Fake-Angie & Co. machen Twitter unsicher

Das Superwahljahr 2009 treibt im Internet wilde Blüten: Viele Fake-Accounts von Politikern – wie etwa eines der sechs angeblichen Twitter-Profile von Kanzlerin Angela Merkel – sorgen vor allem im Web 2.0 für Belustigung. "#Barack #Obama rief mich gerade an. Sein Köter hat die Scheißerei. Habe ihm mein Mitgefühl und das des Volkes entgegengebracht", lautet etwa einer der letzten Einträge von "Merkel CDU", für das offensichtlich das polternde Satire-Portal pseudolus.de verantwortlich ist.

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Trotz der vielfachen Ansagen, dass es in diesem Jahr keinen richtigen Online-Wahlkampf im Stile eines Barack Obama geben werde, ist das Interesse an den neuen Medien sowohl bei Politikern als auch bei der Journaille ungebrochen. So berichtete etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die sechs Pseudo-Merkels bei Twitter. Überschrift: „Twitter der Kokosnuss“. Witzigster Tweet: „Ich wusste ich hab‘ was vergessen: #Wahlkampf Auftakt verpennt. Hoffe das kann ich wieder einholen: Steinmeier ist flink wie ein Hase.“ Aber nicht nur die Kanzlerin sieht sich mit Alter-Egos im Web 2.0 konfrontiert.

Bereits vor einiger Zeit outete sich der falsche Twitter-Müntefering. Auch hier finden sich witzige Kommentare zum politischen Alltagsgeschehen, die sich durchaus in den Mund des knorrigen SPD-Chefs legen ließen. „Wenn Merkel die Koalition bis zum letzten Tag erfolgreich gestalten will, muss einfach in den nächsten Monaten mehr kommen“, lautet ein Eintrag vom 30. März.

Bei den Grünen entführte ein Witzbold etwa den Namen von Partei-Chefin Claudia Roth und bestückt das gleichnamige Profil mit humoristischen Einlagen. Darunter befinden sich aber auch Seitenhiebe gegen den politischen Gegner. So lautete ein Eintrag Ende März: „Söder schimpft gegen die Gesundheitsreform: War nur eine Übergangslösung. Hallo, Markus? Regierungspartei?“

Manch ein Ghost-Twitterer nutzt den Microblogging-Dienst, um politische Inhalte zu posten. So finden sich unter dem Twitter-Account mit dem Namen „westerwelle“ zahlreiche Statements des FDP-Politikers – nur hat sie nicht der FDP-Chef gepostet. Verlinkt ist Trupoli.de, ein Web-Portal, auf dem User Aussagen von Politikern öffentlich bewerten können.

Bei der großen Zahl der kursierenden Profile ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Als geeignete Indikatoren dienen häufig die Follower-Zahlen oder die Anzahl der Updates, die gepostet wurden. So zählt der Westerwelle-Account 526 Follower und 79 Updates, Claudia Roths 455 Follower und 49 Updates. Doch auch diese sind keine verlässlichen Größen, um zwischen Fake und Real zu unterscheiden. Der falsche Müntefering kommt etwa auf  2.627 Follower und 147 Updates, während der Account des echten SPD-Generalsekretärs Hubertus Heil mit 2.793 Followern und 155 Updates nur unwesentlich aktiver ist.

Fake-Profile von Politikern spriessen im Augenblick wie Pilze aus dem Boden. Web 2.0-Portale wie Twitter bieten Trittbrett-Fahrern und Profil-Neurotikern ebenso eine Bühne, wie Satirikern. Insofern werden die ernst gemeinten Bemühungen der politischen Akteure zum Teil verwässert. Aber einen tatsächlichen Einfluss auf den Wahlausgang werden auch die Pseuo-Politiker nicht haben.

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