Apple: Krisenresistent in Cupertino

Was war im Vorfeld nicht alles vermutet worden: Die Mac-Absätze würden drastisch einbrechen, erstmals seit 2003 könnte in einem Quartal weniger verdient werden. Doch Apple unterstrich einmal mehr, dass das Unternehmen in einer eigenen Liga spielt. Die Abverkäufe des iPhones und vor allem iPods entwickelten sich weitaus besser als erwartet, während nur marginal weniger Macs verkauft worden. 15 Prozent Gewinn mehr blieben am Ende des Quartals – und die Aussicht auf eine glänzende Zukunft.

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Am Ende des Abends hatte Apple wieder das getan, was der Computerpionier seit Rückkehr von Unternehmensgründer Steve Jobs vor inzwischen 12 Jahren  in erstaunlicher Beständigkeit vollführt hatte: Die Erwartungen übertroffen. Und wie: Statt wie eigens prognostiziert 90 Cent bis 1 Dollar oder, wie von der Wall Street geschätzt, 1,09 Dollar je Aktie verdiente Apple tatsächlich 1,33 Dollar je Anteilsschein.

Die Methode des „uPodings“ ist hinlänglich bekannt – vom Phänomen des „under Promise and over deliver“ spricht man seit Jahren in der Branche. In anderen Worten: Apple verspricht wenig und liefert viel. Aber so viel? In der Spitze gleich 47 Prozent mehr als prognostiziert, das spricht von enormer Stärke.

Wachstumstreiber ohne Ende: Welterfolge iPod und iPhone

Zumal in Krisenzeiten, in denen sich auch die Computerindustrie rückläufig entwickelt. Um 6,5 Prozent schrumpfte die Branche im ersten Quartal, ermittelte das Marktforschungsunternehmen Gartner. Auch Apple kam nicht ganz ungeschoren davon: Um 3 Prozent gaben die Mac-Abverkäufe zwischen Januar und März nach.

Doch das ist lediglich ein Schönheitsfehler in einer ansonst prkatisch tadellosen Bilanz. Denn längst hat sich der in der Branche als Kultunternehmen verehrte Technologie-Pionier vom Computerhersteller zum Multimedia-Konzern entwickelt. Nicht umsonst firmierte CEO Steve Jobs Apple Computer auch offiziell zu Apple Inc. um.

Inzwischen sind es nämlich zwei erst in diesem Jahrzehnte entstandenen Segmente, die Apples Wachstumsstory auch mitten in tiefsten Krise am laufen halten – das Geschäft mit den Welterfolgen iPod und iPhone. 

„Ziemlich exzellent“: iPod touch verkauft sich drei Million Mal

Bemerkenswerte 3,8 Millionen iPhones verkaufte Apple im ersten Kalenderquartal des Jahres: Das sind zwar weniger als die fast sieben Millionen Einheiten im dritten Quartal letztes Jahres bzw. 4,4 Millionen Ende des Jahres, doch eben auch 123 Prozent mehr als im Vorjahr. Traditionell zählt das erste Halbjahr eines Kalenderjahres zum absatzschwächeren Zeitraum, zumal im Sommer der Start der neuen iPhone-Generation erwartet wird.

Umso bemerkenswerter ist das der stille Erfolg des „iPhones ohne Telefonie-Funktion“ – nämlich des iPod touchs. Zwar weist Apple gesondert keine Abverkäufe der Stückzahlen aus, doch das Technologieportal „Alley Insider“ hat genau nachgerechnet und kommt auf mehr als drei Millionen Einheiten des  Premium-Modells des iPods, die insgesamt  erstaunliche 11 Millionen Mal in den 90 Tagen zwischen Anfang Januar und Ende März über den Ladentische gingen. „Das ist ziemlich exzellent“, folgert der „Alley Insider“.

„Wir glauben, dass Apples Innovationen dem Markt um Jahre voraus sind“

Angesichts von so viel Wachstumsdynamik können Apple-Anleger wohl auch auf den Einstieg auf den boomenden Netbook-Markt verzichten, über den es immer wieder Gerüchte gab. Interim-CEO Tim Cook erteilte allen Spekulationen auf dem Conference Call eine klare Absage. „Wir sind an diesem Segment nicht interessiert – und wir glauben, unsere Kunden auch nicht.“
 
Auch an die Adresse des Konkurrenten Palm, der mit seinem Pre ein Smartphone auf den Markt bringt, das auffällig an das iPhone erinnerte, machte Cook eine klare Ansage. „Wir sind der Meinung, dass Wettbewerb eine gute Sache, solange Unternehmen ihren eigenen Dinge erfinden. Wir glauben, dass Apples Innovationen dem Markt um Jahre voraus sind.“

Anleger teilten die Einschätzung und schickten die mit einem Kursplus von 60 Prozent in sechs Wochen ziemlich heißgelaufene Aktie weiter nach oben: Zu Handelsstart kletterten die Anteilsscheine von Apple um weitere drei Prozent auf 126 Dollar.

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