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Die Zeitungsauflagen im 1. Quartal

Deutschlands Regionalzeitungen haben laut IVW im ersten Quartal deutlich an verkaufter Auflage verloren. Kein einziger der mehr als 40 im MEEDIA-exklusiven Bundesland-Ranking aufgeführten Titel konnte zulegen, wenn es um Abos und Einzelverkäufe ging. Zu den größten Verlierern des Quartals gehören die "B.Z.", die "Mitteldeutsche Zeitung" und die "Leipziger Volkszeitung". Gewinner gibt es nur bei den überregionalen Blättern, sowie bei den Sonntags- und Wochenzeitungen.

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Zu diesen Gewinnern des Quartals gehört auf den zweiten Blick vor allem die „Süddeutsche Zeitung“. Zwar gingen bei der Gesamtauflage 1,2% gegenüber dem Vorjahr verloren, doch die kamen vor allem durch 10.000 weniger unters Volk gebrachter sonstiger Verkäufe zustande. Bei den Abos und im Einzelverkauf gewann die „Süddeutsche“ hingegen um 0,2% bzw. 1,4%. Bei der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“sieht es genau andersherum aus: Die Gesamtverkäufe weisen ein kleines Plus auf, doch bei Abos und Einzelverkäufen gab es Verluste. Der Grund für das Plus: 6.000 mehr verteilte Bordexemplare. Auch bei der „Financial Times Deutschland“ und der „tageszeitung“ zeigt der Auflagenpfeil bei Abos und Kiosk-Verkäufen leicht nach unten statt leicht nach oben. Die größten Verluste bei den Gesamtverkaufszahlen der überregionalen Zeitungen muss wieder einmal die „Bild“ verkraften: Ihre Auflage fiel um rund 170.000 Stück oder 5,1%:

Gleich drei echte Gewinner gibt es bei den Sonntags- und Wochenzeitungen. Die grandiosen Zahlen der „Zeit“ haben wir schon in den vergangenen Wochen gewürdigt, sie legte um satte 4,2% auf 505.765 verkaufte Exemplare zu. Das Plus kam wie bei den beiden weiteren Gewinnern vor allem durch echte Verkäufe, also Abos und Kiosk-Verkäufe zustande. Um ähnlich deutliche 3,5% gewonnen hat die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, die immer näher an den Platzhirschen „Welt am Sonntag“ heranrückt. Die „WamS“ konnte sich nur noch über der 400.000er-Marke halten, weil der Verlag die per sonstigen Verkäufen unter das Volk gebrachten Zeitungen um 13.000 pro Exemplar steigerte. Die tatsächlichen Verluste der „WamS“ wären ohne diese Maßnahme also noch wesentlich höher. Gleich um 46,7% nach oben geklettert sind die Verkaufszahlen der Wochenzeitung „der Freitag“. Durch den Relaunch hat sich die verkaufte Auflage um 5.779 Stück auf nun 18.161 gesteigert. Im Einzelverkauf gewann das Blatt sage und schreibe 368%. Ob die neugierigen Käufer dabei bleiben, oder der neuen Zeitung schnell wieder den Rücken kehren, werden die kommenden Quartale zeigen.

Kommen wir nun aber zum größten Krisengebiet der Zeitungsbranche – den Regionalzeitungen. Unsere MEEDIA-exklusive Reise durch die Bundesländer beginnen wir wie immer im Osten und damit gleich dort, wo die roten Zahlen am dicksten sind. Größter prozentualer Verlierer aller Tageszeitungen in unserem Ranking ist die „B.Z.“. Das Berliner Boulevardblatt verlor wie die „Bild“ 5,1% ihrer Verkäufe aus dem Vorjahresquartal. Spektakulär nach unten gerasselt sind dabei die Kiosk-Verkäufe, die um fast 17.000 nach unten gingen. Nur durch erhöhte Bordexemplare und sonstige Verkäufe konnte gegengesteuert werden. Auch der „Berliner Kurier“ verlor satt, „Der Tagesspiegel“ gewann insgesamt zwar leicht, doch auch hier nur deswegen, weil der Verlag 3.000 sonstige Verkäufe pro Tag mehr unters Volk brachte. Wenig zu lachen gibt es für die großen Zeitungen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Die neun großen Titel verloren allesamt zwischen 2,5% und 4,1%. Besonders hart traf es dabei die „Mitteldeutsche Zeitung“ (-4,1%), die „Leipziger Volkszeitung“ (-3,9%) und die WAZ-Tochter Zeitungsgruppe Thüringen (-3,8%):

Im Norden sehen die Zahlen hingegen nicht ganz so dramatsich aus. Auch hier wird breitflächig verloren, allerdings bei den meisten Titeln nicht weniger als 1,5%. Die negativen Ausnahmen sind der Bremer Anzeigenblock mit -3,1% und das „Hamburger Abendblatt“ mit -3,4%. Sie werden es längst ahnen, auch die Gewinne der „sh:z“ sind erhöhten sonstigen Verkäufen anzulasten. Ohne diese Maßnahme hätte es auch hier ein Minus gegeben. Richtig schlecht sieht es in NRW für die WAZ-Mediengruppe und den „Express“ aus. Mit Verlusten von 2,8% bzw. 3,6% sind die Verluste ohnehin schon recht groß, doch der zweite Blick zeigt ein noch dramatischeres Bild. So gingen der „WAZ“ bei den Abos und Kiosk-Verkäufen sogar 32.000 Zeitungen verloren, der „Express“ verlor im dort besonders wichtigen Einzelverkauf heftige 6,9%. Auch diese beiden Verlage steuerten mit sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren gegen. Die entgegengesetzte Strategie verfolgt offenbar die „Rheinische Post“, die bei den Abos nur 0,03% verlor, dafür aber – wahrscheinlich um Kosten zu sparen – bei den Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen 7.000 Zeitungen weniger verteilte.

Auch im Süden sieht es nicht so ganz so schlimm aus wie im Norden, die Auflagenverluste liegen hier ebenfalls meist unter der 2%-Marke. Negative Ausnahme ist die „Schwäbische Zeitung“ mit einem Minus von 3,2%. Die beiden Zeitungen mit den geringsten Verlusten haben – natürlich – vor allem wegen je 3.500 mehr verteilten Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen ihre Verluste klein gehalten. So kamen RheinMainMedia und der „Münchner Merkur“ bei den Gesamtverkäufen auf ein Minus von weniger als 0,1%. Auflagenstärkste Regionalzeitung im Süden bleibt die „Augsburger Allgemeine“ mit 340.631 verkauften Stück:

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