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Übernahmepoker: Oracle schluckt Sun

Gute Nachrichten zu Wochenbeginn aus New York: Es werden wieder Milliarden für Übernahmen im Technologiesektor bezahlt. Vor Handelseröffnung an der Wall Street teilte das auf Datenbanklösungen spezialisierte Software-Unternehmen Oracle mit, dass es den Serveranbieter Sun übernehmen wolle. Vor wenigen Wochen hatte IBM bereits eine Akquisition des einstigen Stars der Technologiebörse Nasdaq ins Auge gefasst, die dann jedoch scheiterte. Der Oracle-Deal sei nun definitiv.

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Es ist fast wie in alten Zeiten: Ein Premium-Preis von 42 Prozent werden geboten – für eine Akquisition im Technologiesektor. Bieter ist niemand anderes als das dritthöchst bewertete Software-Unternehmen der Welt, Oracle, das für den Serverhersteller Sun bietet. Stolze 7,4 Milliarden Dollar hinlegen will. Das entspricht einem Gebot von 9,50 Dollar pro Aktie.

Firmenchef Larry Ellison kann es sich leisten: Ende vergangenen Jahres brachte es der 64-jährige laut Forbes Magazin trotz Finanzmarktkrise noch immer auf 22,5 Milliarden Dollar, was den selbstbewussten Software-Tycoon zum viertreichsten Mann der Welt macht.

Ein Monat nach IBM: Oracle bietet mehr

Das mit 90 Milliarden Dollar bewertete Software-Unternehmen will mit dem Zukauf die Konkurrenten SAP und IBM angreifen. Dabei hatte der US-Traditionscomputerbauer IBM es noch vor Wochen selbst in der Hand, den kriselnden Serveranbieter zu schlucken. Knapp 1 Milliarde weniger als „Big Blue“ nach Angaben des „Wall Street Journals“ für Sun vor einem Monat geboten – doch der Deal scheiterte.

Bis heute ist unklar, woran genau. Zunächst schien der Deal besiegelt, dann wollte IBM den Preis nach Einsicht der Bilanzen offenbar drücken. Kursierten zunächst von Kurse von bis zu 11 Dollar als mögliche IBM-Offerte, war an der Wall Street nach Prüfung der Bücher nur noch von 9,40 Dollar „oder weniger“ die Rede. Die Gespräche stockten – und galten vor knapp zwei Wochen als gescheitert.

Anleger nehmen Oracle-Offerte ernst – Sun Aktie gewinnt 36 Prozent

„Der Zukauf ist in den Aktienkursen eingepreist. Das noch platzen zu lassen wegen 50 Cent pro Aktie oder was auch immer, scheint mir keine kluge Sache zu sein“, wunderte sich Technologieanalyst Shaw Wu von Kaufman Brothers. Peter Falvey von Revolution Partners ergänzte gegenüber Reuters: „Wenn IBM in die Bücher blicken darf und ihnen nicht gefällt, was sie dort finden – was heißt das denn für einen möglichen anderen Interessenten?“

Es heißt: Kaufen. In bar. Und zwar für offenbar ganze 10 Cent je Anteilschein mehr als IBM. Anleger nahmen die Ernsthaftigkeit der Oracle für bare Münze und schickten die Sun-Papiere praktisch um jenen Aufschlag des Übernahmeangebots nach oben. Sun-Papiere notierten zur Handelseröffnung an der Wall Street bei 9,10 Dollar – ein Plus von 36 Prozent.

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