Sat.1 macht sich mit Millionen hübsch

Sat.1 will es noch einmal wissen. Erst die Rechte an Fußball Champions League und Uefa Cup für geschätzte 75 Millionen Euro und die Wiederbelebung von "ran". Dann die teure Verpflichtung von Oliver Pocher und die noch teurere Verpflichtung von Johannes B. Kerner. Der Sender pumpt Geld ins Programm, als gebe es kein Morgen mehr. Warum nehmen die Finanzinvestoren Permira und KKR so viel Geld in die Hand - haben die Heuschrecken die Liebe zum Programm entdeckt oder wird die Braut hübsch gemacht?

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Auf jeden Fall sind die massiven Investitionen ins Sat.1-Programm eine Flucht nach vorne. Sinkende Marktanteile, Profillosigkeit im Programm, miese Umsatzzahlen, verärgerte Mitarbeiter wegen des Umzugs von Berlin nach Unterföhring bei München – dem Sender Sat.1 wurde viel zugemutet in der jüngsten Vergangenheit. Im Vorstand der Holding und bei den Gesellschaftern hat sich nun offenbar, reichlich spät, die Erkenntnis durchgesetzt, dass es so nicht weitergeht. Wenn sich Permira und KKR die Option auf einen lukrativen Exit irgendwann nicht vollends verbauen wollen, müssen sie die Verwahrlosung bei Sat.1 beenden.

Spätestens ab nächstem Jahr wird Sat.1 wieder deutlich steigende Marktanteile bekommen. Erste Effekte dürften schon ab Jahresmitte und zum Herbst hin spürbar werden. Für die Bundestagswahl wurden die Altstars Sabine Christiansen und Stefan Aust angeheuert. Fußball wird bereits ab August für einen Quotenschub sorgen. Und bis Kerner aufläuft, darf Oliver Welke als „Nummer zwei“ „ran“ schon mal warm-moderieren. Das hat sich Welke bei seiner Verpflichtung vielleicht auch anders vorgestellt. Sein Kollege Ingolf Lück twitterte bei Bekanntwerden des Kerner-Coups von Sat.1: „Kerner zu Sat.1 als „ran“-Kommentator. Na da wird der Welke Olli ja jubiliert haben! Du machst dir schön das Bett und Johannes liegt schon drin.“

Ab 2010 wird auch das Restprogramm mit den Shows von Oliver Pocher und Johannes B. Kerner laufen. Der Sender Sat.1 wirkt plötzlich wieder attraktiv. Vielleicht auch attraktiv für potenzielle Käufer. Sollte sich die wirtschaftliche Lage ab dem nächsten Jahr wieder bessern, könnten Permira und KKR ihre Sendergruppe mit dem runderneuerten Sat.1 sogar als Erfolgsgeschichte verkaufen. Ein Idealszenario für alle Beteiligten wäre, wenn die Axel Springer AG bis dahin die Politik soweit weichgeklopft hätte, dass das hiesige Kartellrecht aufgeweicht wird, damit die Mega-Hochzeit Axel Springer und ProSiebenSat.1 doch noch klappt.

Zur Not würden die Herren Heuschrecken ihr pan-europäisches Sender-Konglomerat, die skandinavische TV-Kette SBS gehört ja auch noch dazu, aber sicher auch jemand anderem anvertrauen. Fragt sich nur, wer das sein könnte. Bertelsmann geht nicht aus offensichtlichen Kartell-Gründen. Rupert Murdoch? Der hat gerade genug eigene Baustellen und Finanzprobleme. Sollten diese sich aber lösen, wäre seine News Corp. irgendwann sicher ein Käufer-Kandidat. Wieder Finanzinvestoren? Unwahrscheinlich. In der Branche dürfte sich herumgesprochen haben, dass dieses Medienzeugs ein schwieriges Geschäft ist.

Denkbar wäre auch, dass Permira und KKR die teuer zusammengekaufte ProSiebenSat.1 Group zerschlagen und die Einzelteile versilbern. Wenn alle Sender gut in Schuss sind und die Werbung wieder einigermaßen läuft, könnte auch das lukrativ sein. Aber egal welches Szenario in einem oder ein paar Jahren Realität wird. Es ist für die Gesellschafter besser, ein Sat.1 in aufpoliertem Zustand in der Auslage zu haben, als das klapprige Programm-Skelett, das in den vergangenen Wochen unter dem Namen Sat.1 über die Mattscheiben geisterte. Kerner sei Dank.

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