team auf einem gutem Weg. Pro Monat kommen etwa zwei neue Kollegen hinzu, aber wir wählen sehr zeitaufwändig aus, weil wir ein umfangreiches Auswahlverfahren haben.

Wer ist die Zielgruppe von News.de?
Die Seite richtet sich an jeden, der am aktuellen Geschehen interessiert ist und genau wissen will, welche Nachrichten warum für ihn interessant sind. Unser multimedialer Ansatz zielt natürlich im Besonderen auf all jene, die täglich im Netz unterwegs sind und für die eine Printzeitung schlicht zu altbacken ist. Die User können und sollen bei uns mitmachen, kommentieren, via Wunschbox Vorschläge für die Seite hinterlegen und unsere Videokommentare auf unserem YouTube-Channel auch verbal ordentlich unter die Lupe nehmen.

Für welche Themen steht News.de besonders?
News.de legt großen Wert darauf, bei jedem Thema den Serviceaspekt nicht aus den Augen zu verlieren. Wir brechen Neuigkeiten konsequent auf den Verbraucher herunter und erklären, inwiefern sich bestimmte Neuigkeiten auf das Portmonee, die Rechte oder die Gesundheit des Einzelnen auswirken. Dazu gehört auch, dass wir klassische Verbraucherressorts stark pushen wie Gesundheit oder Technik. Und wir haben eine Verbraucherredakteurin, die in allen Ressorts mitmischt. Ihre Aufgabe ist es, alle Themen des Portals daraufhin zu scannen, was an Hintergrund oder Erklärung fehlt.

Trägt sich das Angebots bereits?
Was andere Nachrichtenseiten kaum in zehn Jahren schaffen, nämlich ein Gewinn abwerfendes Unternehmen zu werden, das werden wir natürlich nicht in sechs Monaten leisten. News.de wird  querfinanziert, aber die Gewinnzone haben alle Beteiligten sehr genau im Blick.

Was bedeutet der Claim „Werden Sie Besser-Wisser“?

Genau das, was drin steht: Wer News.de regelmäßig liest, wird nicht zugeschüttet mit Neuigkeiten, sondern mit den für den Einzelnen wirklich relevanten Nachrichten. Wir sagen nicht nur, was passiert, sondern auch, was das im Moment genau bedeutet. Und zwar auf vielen Wegen: mit unseren Video- und Textkommentaren oder Hintergrundstücken genauso wie mit den vielen  Dossiers oder auch mit unseren kleinen Tooltipps (also anklickbaren Worterklärungen direkt am Text).

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