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Hellmann schneidert „Hörzu“ neuen Mantel

Sie ist die Grand Old Lady unter den TV-Programmies: Die erste Ausgabe erschien 1946, als Deutschland in Trümmern lag, damals noch als „Rundfunkzeitschrift“. Und auch wenn die Marke gegenüber den Hochzeiten vor 30 oder 40 Jahren an Strahlkraft und Auflage verloren hat, so ist das Magazin nach wie vor ein sicheres Profitcenter. Die Rede ist von der „Hörzu“, die gerade unter ihrem neuen Chefredakteur Christian Hellmann einen Mantel-Relaunch erfahren hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Sie ist die Grand Old Lady unter den TV-Programmies: Die erste Ausgabe erschien 1946, als Deutschland in Trümmern lag, damals noch als „Rundfunkzeitschrift“. Und auch wenn die Marke gegenüber den Hochzeiten vor 30 oder 40 Jahren an Strahlkraft und Auflage verloren hat, so ist das Magazin nach wie vor ein sicheres Profitcenter. Die Rede ist von der „Hörzu“, die gerade unter ihrem neuen Chefredakteur Christian Hellmann einen Mantel-Relaunch erfahren hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Ihre besten Zeiten erlebte die „Hörzu“ in den 60er und 70er Jahren. Noch im vierten Quartal 1979 verkaufte sich der Programmie-Klassiker laut IVW mehr als 4 Mio. mal pro Ausgabe. Doch spätestens Anfang der 80er setzte ein stetiger Auflagenrückgang ein. So gingen zwischen 1980 und 1990 rund 900.000 Käufer verloren, die Auflage fiel von 3,9 Mio. auf 3,0 Mio.
Mit dem Markteintritt der modernern 14-täglichen Konkurrenten „TV Spielfilm“, „TV Movie“ & Co. beschleunigten sich die „Hörzu“-Verluste sogar noch. Zwischen 1992 und 2001 rutschte die verkaufte Auflage um mehr als 1 Mio. Exemplare nach unten – im vierten Quartal 2001 fiel sie erstmals unter die 2-Mio.-Marke. Seitdem gelang es der Zeitschrift immerhin, das Tempo der Auflagenverluste etwas zu verlangsamen. In den sieben Jahren gingen bis zum vierten Quartal 2008 allerdings weitere 550.000 Käufer verloren, ein Ende der Verluste ist noch nicht wirklich in Sicht. Im ersten Quartal 2009 lag die „Hörzu“ mit 1.437.565 verkauften Heften 2,4% unter dem Vorjahr.
In vielen Haushalten liegt die „Hörzu“ seit Jahrzehnten auf dem Couchtisch. Chefredakteur Hellmann, der die Hoheit über den Traditionstitel im Februar von Thomas Garms übernahm, ging bei der Umgestaltung behutsam vor und nutzte die Kompetenz und Erfahrung, die er sich als Gründungs-Chef von „TV Spielfilm“ und „TV Digital“ erworben hat. In mehreren Schritten gestaltete er den Mantel- und Serviceteil neu. Mit Ausgabe 17, die jetzt am Kiosk liegt, ist der Erneuerungsprozess abgeschlossen. 20 Extraseiten und eine DVD mit dem Hollywoodfilm „Love Story“ sollen der Relaunch-Ausgabe einen zusätzlichen Auflagenschub geben.
Insgesamt macht der überarbeitete Mantel einen gefälligen, wenn auch nicht atemberaubenden Eindruck – zielgruppengerecht eben. Hellmann setzt auf Wissens-Reportagen und Gesundheits-Service, dazu eine Prise Schicksal und Tiere, Reisetipps, Natur- und Food-Geschichten. Alles angenehm unaufgeregt, wie ein Familienmagazin sein sollte. Und auch sorgfältiger komponiert und besser geschrieben und produziert als so viele Service- und Magazin-Teile auf dem Zeitschriftenmarkt. Bei Springer ist es ein offenes Geheimnis, dass Verlegerin Friede Springer zu den „Heavy Usern“ der „Hörzu“ gehört und jede Ausgabe aufmerksam durchgeht.
Die „Hörzu“ ist auf den Monat gerechnet die teuerste TV-Zeitschrift in Deutschland. Vier Wochen „Hörzu“ lesen kostet 6 Euro, die vierzehntägliche Premium-Konkurrenz kommt im selben Zeitraum auf 3,30 Euro. Dafür, dass sich die Leser trotz des Preisaufschlags für das Springer-Weekly entscheiden, erwarten sie Qualität. Die bietet Hellmann und nutzt dabei das Netzwerk der insgesamt fünf von ihm verantworteten TV-Magazine, das zahlreiche Synergien ermöglicht.
Nach einer Reihe von erfolglosen Versuchen hat sich der Verlag von der Maxime verabschiedet, das Publikum der „Hörzu“ deutlich zu verjüngen. Bei 57,4 Jahren liegt das Durchschnittsalter der Leser. Mit ein bis zwei Prozent Auflagen-Rückgang pro Jahr kalkulieren die Verantwortlichen und wissen, dass sie diesen Trend nicht umkehren können. Doch auch wegen des stattlichen Copypreises ist die „Hörzu“ weiterhin hoch profitabel und wird dies wohl auch in den kommenden Jahren sein. „Hörzu“-Klassiker wie „Mecki“ oder „Original & Fälschung“ stehen nicht auf der Liste der bedrohten Rubrikarten.
Gespart wird demnächst allerdings in Springers Zentraler Programm-Redaktion (ZPR). Durch die Einführung eines millionenteuren Redaktionssystems mit integrierter Filmdatenbank werden wohl etliche der rund 100 Mitarbeiter gehen müssen.

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