Aus dem Newsroom ins Rampenlicht

Gerade fünf Quadratmeter Office Space unter Neonlicht in einem vollgestellten Großraum-Büro, ein PC vom Discounter, ein Telefon und ein Diktiergerät: Das sind die Waffen, mit denen Alexandra Berzon den wichtigsten Journalistenpreis der Welt gewann. Aus dem Newsroom ins Rampenlicht: Die 29-Jährige Reporterin der "Las Vegas Sun" recherchierte eine Story "vor der Haustür" und setzte sich gegen alle Konkurrenten der überregionalen Titel durch – ein Sieg für den investigativen Lokaljournalismus.

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Rührende Bilder von der „Las Vegas Sun“: Mit einer prallen Fotoserie dokumentiert das Blatt die Ankunft der mit der Glücksbotschaft konfrontierten Pulitzer-Preisträgerin Alexandra Berzon im Büro. Die Auszeichnung gilt als Fanal der Hoffnung für investigativen Qualitäts-Journalismus, vor allem auch im Lokalen, wo es keinen nennenswerten Spesenetat für die Recherche gibt.
Die 29-Jährige Lokaljournalistin gewann die wichtige Kategorie „public service“ für insgesamt 53 Artikel über Sicherheitsmängel auf den Baustellen der Stadt. Berzon hatte Inkompetenz und Gleichgültigkeit von Behörden wie Bauunternehmern gegenüber 12 tödlichen Unfällen dokumentiert und eine Reform der Vorschriften erzwungen. Durchschnittlich alle sechs Wochen hatte es bei den Bauarbeiten an Hochhäusern am Strip einen Todesfall gegeben. Nach den Enthüllungen reagierten die Verantwortlichen: Seither hat es keine tödlichen Unfälle mehr gegeben.
Die Redaktionsfotos zeigen eine stolze Belegschaft und eine Reporterin mit eilig herbeigeschaffter Champagnerflasche im Freudentaumel. Christopher Keil, Medienchef der „Süddeutschen“, erfuhr von einem Vorgesetzten, sie sei „keine Frau, die ein Nein akzeptiere.“ Berzon selbst war offenbar schwer zu erreichen, weil sie ihr Handy verloren hatte.
Die ökonomische Realität der „Las Vegas Sun“ dämpft aber die Freude über aufrechten Lokaljournalismus. Die verkaufte Auflage war 2005 auf 35.000 Stück gesunken, seitdem wird die „Sun“ als Beileger des Konkurrenten „Las Vegas Review-Journal“ mit immerhin 180.000 Exemplaren ausgeliefert. Zugleich wurde der Online-Auftritt erweitert, während die gedruckte Ausgabe sich auf investigative Recherche und Unternehmensberichte fokussiert. Die „SZ“ zitiert Chefredakteur (und Verlegersohn) Brian Greenspun: „Damit sind wir vielleicht näher an dem Modell, für das Zeitungen in ein paar Jahren vielleicht stehen.“

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