Kerner geht zu Sat.1 – das Medienecho

Die Entscheidung Johannes B. Kerners, nach zwölf Jahren seinen Sender ZDF zu verlassen, um ab Januar 2010 wieder bei Sat.1 zu moderieren, bewegt die Medienwelt. Aus journalistischer Sicht sieht kaum ein Kommentator ein Problem für den öffentlich-rechtlichen Sender, wohl aber im zu erwartenden Quotenrückgang. Für Sat.1 gibt es durchweg Lob: Nach Pocher und Christiansen sei "ein Anfang" zur Sanierung des Privatsenders gemacht, befindet etwa Faz.net. Bei Turi2 löste das Thema eine heftige Diskussion aus.

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Stern.de wertet den Verlust für das ZDF und lobt den Sat.1-Coup:

Nach dem Wechsel von Oliver Pocher von der ARD zu Sat1 ist der Wechsel von Kerner der zweite große Schlag ins Gesicht der Öffentlich-Rechtlichen.

Es ging um Macht. Kerner wollte sich künftig von keinem Mainzelmännchen mehr rein reden lassen bei Themenfindung und Gästeauswahl.

Beim ZDF indes wird der gleichsam beliebte und umstrittene TV-Moderator Kerner eine große Lücke hinterlassen.

Diese Probleme wird JBK bei seinem neuen Arbeitgeber wohl nicht haben. Der gebeutelte Privatsender freut sich auf die neue, alte Lichtgestalt der Abendunterhaltung.

Mit den Neuverpflichtungen von Pocher und Kerner, dem Comeback von Sabine Christiansen zur Wahl und der Wiederbelebung der Fußballsendung „ran“, die Kerner moderieren soll, scheint der neue Geschäftsführer Guido Bolten alles richtig gemacht zu haben.

Das Fazit: Die Zeiten der Kernerisierung des Fernsehens sind beim ZDF jedenfalls definitiv zu Ende.

Auch das Fernsehblog der „FAZ“ findet gute Worte für die Sat.1-Strategie, zweifelt aber daran, ob der Sender mit Kerner seine journalistische Kompetenz ausbauen kann:

Und selbst wenn das Sat.1-Programm momentan noch genauso zum Fürchten aussieht wie vor einigen Monaten: Ein Anfang ist gemacht.
Journalistische Kompetenz? Mit dem braven Rücksichtnehmer Kerner? Das dürfte für beide Seiten eine komplett neue Erfahrung werden.

Es folgt eine fundamentale Sender-Kritik:
Keine Frage: Die großen Namen sind für Bolten wichtig, um den Sender dem Publikum in Erinnerung zu rufen. … Noch wichtiger ist aber, wieder in Programmentwicklungen zu investieren, um zur Hauptsendezeit nicht mit Sendungen gegen die Konkurrenz antreten zu müssen, die wirken, als hätte aus Versehen jemand die Nachmittagsschleife durchlaufen lassen.

Bild.de: Das ZDF verliert einen seiner Besten und Fleißigsten.

taz.de: Unter journalistischen Gesichtspunkten? Ist am Mittwoch ein guter Tag fürs ZDF.

Tagesspiegel„: Vor die Entscheidung gestellt, ob sie das Fernsehleben als privates Killerspiel oder als durchorganisierte öffentlich-rechtliche Projektwoche erleben wollen, haben sich Kerner und Pocher für das Killerspiel entschieden.

Das Kunststück für das ZDF wird darin bestehen, den Weggang von Kerner, der eine Quotenlücke reißen wird, zu kompensieren
Für Sat 1 ist die neuerliche Anwerbung von Kerner ein Coup.

Welt online: Und der Moderator? Der kann befreit aufatmen, wenn er zum 1. Januar 2010 zu Sat.1 wechselt. Er hat mehr Zeit für die Familie und Kind Nr. 4 und muss nicht mehr fürchten, sich bei seinen Auftritten pausenlos in die Nesseln zu setzen. Sogar die Einbußen beim Honorar dürfte er verschmerzen.

Eine lebhafte Diskussion eigener Art löste Bericht und Kritik – „Kerners barrierefreies Hin- und Herspringen zwischen den beiden einstmals getrennten Systemen belegt die Konvergenz von Kommerz- und Anstaltsfernsehen“ – bei Bei Turi2 aus:

Der Tele 5-Geschäftsführer Kai Blasberg: Das ist ein Coup für SAT 1. Wenn jemand neidisch ist, kann er es ruhig offen sagen. Wenn Kerner ne Null wäre, hätte er kaum überall Erfolg gehabt. Den ganzen Tag selbstgerechte Polit-Journalisten nach ARD-Art kann auch kein Mensch ertragen.

Peter Turi: Wenn „das Gesicht des ZDF“ mal eben an Sat.1 transformiert wird, ohne dass jemand rot wird, stimmt in dem System etwas nicht.

Stefan Niggemeier: Was für ein geifernder Text über jemanden, den „wir von Turi2“ offenbar nicht einmal sehen. Und die Logik ist beim Aufgeilen an den eigenen Adjektiven vollends auf der Strecke geblieben: Wenn Kerner für die „Privatkanalisierung“ des ZDF steht, kann doch seine Rückkehr dorthin, wo er hingehört, schwerlich ein Beweis dafür sein, dass es immer schlimmer wird mit der „Privatkanalisierung“ des ZDF.

DWDL-Chef Thomas Lückerath: Man amüsiert sich ja schon manchmal, wenn man merkt, wie angewidert mancher über die TV-Branche schreibt. Dazu Kritik mit einer Prise Überheblichkeit, was aber eben für schnellen, billigen Applaus sorgt. Schade. Man könnte sich natürlich, dafür gibts Grund genug, sehr kritisch mit Kerner auseinandersetzen – wenn man mehr machen würde als Links zu sammeln

Der Medienjournalist Detlev Brechtel: Aber Kerner als Symbol für die Verflachung des ö-r Programms? Sorry, aber ich glaube das Fass ist ein bisschen zu groß für Sie.

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