Die unfassbare Lage der „NY Times“

Die Erwartungen waren niedrig – die tatsächlichen Ergebnisse jedoch nicht weniger als ein Debakel. Happige 61,6 Millionen Dollar hat die vielleicht beste Zeitung der Welt in den 90 Tagen zwischen Anfang Januar und Ende März verloren. Im Vorjahr waren noch 6,8 Millionen Dollar verdient worden. Wie krachend der Aderlass ausfällt, belegt der Rückgang der Anzeigenerlöse, die um 28 Prozent einbrachen. Selbst das Internetgeschäft um About.com entwickelte sich rückläufig.

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Für eine Nacht kehrten noch mal die alten Zeiten zurück: Gleich fünf der insgesamt 14 möglichen Kategorien räumte die „New York Times“ bei der Verleihung des Pulitzer-Preises gestern Abend ab.

Heute vor Handelsstart in New York hatte das altehrwürdige Renommeeblatt in die graue Realität der Wirtschaftswelt zwischen Finanzmarktkrise und digitalen Zeitenwechsel wieder eingeholt. Einen enormen operativen Verlust von 61,6 Millionen Dollar musste die „New York Times“-Gruppe im ersten Quartal ausweisen. Das entspricht einem Minus von 34 Cent je Aktie.
Auch Anzeigenerlöse im Internetgeschäft rückläufig

Der Nettoverlust wuchs sogar auf 74,5 Millionen Dollar oder 52 Cent je Aktie an, nachdem im Vergleichszeitraum im Vorjahr unterm Strich noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt worden war. Analysten hatten lediglich mit einem  Verlust von 4 Cent je Aktie gerechnet.  

Während die Umsätze um 19 Prozent von 748 auf 609 Millionen nachgaben, brachen Anzeigenerlöse gar um 28,4 Prozent ein. Auch in der Internetsparte wurde mit weniger mit Werbung erlöst – die Verkäufe gingen um 6 Prozent von 72 Millionen auf 67,6 Prozent zurück. Am besten schlug sich noch das 2005 zugekaufte Empfehlungsportal About.com, dessen Werbeerlöse nur um 4,7 Prozent zurückgingen.
„Eine Pleite weiter eine sehr reale Möglichkeit“

Aktionäre reagierten entgeistert auf die enttäuschende Quartalsbilanz und schickten die Aktie der „New York Times“-Gruppe, die bereits am Vortag zweistellig verloren hatte, zu Handelsbeginn um 15 Prozent nach unten, auf unter 5 Dollar.

Erst im Februar hatte das New York bei 3,50 Dollar ein neues 30-Jahrestief notiert. „Eine Pleite bleibt weiter eine sehr reale Möglichkeit“, kommentiert der frühere Internetaktienanalyst Henry Blodget die Lage.

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